Eine 37-jährige Frau in Brasilien wurde zu einer Haftstrafe verurteilt, weil sie sich über Jahre als 12-jähriges Mädchen ausgab. Sie täuschte Familien, Kirchen und Hilfsorganisationen, indem sie von Missbrauch, Autismus und Leukämie erzählte. Sie benutzte sogar Schnuller und Fläschchen, um ihre Rolle zu untermauern. Der Fall in Joinville flog auf, als ein Familienmitglied misstrauisch wurde.

Eine Frau in Brasilien hat über Jahre hinweg Menschen getäuscht, indem sie sich als 12-jähriges Mädchen ausgab. Amanda Maria Souza de Oliveira, 37 Jahre alt, wurde nun von einem Gericht im Bundesstaat Santa Catarina verurteilt. Sie muss für 1 Jahr, 6 Monate und 10 Tage ins Gefängnis, zunächst im halboffenen Vollzug. Das Gericht lehnte es ab, sie gegen Kaution freizulassen.

Der jüngste Fall ereignete sich in Joinville, einer Stadt im Süden Brasiliens. Ein Paar nahm eine angebliche 12-Jährige namens Gabriele auf, die behauptete, vor einem missbrauchenden Vater geflohen zu sein. 14 Monate lang lebte die Frau bei der Familie, sprach mit hoher Stimme, benutzte Schnuller und Fläschchen und gab an, Angst vor der Dunkelheit zu haben. Die Familie richtete ihr ein Zimmer ein, feierte ihren Geburtstag und begann, sie adoptieren zu wollen. Doch jedes Mal, wenn die Behörden näher rückten, weigerte sich die angebliche Jugendliche, mit der Begründung, ihr Vater könnte sie finden.

Die Täuschung flog auf, als ein Verwandter der Familie im Internet nach ähnlichen Fällen suchte. Er wurde fündig und alarmierte das Paar. Am 2. Juni 2026 kam die Polizei und deckte die wahre Identität auf.

Eine lange Geschichte des Betrugs

Die Ermittlungen ergaben, dass Amanda seit Jahren dasselbe Muster anwendete. Sie suchte Familien, Kirchen und Hilfsorganisationen und gab sich als missbrauchtes, krankes Kind aus. Bekannt sind folgende Fälle:

Übersicht der bekannt gewordenen Fälle

JahrOrtNameDetails
2020Belo HorizonteJuliaGab sich als 12-Jährige aus, die vor einem missbrauchenden Vater floh und Hormone nahm. Entdeckt nach einer Woche durch ärztliche Untersuchung.
2021Online (religiöse Gruppe)EmilyGab an, 12 Jahre alt zu sein, Leukämie zu haben, die Mutter sei tot, ein Arm amputiert. Eine Frau ließ sich sogar ihren Namen tätowieren und registrierte sich als Knochenmarkspenderin. Flog auf, als jemand den intakten Arm bemerkte.
2023Rio de JaneiroDudaGab sich als 12-jähriges Mädchen mit Autismus aus. Eine Ernährungsberaterin gab 4.000 bis 5.000 Reais für sie aus. Entdeckt, als die Verantwortliche die Behörden kontaktieren wollte.
2024Rio Grande do SulMelissaGab an, 11 Jahre alt zu sein und aus einem Prostitutionsnetzwerk geflohen zu sein. Eine Familie nahm sie auf, bemerkte aber Widersprüche und informierte den Vormundschaftsrat.
2025–2026JoinvilleGabrieleDer Fall, der zu ihrer Verhaftung führte.

Laut der brasilianischen Zeitung O Globo benutzte Amanda auch die Namen Karolina, Beatriz, Ana Clara und Maria Eduarda. In ihrem Handy fanden Ermittler Suchanfragen, wie man sich als Autist verhält und wie man herzerwärmend zeichnet.

Verteidigung und psychologische Einschätzung

Ihr Anwalt Lúcio Sousa argumentierte, Amanda habe nicht betrügen wollen, sondern habe nach Zuneigung gesucht: Es war ihre Art zu überleben. Sie ist seit über 20 Jahren eine verletzliche Person. Ein unabhängiges Gutachten im Auftrag der Verteidigung diagnostizierte eine Borderline-Persönlichkeitsstörung, eine abhängige Persönlichkeitsstörung und Depression. Das Gericht erachtete dieses Gutachten jedoch nicht als ausschlaggebend und erklärte sie für schuldfähig.

Reaktionen und Bedeutung

Der Fall erinnert viele an den Film Orphan (Das Waisenkind) aus dem Jahr 2009. Die Ermittler sehen ein klares Muster: Amanda suchte gezielt wohlwollende Menschen und erfand Geschichten von Missbrauch und Krankheit, um Pflege zu erhalten. Die Verurteilung umfasst auch das Verbot, in Freiheit Berufung einzulegen. Sie bleibt in Haft, während die Ermittlungen weitere Episoden dieser langjährigen Täuschung aufdecken.