Ein Wirtschaftskrieg ohne Beispiel
Am 24. August 2026 eskalierte der Konflikt zwischen den USA und dem Iran erneut dramatisch. US-Finanzminister Scott Bessent kündigte neue Sanktionen gegen die Islamische Republik an, die er als "die härtesten Sanktionen der Geschichte" bezeichnete. Diese Maßnahmen sind Teil einer Kampagne, die US-Präsident Donald Trump in der vergangenen Woche als "die vernichtendste Wirtschaftsoperation, die je gegen ein Land durchgeführt wurde" angekündigt hatte.
In einem Interview mit der Financial Times am Sonntag, dem 23. August, war Bessent deutlich: "Die USA werden die Islamische Republik Iran mit den härtesten Sanktionen der Geschichte in den Kollaps treiben." Zudem drohte er mit Sekundärsanktionen gegen jedes Land oder Unternehmen, das mit dem Iran handelt. "Entweder die Länder sind auf unserer Seite oder gegen uns. Es ist Zeit, dass unsere Verbündeten und der Rest der Welt eine Entscheidung treffen – wir werden die Wirtschaft dieses Regimes zerstören", so Bessent weiter. Er deutete an, dass "die vollständige finanzielle Isolation die Notwendigkeit militärischer Gewalt überflüssig machen könnte".
Irans Antwort: 'Wir hatten nie Angst'
Teheran reagierte umgehend. Außenminister Abbas Araghchi nannte die Drohungen einen Ausdruck von "Verzweiflung" Washingtons. "Wir hatten nie Angst. Alle ihre Aktionen (Blockaden oder andere militärische Bewegungen) sind gescheitert, und auch dieses neue Thema wird scheitern", sagte er.
Präsident Masoud Pezeshkian erklärte, Trump habe den Iran in "einen groß angelegten wirtschaftlichen, militärischen und sicherheitspolitischen Krieg" gestürzt, räumte aber interne Probleme ein: "Ich verstehe, dass wir gerade viele Probleme in der Gesellschaft haben. Wir versuchen, sie so gut wie möglich zu verhindern."
Die schärfste Warnung kam jedoch vom neuen Chef des Obersten Nationalen Sicherheitsrates, Mohsen Rezaei, einem Hardliner. Rezaei drohte mit Vergeltung "wie ein Erdbeben", falls Washington die Sanktionen umsetzt. In einer direkten Warnung an die Nachbarländer am Golf sagte er: "Wenn die Länder, die den Iran umgeben, sich den Amerikanern in ihrem Wirtschaftskrieg anschließen, wird kein einziger Tropfen Öl aus dem Persischen Golf und der Straße von Hormus fließen." Zudem drohte er, alternative Ölexportrouten und US-Wirtschaftsziele in der Region anzugreifen: "Bisher haben wir nur Militärbasen angegriffen, aber wenn sie uns Wirtschaftssanktionen auferlegen wollen, hat die USA Öl- und Wirtschaftsunternehmen rund um den Iran und anderswo – und wir werden sie angreifen."
Irans Wirtschaft am Rande des Abgrunds
Unterdessen zeigt die iranische Wirtschaft Ermüdungserscheinungen. Der Rial notierte am Montag auf dem unregulierten Markt bei 1.992.000 pro Dollar – ein Rückgang von 4,5 Prozent seit Trumps Ankündigung. Notenbankgouverneur Abdolnaser Hemmati gab zu, dass die Rohölexporte durch die US-Seeblockade in der Straße von Hormus "praktisch zum Erliegen gekommen" seien.
Das Weiße Haus glaubt, dass die iranische Wirtschaft aufgrund von Hyperinflation und fehlenden Deviseneinnahmen "am Rande des Zusammenbruchs" steht. Trump schrieb in gewohnter Manier auf seiner Social-Media-Plattform: "Der Iran kollabiert völlig!!!"
