Die japanische Premierministerin Sanae Takaichi bezeichnete den ersten Besuch des russischen Präsidenten auf den umstrittenen Inseln als völlig inakzeptabel. Putin bereiste Iturup, inspizierte Marineübungen und entfachte einen territorialen Konflikt, der seit dem Zweiten Weltkrieg andauert.

Ein historischer Besuch, der die Gemüter erhitzt

Der russische Präsident Wladimir Putin hat seit seinem Amtsantritt im Jahr 2000 zum ersten Mal die umstrittenen Kurilen besucht. Laut The Guardian landete der Staatschef auf der Insel Iturup (in Japan als Etorofu bekannt), wo er ein Krankenhaus besichtigte, sich mit Einwohnern traf und in einer Verarbeitungsfabrik Kaviar probierte.

Dieser Besuch löste in Tokio eine rasche Reaktion aus. Die japanische Premierministerin Sanae Takaichi bezeichnete den Schritt als völlig inakzeptabel und argumentierte, dass die Inseln historisch und nach Völkerrecht zu Japan gehören. Japans Außenminister Toshimitsu Motegi berief den russischen Botschafter in Japan, Nikolay Nozdrev, ein, um den offiziellen Protest auszudrücken.

Der historische Kontext des Konflikts

Für ausländische Beobachter ist es wichtig zu wissen: Die südlichen Kurilen (bestehend aus Etorofu, Kunashiri, Shikotan und der Habomai-Gruppe) sind eine vulkanische Inselkette zwischen Russlands Halbinsel Kamtschatka und der japanischen Insel Hokkaido. Sie wurden in den Endphasen des Zweiten Weltkriegs im August 1945 von der Sowjetunion besetzt, als Japan kurz vor der Kapitulation stand. Dieser Konflikt hat bis heute verhindert, dass beide Nationen einen formellen Friedensvertrag unterzeichnen.

Vor der sowjetischen Besatzung lebten etwa 17.000 Menschen japanischer Herkunft auf dem Archipel. Heute werden die Inseln von schätzungsweise 20.000 russischen Bürgern bewohnt. Ein früherer Besuch von Dmitri Medwedew auf Kunashiri im Jahr 2010 hatte bereits für diplomatische Verstimmungen gesorgt.

Reichtum und strategischer Wert

Über den symbolischen und nationalistischen Wert hinaus haben die Inseln eine enorme strategische und wirtschaftliche Bedeutung. Die Inselkette garantiert den Zugang zu reichen Fischgründen und wertvollen Mineralvorkommen, die für die Entwicklung beider Großmächte im Nordpazifik von entscheidender Bedeutung sind.

Militärmanöver und bilaterale Spannungen

Am Mittwoch vor seiner Ankunft auf Iturup reiste Putin zur nahegelegenen russischen Insel Sachalin, wo er Marineübungen der Pazifikflotte inspizierte. In seinen Erklärungen betonte er, dass die vier umstrittenen Inseln in internationalen Dokumenten als russisches Territorium anerkannt seien.

Der russische Führer erwähnte auch die bilateralen Beziehungen und würdigte die Bemühungen des verstorbenen ehemaligen japanischen Premierministers Shinzo Abe, der eine Annäherung erreicht hatte, die es japanischen Bürgern ermöglichte, die Gräber ihrer Vorfahren zu besuchen. Putin nannte jedoch die jüngsten Sanktionen Japans, die nach der russischen Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 verhängt wurden, ungerechtfertigt und leugnete, dass Russland eine Bedrohung für Tokio darstelle.

Trotz der aktuellen Spannungen bewahrt die internationale Gemeinschaft die Hoffnung, dass diplomatische Kanäle in Zukunft wieder geöffnet werden könnten, um eine friedliche Lösung zu suchen, die es beiden Nationen ermöglicht, den lang ersehnten Friedensvertrag zu unterzeichnen.