Ein Video, das Kolumbien erschüttert
Der kolumbianische Präsident Abelardo De La Espriella hat am Freitag, den 4. September 2026, ein Video in seinen sozialen Netzwerken veröffentlicht, das im Land eine Welle der Kritik und Debatten ausgelöst hat. In den Aufnahmen ist zu sehen, wie er zwischen Reihen weißer Leichensäcke entlanggeht, die nach seinen Angaben die Körper von 23 'neutralisierten' Guerilleros einer Militäroperation im kolumbianischen Amazonasgebiet enthalten.
Der ultrarechte Präsident, der sein Amt im August 2026 antrat, hatte im Wahlkampf einen 'totalen Krieg' gegen illegale bewaffnete Gruppen versprochen. In dem Video sagt De La Espriella: 'Ich habe versprochen, den Terrorismus ohne Zögern zu bekämpfen, und ich halte dieses Versprechen... Ich bin nicht gekommen, um mit Mördern, Erpressern und Kindersoldaten-Anwerbern zu spielen... Es lebe Christus, der König'.
'Terroristen zu vergeben ist Gottes Sache. Sie zu ihm zu schicken ist die Aufgabe des Präsidenten'
Reaktionen der Opposition und von Ex-Präsident Petro
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Iván Cepeda, der bei den Wahlen im Juni 2026 unterlegene linke Kandidat, warf dem Präsidenten Mangel an Menschlichkeit und Verachtung gegenüber den Toten vor. Der linke Abgeordnete Daniel Monroy bezichtigte ihn der 'Nekropolitik' und einer 'unnötigen Show'.
Auch Ex-Präsident Gustavo Petro äußerte sich in seinen sozialen Netzwerken und erklärte, dass 'den Tod als Trophäe zu behandeln' ein Zeichen für Menschen ohne Seele sei. Diese Kritik spiegelt die tiefe Spaltung wider, die die Politik der harten Hand der neuen Regierung im Land verursacht.
Regionaler Kontext: Der Aufstieg des Rechtspopulismus
Das Video von De La Espriella fügt sich in einen regionalen Trend des Rechtspopulismus ein, der virale Videos nutzt, um ein Bild der Entschlossenheit im Kampf gegen Kriminalität zu vermitteln. Führungspersönlichkeiten wie Nayib Bukele in El Salvador und Donald Trump in den USA haben ähnliche Strategien mit großer Wirkung auf die öffentliche Meinung angewendet.
In Brasilien haben mehrere Kandidaten im Vorfeld der Wahlen im Oktober 2026 eine noch extremere Rhetorik übernommen. Renan Santos verspricht ein 'Blutbad' gegen Drogenhändler, während Flávio Bolsonaro erklärt, den 'Narcoterroristen' den Krieg zu erklären. Der ehemalige Polizeichef Felipe Curi geht noch weiter und veröffentlicht KI-generierte Videos, die ihn in Favelas schießend zeigen, überlagert mit Bildern der 122 Toten bei Polizeirazzien.
Eine Debatte über Methoden und Ethik
Die Veröffentlichung des kolumbianischen Präsidenten eröffnet eine intensive Debatte über die ethischen Grenzen im Kampf gegen Kriminalität und Guerilla. Während seine Anhänger ihn als entschlossenen Führer sehen, der die Gewalt beenden will, glauben seine Kritiker, dass er die Toten verdinglicht und den Tod banalisiert. Die internationale Gemeinschaft beobachtet aufmerksam, wie sich diese Politik in einem der Länder mit den längsten internen bewaffneten Konflikten entwickelt.
Die Regierung von De La Espriella hat bisher keine Anzeichen gezeigt, von ihrer Strategie abzurücken, und das Video scheint nur der Anfang einer Regierungskommunikation zu sein, die darauf abzielt, handfeste Ergebnisse in der Sicherheitspolitik zu zeigen.