Doch Hassan Ahmadian, Professor an der Universität Teheran, bietet eine andere Perspektive: "Es gibt keine einzige neue Sanktion. Alles im Iran steht seit 2018 unter primären und sekundären Sanktionen. Der große Wirbel um einen 'Wirtschaftskrieg' ist wirklich ein öffentliches Eingeständnis eines großen Rückschritts. Nachdem Washington militärisch gescheitert ist, zieht es sich klar zum Ausgangspunkt zurück: der Wirtschaft."
Internationale Reaktionen: Verbündete und Zweifel
Der US-Druck zeigt bereits regionale Auswirkungen. Die Vereinigten Arabischen Emirate, wichtigster Handelspartner des Iran im Nahen Osten, kündigten am 18. August die Aussetzung des gesamten Handels und aller Finanztransaktionen mit Teheran an. Der Iran vermutet, dass diese Entscheidung zwischen Washington und Abu Dhabi koordiniert wurde.
China, seit Jahrzehnten Hauptabnehmer iranischen Öls, bekräftigte seinen Widerstand gegen einseitige Sanktionen. Sprecher Lin Jian sagte, China lehne Sanktionen ohne völkerrechtliche Grundlage ab. Bereits im Mai hatte das chinesische Handelsministerium Unternehmen angewiesen, US-Warnungen zu iranischen Ölimporten zu ignorieren.
Russland zeigt kein Interesse, dem US-Druck nachzugeben, während Indien seine Position noch nicht festgelegt hat. Pakistan entsandte seinen Armeechef Syed Asim Munir am Montag nach Teheran, um die Wiederbelebung einer im Juni unterzeichneten Absichtserklärung zu erkunden, die wegen Streitigkeiten über die vorübergehende Kontrolle der Meerenge nicht umgesetzt wurde.
Alternative Routen und die Rolle Frankreichs und Saudi-Arabiens
Unterdessen suchen Frankreich und Saudi-Arabien nach Alternativen zur Straße von Hormus. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman ist seit Sonntag, dem 23. August, zu einem zweitägigen Besuch in Paris, wo er mit Präsident Emmanuel Macron Pläne besprechen will, den Handel über omanische Häfen auszubauen, saudische Pipelines zu erweitern und neue Bahnverbindungen zu entwickeln. Eine ministerielle Arbeitsgruppe zu Energie- und Logistikverbindungen soll am Montag in Paris tagen.
Parallel dazu hat Trump wiederholt vorgeschlagen, die Straße von Hormus zu "US-Territorium" zu erklären, und teilte am Samstag, dem 22. August, eine entsprechende Karte auf Truth Social. Der Iran führt unterdessen Gespräche mit Oman über die Verwaltung der Meerenge und plant die Einführung von Gebühren.
Hintergrund: Ein Krieg, der im Februar begann
Der Krieg zwischen den USA/Israel und dem Iran begann am 28. Februar 2026. Ein im Juni geschlossener Waffenstillstand brach zusammen, und seitdem kontrolliert der Iran die Straße von Hormus, durch die vor dem Konflikt ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung floss. Die US-Seeblockade zielt darauf ab, die iranischen Ölexporte zu unterbinden, beeinträchtigt aber auch den globalen Handel.
Der Iran hat mehr als 20 Jahre US-Wirtschaftsdruck überlebt, doch die Lage im Inneren ist kritisch. Ende Dezember 2025 schlugen Proteste gegen die Lebenshaltungskosten in Massendemonstrationen gegen die Regierung um; die Behörden meldeten mehr als 3.000 Tote während der Unruhen und beschuldigten die USA und Israel, die Gewalt zu schüren. Ausländische NGOs prangerten wahllose Repression an.
Die entscheidende Frage ist nun, ob die von Bessent angekündigten Sanktionen ihr Ziel erreichen, die iranische Wirtschaft zum Kollaps zu bringen – oder ob sie, wie Teheran warnt, eine Reaktion auslösen, die die globale Energieversorgung gefährdet.