Hintergrund und Eskalation
Nach der historischen Übernahme der Credit Suisse-Gruppe durch UBS im März 2023 hat die SNB die UBS als systemrelevante Institution im Visier. Die Diskussion über Kapitalanforderungen, Aufsicht und politische Einflüsse wurde in den letzten Wochen laut, als Sergio Ermotti öffentliche Bedenken äußerte.
Die Stimme der Kritik
Sergio Ermotti, seit 2020 CEO der UBS, kritisierte in einem Interview mit der Neue Zürcher Zeitung die „zu restriktive Handhabung von Liquiditätsreserven“ seitens der SNB. Diese Äußerungen wurden von vielen als direkte Einflussnahme auf die politisch unabhängige Notenbank interpretiert. In Reaktion darauf erteilte Thomas Jordan, langjähriger President des SNB-Rates, am 2. November 2023 eine klare Absage.
Der off‑izielle Antrag des SNB
„Wir hören und respektieren jede Anregung“, betonte Thomas Jordan in einer offiziellen Mitteilung der SNB, „Aber die SNB wird keine Vorgaben von einzelnen Marktteilnehmern akzeptieren, wenn sie die Stabilität des Finanzsystems gefährden könnten.“ Die Botschaft war eindeutig: Die SNB schützt ihre Entscheidungshoheit und den öffentlichen Interessen überwiegt die privaten Unternehmensziele.
Warum diese Diskussion relevant ist
Die Schweiz steht vor einer Phase des Finanzsystem‑Umstrukturierung: Die Konzentration von Marktmacht in den Händen von UBS – nach der Credit‑Swiss‑Übernahme die größte Bank des Landes mit über 800 Milliarden Franken Bilanz – stellt eine besondere Herausforderung für die regulatorische Balance dar. Besonders die Debatten um:
- Kapitalanforderungen (Basel‑III‑Umsetzung, Liquideitätsabdeckung)
- Makroprudenzielle Werkzeuge (Systemrisiko‑Puffer, Stress‑Tests)
- Staatliche Eingriffe (Entscheidungen über Zahlungsausfälle oder Bail‑Ins)
Die unterschiedlichen Herangehensweisen dieser Themen zwischen der SNB und der UBS provozieren das aktuelle Spannungsfeld.
Mögliche Szenarien
Analysten sehen drei mögliche Fortsetzungen:
- Vertiefte Distanz – ein zunehmendes Auseinanderdriften könnte die Marktkonfidenz schwächen und internationale Beobachter veranlassen, die Stabilität der Schweiz zu prüfen.
- Staatliche Mediation – die Bundesbehörden könnten ein schlichtendes Gremium etablieren, um Konflikte zu entschärfen, ohne die Unabhängigkeit der SNB zu gefährden.
- Neuer Dialog – ein strukturiertes Forum, in dem UBS seine Anliegen technisch vorträgt, while the SNB seine Entscheidungen begründet und mögliche Verfassungsgrenzen erklärt.
Unabhängig vom Verlauf bleibt das übergeordnete Ziel: die Wahrung der finanziellen Stabilität in der Schweiz und die Sicherstellung, dass die regulatorische Unabhängigkeit nicht durch wirtschaftliche Macht existentieller Bedrohungen untergraben wird.
Quellen: https://www.snb.ch | https://www.ubs.com/ch