31/07/2026 15:10 - Internacionales
Die spanische Exklave Ceuta – ein kleiner Landstreifen an der nordafrikanischen Küste, der zur Europäischen Union gehört – erlebt eine der schwersten Migrationskrisen der letzten Jahre. Nach einem Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs, das sogenannte „heiße Rückführungen“ auf See verbietet, gelangten innerhalb von 48 Stunden mehr als 50.000 Menschen schwimmend von Marokko nach Ceuta. Die Behörden bargen 57 Leichen aus dem Meer, die meisten von ihnen junge Erwachsene zwischen 20 und 35 Jahren. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez besuchte die Region und ordnete den Einsatz der Armee zur Unterstützung von Polizei und Guardia Civil an.
Am 31. Juli 2026 ordnete das italienische Innenministerium unter Matteo Piantedosi die Wiedereinführung von Kontrollen an Häfen und Flughäfen für Reisen aus Spanien an. Dies bedeutet eine vorübergehende Aussetzung des Schengen-Abkommens, das normalerweise die freie Personenfreizügigkeit innerhalb der EU garantiert. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni will so verhindern, dass die Krise auf Italien übergreift. Auch Finnland hat seine Unterstützung für diesen Schritt signalisiert.
Trotz der dramatischen Lage gibt es positive Nachrichten: Nach Angaben des spanischen Innenministeriums sind bereits rund 48.300 Menschen freiwillig nach Marokko zurückgekehrt – mit einer Rate von etwa 150 Rückführungen pro Minute. Dies ist das Ergebnis enger Absprachen zwischen Spanien und Marokko. Die Zusammenarbeit zeigt, dass diplomatische Lösungen möglich sind und die Grenze bald wieder unter Kontrolle sein könnte.
Für Urlauber und Geschäftsreisende ändert sich vorerst wenig, aber es kann zu Verzögerungen kommen. Ein Flug von Spanien nach Italien erfordert nun möglicherweise eine Pass- oder Personalausweiskontrolle – ähnlich wie bei Reisen nach Großbritannien. Während der Pandemie hatten mehrere Länder bereits solche Kontrollen eingeführt, ohne den Tourismus lahmzulegen. Reisenden wird empfohlen, etwas mehr Zeit an Flughäfen und Häfen einzuplanen.
Die Europäische Kommission hat die spanische Regierung in ihrem Vorgehen unterstützt. Auch der ehemalige französische Premierminister Édouard Philippe forderte eine Stärkung der EU-Außengrenzen. Frankreich prüft derzeit ebenfalls, ob es die Kontrollen zu Spanien verschärfen wird.
Quellen: Infobae, La Voz und Sir Chandler.
Alfredo S. Quiroga