Ein Verbrechen, das Brasilien erschüttert
Am Sonntag, dem 16. August 2026, gegen 13 Uhr (Ortszeit), wurde Angelita Manoela Rodrigues, eine 33-jährige Brasilianerin, in einem Supermarkt auf der Praça Santa Clara de Assis im Stadtteil Morro Grande in der Nordzone von São Paulo brutal ermordet. Ihr Ex-Partner, der 43-jährige Lafayete Gonzaga da Silva, stach mehrmals mit einem Messer auf sie ein, während sie in der Schlange an der Fleischtheke stand. Die Überwachungskameras des Geschäfts filmten die gesamte Tat.
Die Aufnahmen zeigen, wie sich Gonzaga da Silva von hinten nähert und ohne Vorwarnung zusticht. Andere Kunden, darunter auch Kinder, beobachteten die Szene entsetzt. Mindestens drei Messerstiche trafen die Frau in den Rücken. Angelita wurde sofort ins nahe gelegene Hospital Brasilândia gebracht, wo sie kurz nach ihrer Einlieferung ihren schweren Verletzungen erlag.
Fluchtversuch und Festnahme
Nach der Tat versuchte der Angreifer zu fliehen, doch mehrere Kunden warfen Gegenstände nach ihm und konnten ihn bis zum Eintreffen der Polizei festhalten. Er wurde festgenommen und in die 4. Delegation zur Verteidigung der Frau (4ª Delegacia de Defesa da Mulher) in São Paulo gebracht, wo er wegen Femizids (gezielter Tötung einer Frau aufgrund ihres Geschlechts) angeklagt wurde.
Was ist ein Femizid?
Der Begriff Femizid bezeichnet die Tötung von Frauen und Mädchen aufgrund ihres Geschlechts. In Brasilien wurde dieses Verbrechen 2015 durch das Gesetz 13.104/2015 als eigener Straftatbestand eingeführt und gilt als erschwerter Mord, wenn die Tat im Kontext häuslicher Gewalt oder Frauenverachtung (Misogynie) begangen wird. Die Strafe kann 12 bis 30 Jahre Haft betragen.
Zehn Jahre Terror und Kontrolle
Ermittlungen ergaben, dass die Beziehung zwischen Angelita und ihrem Mörder zehn Jahre andauerte und von Anfang an von Gewalt geprägt war. Die beste Freundin und ehemalige Arbeitskollegin des Opfers, Leila Lira, berichtete der brasilianischen Zeitung Folha de São Paulo von einem Leben in ständiger Angst: „Angelita kam oft mit blauen Flecken im Gesicht zur Arbeit. Alle in der Firma wussten das.“
Laut Lira isolierte Gonzaga da Silva seine Partnerin systematisch von Familie und Freunden. Er kontrollierte sie, verbot ihr Kontakte und drohte ihr ständig. Besonders schockierend: Tage vor dem Mord tötete er die Hündin von Angelita mit Messerstichen – ein klares Warnsignal, das jedoch nicht verhindern konnte, dass die Frau bei ihm blieb.
Die Freundinnen versuchten, Angelita zu helfen: Sie mieteten eine Wohnung für sie, damit sie fliehen konnte. Doch Angelita kehrte zu ihrem Peiniger zurück. „Sie war so allein. Wir waren ihre einzige Stütze“, so Lira unter Tränen.
Aussagen des Täters: Reue oder Schuldzuweisung?
In seiner polizeilichen Vernehmung zeigte sich Gonzaga da Silva angeblich reumütig, gab jedoch gleichzeitig dem Opfer die Schuld: Angelita habe sein Leben „ruiniert“. Seine Anwältin Sarha Rosenbaum kündigte an, sich auf die Kontrollanhörung zu konzentrieren. Die Familie des Opfers hat eine Anwältin beauftragt, um die Strafverfolgung sicherzustellen.
Femizide in Brasilien – eine alarmierende Bilanz
Der Mord an Angelita ist kein Einzelfall. Brasilien verzeichnete im Jahr 2025 laut offiziellen Daten mehr als 1.400 Femizide. Das entspricht durchschnittlich vier Morden an Frauen pro Tag. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.
| Land | Femizide 2025 | Bevölkerung |
|---|---|---|
| Brasilien | über 1.400 | ca. 215 Mio. |
| Argentinien | 252 | ca. 46 Mio. |
In Argentinien – wo die Nachbarin und wichtige Handelspartnerin Brasiliens ist – wird laut dem Ministerium für Frauen alle 35 Stunden eine Frau getötet. Im Jahr 2025 wurden 252 Femizide registriert. Die kostenlose Hotline 144 bietet in ganz Argentinien Beratung und Unterstützung für Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt.
Gesellschaftliche Debatte und Forderungen
Der Mord im Supermarkt – ein Ort des Alltags – hat in Brasilien eine Welle der Empörung ausgelöst. Frauenorganisationen fordern mehr Ressourcen für Schutzeinrichtungen, strengere Überwachung von Schutzanordnungen und eine bessere Ausbildung der Polizei im Umgang mit geschlechtsspezifischer Gewalt.
Der Fall zeigt, wie wichtig Prävention und Intervention sind: Angelita hatte Anzeige erstattet, aber die Schutzmaßnahmen griffen nicht rechtzeitig. Ihre Freundin Leila brachte es auf den Punkt: „Wir müssen lernen, die Warnzeichen ernst zu nehmen. Angelita hätte noch leben können.“
Quellen: Die Informationen basieren auf Berichten von TN, MinutoUno und Nuevo Diario Web.