Massiver Raketenstart: 10 Geschosse Richtung Ostsee
Das südkoreanische Militär bestätigte, dass Nordkorea am Donnerstag, dem 20. August 2026, etwa 10 Kurzstreckenraketen von der Region Pjöngjang aus ins östliche Meer abgefeuert hat. Der Start erfolgte um etwa 17:00 Uhr Ortszeit (08:00 Uhr GMT). Die Geschosse fielen ins Meer, wie der Generalstab in Seoul mitteilte. Die Überwachung wurde verstärkt, und man koordiniert sich eng mit den USA und Japan.
Der Abschuss erfolgte nur einen Tag, nachdem Donald Trump die Umfang der gemeinsamen Übungen „Ulchi Freedom Shield“ drastisch reduziert hatte. Diese Manöver, die am Montag, dem 17. August, begannen und bis zum 27. August dauern sollten, wurden auf Anweisung des US-Präsidenten erheblich verkleinert. Trump begründete den Schritt mit seiner „sehr guten Beziehung“ zu Kim Jong-un und der Weigerung Seouls, ihn in seinem Krieg gegen den Iran zu unterstützen.
Kim Yo-jong: „Eines Kommentars unwürdig“
Kim Yo-jong, die einflussreiche Schwester des nordkoreanischen Machthabers, nannte Trumps Entscheidung am Mittwoch „eines Kommentars unwürdig“. In einer Erklärung betonte sie: „Der provokative und aggressive Charakter der Manöver wird sich nicht ändern, auch wenn Dauer und Umfang reduziert werden.“ Gleichzeitig verzichtete sie auf die übliche scharfe Rhetorik und räumte ein, dass die persönlichen Beziehungen zwischen ihrem Bruder und Trump „weiterhin ausgezeichnet“ seien – ein Zeichen, dass Pjöngjang auf weitere Zugeständnisse hofft, bevor es an den Verhandlungstisch zurückkehrt.
Zudem dementierte Kim Yo-jong Trumps Behauptung, Kim Jong-un habe auf seinen Wunsch nach einem Gespräch reagiert. Trump hatte am Mittwoch gegenüber Journalisten erklärt, er werde Kim „ja, dieses Jahr treffen“, und bekräftigt, er verstehe sich „sehr gut“ mit dem nordkoreanischen Führer.
Hintergrund: Reduzierte Manöver und Kriegserfahrung aus der Ukraine
Die Übungen „Ulchi Freedom Shield“ gehören zu den beiden wichtigsten jährlichen Militärmanövern zwischen Seoul und Washington. Dieses Jahr waren etwa 18.000 südkoreanische Soldaten sowie US-Streitkräfte und Personal aus 11 der 18 Mitgliedsstaaten des UN-Kommandos (UNC) eingeplant. Trump ordnete am Sonntagabend an, die Beteiligung zu reduzieren – mit der Begründung, die Manöver seien teuer und sendeten „ein völlig unangemessenes und feindseliges Signal“ an ein Land, das während seiner Amtszeit „nicht bedrohlich und respektvoll“ gewesen sei.
Das südkoreanische Präsidialamt (Blaues Haus) erklärte, man prüfe die Ankündigung Trumps und hoffe, dass die freundschaftliche Beziehung zwischen den Führungen der USA und Nordkoreas zu einem bedeutungsvollen Dialog für den Frieden auf der Halbinsel führen werde.
Militärexperten beider Länder hatten zuvor gewarnt, dass Nordkorea Kampftaktiken aus dem Ukraine-Krieg übernimmt. Pjöngjang hat nach Angaben westlicher Geheimdienste mehr als 14.000 Soldaten nach Russland entsandt, um Moskau im Angriffskrieg gegen die Ukraine zu unterstützen, dazu Artillerie und ballistische Raketen. Oberst Ryan Donald, Direktor für öffentliche Angelegenheiten der US-Kommandos in Südkorea, erklärte, die Übungen dieses Jahres umfassten Szenarien mit Drohnen, GPS-Störungen und Cyberangriffen – Bedrohungen, die direkt mit den Erfahrungen der nordkoreanischen Truppen an der ukrainischen Front zusammenhängen.
Notfalltreffen des Sicherheitsrates und internationale Verurteilung
Nach dem Raketenstart trat der Nationale Sicherheitsrat Südkoreas zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. In einer Erklärung forderte das Gremium Pjöngjang auf, die Starts ballistischer Raketen zu stoppen, die durch Resolutionen des UN-Sicherheitsrats verboten sind. Auch das Büro des japanischen Ministerpräsidenten meldete einen möglichen Raketenstart und verurteilte den Vorgang.
Der Vorfall ist Teil einer anhaltenden Eskalation in der Region: Bereits in den Tagen zuvor hatte Nordkorea Raketentests durchgeführt, offenbar als Protest gegen die angekündigten Manöver. Am Freitag davor hatte das nordkoreanische Außenministerium die Übungen als „Probe für einen Angriffskrieg“ bezeichnet und gedroht, „auf eine neue Bedrohungsstufe mit einer neuen Abschreckungsstufe“ zu antworten.
Ausblick: Was kommt als Nächstes?
Die Reduzierung der Manöver stößt in Washington auf parteiübergreifende Kritik. Einige Abgeordnete nannten die Entscheidung „inept und chaotisch“. Der südkoreanische Präsident Lee Jae-myung fordert unterdessen eine größere militärische Eigenständigkeit seines Landes und direkte Gespräche mit dem Norden, um den Koreakrieg formal zu beenden – der technisch gesehen seit dem Waffenstillstand von 1953 immer noch andauert.
Analysten gehen davon aus, dass die Verkleinerung der Manöver nicht ausreichen wird, um Pjöngjang zu einem Kurswechsel zu bewegen. Nur eine vollständige Absage könnte als ernsthafte Geste wahrgenommen werden. Bis dahin bleibt die Lage auf der Halbinsel angespannt – beide Seiten sind auf weitere Schritte vorbereitet.