Fünf Sonderberichterstatter der UNO haben die kanadische Regierung aufgefordert, den 44-jährigen Sikh-Aktivisten Moninder Singh und seine Familie zu schützen. Sie warnen vor glaubwürdigen Todesdrohungen und transnationaler Repression durch indische Behörden. Singh erhielt seit 2022 vier Warnhinweise der Polizei. Die UNO-Experten sehen ein Muster der Einschüchterung gegen Sikh-Aktivisten im Ausland.

UNO fordert Kanada auf, den Sikh-Aktivisten Moninder Singh zu schützen

Ein Gruppe von fünf Sonderberichterstattern der Vereinten Nationen hat die kanadische Regierung dringend aufgefordert, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um das Leben von Moninder Singh, einem prominenten Aktivisten der Sikh-Gemeinschaft, zu schützen. Er und seine Familie sind glaubwürdigen Todesdrohungen ausgesetzt, die von indischen Behörden ausgehen sollen.

Hintergrund der Drohungen und die Rolle der UNO

Laut einem Bericht von The Guardian vom 4. August 2026 sandten die fünf unabhängigen UN-Experten einen Brief an die kanadische Regierung, der auf den 3. Juni 2026 datiert ist und kürzlich veröffentlicht wurde. Die Sonderberichterstatter, die für Themen wie Terrorismusbekämpfung, Versammlungsfreiheit, Menschenrechtsverteidiger, Religionsfreiheit und internationale demokratische Ordnung zuständig sind, äußerten ihre Besorgnis über die beunruhigenden Vorwürfe der Einschüchterung und ausländischen Vergeltungsmaßnahmen gegen Singh.

Der 44-jährige Aktivist hat seit 2022 vier sogenannte 'Duty to Warn'-Mitteilungen von den kanadischen Behörden erhalten, die vor unmittelbaren und glaubwürdigen Lebensgefahren warnen. Erst im Februar 2026 besuchte die kanadische Polizei sein Zuhause, um ihn zu warnen, dass auch seine Familie in Gefahr sei – nur wenige Tage bevor Premierminister Mark Carney zu Handelsgesprächen nach Indien reiste.

Was ist die Khalistan-Bewegung?

Die Khalistan-Bewegung strebt die Schaffung eines unabhängigen Sikh-Staates in der Region Punjab in Indien an. Die Kampagne reicht bis zur Unabhängigkeit Indiens 1947 zurück und wurde von der indischen Regierung verboten. Aktivisten dieser Sache im Ausland behaupten, Ziel von Drohungen und Vergeltungsmaßnahmen durch Neu-Delhi zu sein.

Der Fall Hardeep Singh Nijjar und transnationale Repression

Die Forderung der UNO steht im Kontext der angespannten diplomatischen Beziehungen zwischen Kanada und Indien. Im Jahr 2023 beschuldigte der damalige Premierminister Justin Trudeau Indien, die Ermordung von Hardeep Singh Nijjar, einem Sikh-Aktivisten und engen Freund von Moninder Singh, orchestriert zu haben. Nijjar wurde in der Nähe eines Tempels in einem Vorort von Vancouver erschossen. Der kanadische Geheimdienst stützte diese Anschuldigungen und bezeichnete den Vorfall als eine erhebliche Eskalation der indischen Repressionsbemühungen.

Die UN-Experten wiesen darauf hin, dass die Drohungen gegen Singh Teil eines breiteren Musters transnationaler Repression durch indische Behörden gegen Sikh-Aktivisten in verschiedenen Ländern seien. Singh besuchte Anfang dieses Jahres die UNO in Genf, um für internationales Handeln gegen diese mutmaßliche Verfolgung zu appellieren.

Das heikle diplomatische Gleichgewicht von Mark Carney

Der amtierende Premierminister Mark Carney hat versucht, die Beziehungen zu Neu-Delhi zu verbessern. Im März 2026 reiste er nach Indien, um Handelsabkommen zu unterzeichnen, und spielte frühere Warnungen vor Drohungen herunter. Diese Haltung hat innerhalb der Sikh-Gemeinschaft in Kanada Kritik hervorgerufen, die das Gefühl hat, dass der Handel über die Sicherheit der Bürger gestellt werde. Die kanadischen Behörden haben versichert, dass sie überzeugt seien, die Kampagne der Drohungen und Gewalt sei beendet, doch Aktivisten wie Singh bleiben besorgt.