Ein verhalten optimistischer Befund

Nach dem Besuch der IWF-Direktorin Kristalina Georgieva und der Heraufstufung der argentinischen Staatsanleihen durch Moody's haben die großen internationalen Banken ihre Berichte zur Lage Argentiniens veröffentlicht. Insgesamt bleibt ihr Ausblick positiv, auch wenn sie auf Risiken im Zusammenhang mit dem Wachstum und dem externen Umfeld hinweisen.

Ricardo Dessy, Chefökonom von Citi Research für den Südkegel, präsentierte eine Analyse, in der er hervorhob, dass das Land beginne, „interessante Ergebnisse“ in den Bereichen Fiskalpolitik, Reservekäufe, Exporte und Inflation zu erzielen. „Wir sind verhalten optimistisch. Heute gibt es ein gutes makroökonomisches Bild mit einigen Sorgen“, sagte er.

Die vier Säulen des Optimismus

  • 1. Haushaltsgleichgewicht: Dessy begrüßte, dass es das dritte Jahr in Folge einen Überschuss gebe, und bezeichnete dies als eine nachhaltigere Anpassung im Vergleich zu früheren Erfahrungen, die auf Megabwertungen beruhten. Er prognostiziert einen Finanzierungsüberschuss von 0,01 % des BIP.
  • 2. Wiederaufbau der Reserven: Er betonte die Rolle der argentinischen Zentralbank (BCRA) beim Kauf von Devisen, die das Paradigma des „Pass-through“ durchbrochen habe. J.P. Morgan schätzt, dass die Bruttoreserven um 9,5 Mrd. USD steigen und bis Ende 2026 rund 50 Mrd. USD erreichen werden.
  • 3. Verlangsamung der Inflation: Obwohl es aufgrund der Anpassung von Tarifen und relativen Preisen eine Untergrenze von 25–30 % pro Jahr gebe, sei der strukturelle Rückgang eine positive Entwicklung.
  • 4. Sprung der Exporte: Angetrieben durch den Energie- und Bergbausektor wird erwartet, dass die Exporte die 100 Mrd. USD übersteigen, was zur Stabilität des Dollarangebots beiträgt.

Die zu beobachtenden Herausforderungen

  • Asymmetrisches Wachstum: Citi prognostiziert für 2026 ein Wachstum von 2,9 % bis 3 %, warnt aber, dass arbeitsintensive Sektoren (Bau, Handel und Industrie) hinter dem Bergbau und der Energie zurückbleiben. J.P. Morgan senkte seine Wachstumsprognose von 3 % auf 2,7 %.
  • Politisches Risiko: Mit Blick auf die Wahlen 2027 bezeichnete Dessy die größte Bedrohung als politisch, schränkte jedoch ein, dass die Opposition „keine klaren Kandidaten“ habe und die Gouverneure das derzeitige Investitionsmodell bevorzugten.
  • Externe Bedrohung: Ein möglicher Zinsanstieg durch die US-Notenbank (Fed) wird als das größte Risiko angesehen. „Es ist, als ob uns die Leiter weggenommen wird, während wir die Decke streichen“, veranschaulichte er.

Die Barclays hingegen behielt einen konstruktiven Blick bei, senkte aber ihre Schätzung des Primärüberschusses für 2026 auf 1,1 % des BIP und betonte, dass die Primärausgaben mit einem realen Rückgang von fast 2 % im ersten Halbjahr weiterhin unter Kontrolle seien.

Anlageempfehlungen

J.P. Morgan bestätigte seine „Overweight“-Empfehlung für Vista Energy mit einem Kursziel von 93 USD pro Aktie, während UBS seine Kaufempfehlung mit einem Ziel von 87 USD bekräftigte und dabei das Produktionswachstum und die Verbesserung des EBITDA des Ölkonzerns hervorhob.