Ein angespannter Sommer im Schengen-Raum
Die Freizügigkeit in Europa steht vor einer ihrer größten Herausforderungen. Nach dem irregulären Grenzübertritt von schätzungsweise 72.000 bis 78.000 Migranten in die spanische Exklave Ceuta von Marokko aus am 31. Juli 2026 sind die diplomatischen Beziehungen zwischen Spanien und Italien erheblich angespannt.
Am 1. August 2026 setzte die italienische Regierung unter Giorgia Meloni das Schengen-Abkommen für Reisende aus Spanien vorübergehend aus, mit Verweis auf Sicherheitsbedenken und Migrationskontrolle. Da Rom die Beschränkungen nicht aufhob, reagierte Spanien mit einer Gegenmaßnahme, die um 00:00 Uhr am Samstag, dem 8. August 2026, in Kraft trat.
Was ist das Schengen-Abkommen?
Es ist ein Vertragswerk europäischer Staaten, das die Kontrollen an den Binnengrenzen der Mitgliedsländer abschafft und die Freizügigkeit von Personen garantiert. Bei schwerwiegenden Bedrohungen können Länder vorübergehend wieder Grenzkontrollen einführen.
Wie funktionieren die neuen Kontrollen in Spanien?
Wie spanische Medien wie La Vanguardia und El País berichten, sind die Kontrollen nicht systematisch. Sie finden „am Flugzeug“ statt – also am Ausgang der Fluggastbrücke (dem sogenannten Finger) –, ohne den Passagierstrom in Bereiche der Außengrenzkontrolle umzuleiten.
- Umfang: Stichprobenartig werden 5–10 % der Passagiere überprüft, mit Schwerpunkt auf Drittstaatsangehörige (Nicht-EU-Bürger), um Pässe und Visa zu kontrollieren.
- Erster Tag: Am 8. August wurden 199 Reisende auf 12 Flügen aus Italien kontrolliert.
- Betroffene Flughäfen: Anfangs Madrid und Barcelona, später auch Sevilla, Bilbao, Alicante, Valencia, Málaga sowie Balearen und Kanaren.
- Dauer: Die Maßnahmen gelten bis zum 7. September 2026, können aber je nach Entwicklung angepasst werden.
Italiens Reaktion
Die italienische Regierung wies das spanische Ultimatum zurück und aktivierte laut Infobae eine Kriseneinheit über einen WhatsApp-Kanal, um betroffene Italiener zu unterstützen. Italien hält seine Kontrollen bis zum 15. August aufrecht. Die Opposition, angeführt von Nicola Fratoiani, kritisierte die Maßnahme als „Bumerang“, der den Italienern schade.
Vermittlung der EU
Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska informierte die europäischen Behörden. EU-Innenkommissar Magnus Brunner zeigte sich optimistisch und sagte, er sehe „Anzeichen, dass Italien die Kontrollen bald aufheben könnte“, möglicherweise um den 15. August.
Hintergrund: Die Krise in Ceuta
Auslöser war der massive Grenzübertritt nach Ceuta. Laut La Nueva meldet Spanien 80 Tote, während marokkanische NGOs von 141 Toten sprechen. Der Präsident von Ceuta, Juan Jesús Vivas, erklärte, dass sich noch 8.000 bis 11.000 Personen in irregulärer Situation befinden, darunter 1.400 Minderjährige. Die spanische Regierung betont, die Lage sei „unter Kontrolle“ und keiner der Neuankömmlinge habe die Halbinsel erreicht.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 31.07.2026 | Massenübertritt von 72.000–78.000 Migranten nach Ceuta. |
| 01.08.2026 | Italien führt Grenzkontrollen für Reisende aus Spanien ein. |
| 08.08.2026 | Spanien reagiert mit Kontrollen für Reisende aus Italien bis 07.09. |
| 15.08.2026 | Von Italien genanntes Ende der Kontrollen (vorbehaltlich Änderungen). |
Quellen: La Vanguardia, El País, Infobae, La Nueva.