Eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben der Stärke 7,4 in Kolumbien steigt die offizielle Bilanz auf 289 Tote, 4.187 Verletzte und 143 Vermisste. Während die Identifizierung der Opfer weitergeht, geben Milliardenhilfen und eine Welle der Solidarität Anlass zur Hoffnung auf einen langen, aber machbaren Wiederaufbau.

Die Bilanz einer Katastrophe: 289 Tote und unzählige zerstörte Existenzen

Das Erdbeben der Stärke 7,4, das Kolumbien am Montag, den 10. August 2026 erschütterte, hat laut dem jüngsten Bericht der Nationalen Einheit für Risikomanagement (UNGRD) vom 16. August eine verheerende Spur hinterlassen: 289 Tote, 4.187 Verletzte und 143 Vermisste. Die Behörde präzisierte, dass die Zahl der Todesopfer um fünf niedriger liegt als am Samstag gemeldet, da „die ersten, meist mündlichen Meldungen mit den offiziellen Registern der Staatsanwaltschaft, der Gerichtsmedizin und der Rettungsdienste abgeglichen werden, um Doppelerfassungen zu vermeiden“.

Das Beben traf 450 Gemeinden in 15 Departements, beschädigte 127.557 Häuser und zerstörte 26.945 weitere vollständig. Zudem kollabierten 66 Gebäude. Auch die Infrastruktur wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen: 285 Gesundheitseinrichtungen, 2.838 Schulen und 3.782 Gemeindezentren wurden beschädigt.

Identifizierung der Opfer: 279 Leichen bestätigt

Das Nationale Institut für Rechtsmedizin und Forensik meldete, dass bis zum 15. August um 16:00 Uhr 279 der insgesamt 287 geborgenen Leichen identifiziert werden konnten. Darunter sind 21 Minderjährige. Bereits 268 Opfer wurden ihren Familien übergeben.

Die Tragödie kennt kein Alter: Das jüngste Opfer ist ein 4 Monate altes Baby aus Santander de Quilichao, die ältesten Opfer sind Isabel Castillo de Contreras (94) aus Cali und Alberto Gómez Agudelo (92) aus Pereira.

Cali und Pereira: Epizentren des Schmerzes

Cali verzeichnet mit 124 identifizierten Opfern die meisten Todesfälle, darunter mindestens zehn Kinder. In Pereira sind es 112 Opfer. Auch in Buenaventura (9), Buga (6), Roldanillo (6), Quibdó (12) sowie in Manizales, Cartago und Belén de Umbría (zusammen 10) wurden Todesopfer registriert.

Der neue Bericht listet zudem neun neu aufgenommene Opfer auf, darunter Daniela Andrea Largo Sanchea (31) und Humberto Vanegas Restrepo (82) in Pereira sowie Marta Erika Carrua Gómez (60) und Claudia Mónica Trigreros Rojas (55) in Cali.

Wiederaufbau: Eine Herkulesaufgabe für Cali und die Region

Der Bürgermeister von Cali, Alejandro Eder, schätzt die Kosten für den Wiederaufbau der drittgrößten Stadt Kolumbiens auf mindestens 3,2 Milliarden US-Dollar. Bereits jetzt wurden in Cali über 18.000 Tonnen Schutt abtransportiert. Die Behörden konzentrieren sich derzeit auf die Bergung von Leichen, die Schadensbewertung und die Unterstützung der zahlreichen obdachlos gewordenen Familien.

In ländlichen Gebieten wie Ansermanuevo und El Cairo im Valle del Cauca warten Bauern jedoch weiterhin auf staatliche Hilfe. Viele haben „Ayuda, SOS“-Flaggen an ihren Häusern angebracht, um auf ihre Notlage aufmerksam zu machen.

Solidarität, die Berge versetzt

Die reichste Familie Kolumbiens, die Familie Gilinski, kündigte eine Spende von 150 Milliarden kolumbianischen Pesos (rund 48 Millionen US-Dollar) für die Renovierung von Krankenhäusern und Schulen in Cali an. Diese Summe ergänzt die 200 Milliarden Pesos (rund 64 Millionen US-Dollar), die andere Unternehmer bereits am Freitag zugesagt hatten.

In Medellín brachte ein Benefizkonzert mit mehr als 25 Künstlern fast 2 Millionen US-Dollar und 31 Tonnen Lebensmittel ein, die bereits in die betroffenen Gebiete geschickt wurden. Die Stadtverwaltung von Bogotá entsandte zudem über 1.174 Tonnen Hilfsgüter und 900 Blutkonserven.

Sport und Musik zeigen Herz

Der ehemalige Formel-1-Pilot Juan Pablo Montoya und sein Sohn Sebastián kündigten an, die gesamten Einnahmen ihres Showrennens am Sonntag in Barranquilla den Erdbebenopfern zu spenden. „Angesichts der Tragödie haben wir die Veranstaltung umgestaltet, damit das gesamte Geld den Betroffenen zugutekommt“, so Montoya.

Zudem werden kolumbianische Fußballlegenden am Freitag, den 21. August, im Estadio El Campín in Bogotá ein Benefizspiel unter dem Motto „Levantemos a Colombia“ austragen, organisiert vom ehemaligen Nationalspieler Mario Yepes.

Politik und Diplomatie in Zeiten der Krise

Präsident Abelardo de la Espriella telefonierte mit Donald Trump, um eine vorübergehende Aussetzung der Zölle auf kolumbianische Produkte zu erwirken, und mit Israels Premierminister Benjamin Netanyahu, dem er für die humanitäre Hilfe und die Entsendung von Rettungsteams dankte. Eine israelische Mission mit 82 Soldaten arbeitet seit Freitag in Cali.

Innenminister Rodrigo Lara und Vizepräsident José Manuel Restrepo Abondano besuchten die am stärksten betroffenen Gemeinden und wiesen auf die Zerstörung historischer Bauwerke hin, darunter die Basilika Nuestra Señora de la Pobreza in Cartago und ein Flügel der Kathedrale von La Virginia.

Die USA entsandten ein C-17 Globemaster III-Flugzeug mit Hilfsgütern, während die Weltbank und andere internationale Organisationen ihre Unterstützung zugesagt haben.