Die Strafkammer von La Plata hat den Habeas-Corpus-Antrag von Albertina Mangini abgelehnt, der Justizbeamtin, die im Rahmen eines spektakulären Falls von Geldwäsche und Identitätsdiebstahl festgenommen wurde. Die Entscheidung wurde am Mittwoch, dem 19. August 2026, bekannt gegeben, wie die Zeitung El Día berichtete. Mangini bleibt damit in Haft, während die Ermittlungen gegen sie und zwei weitere Verdächtige laufen.
Was auf den ersten Blick wie ein Krimi klingt, hat reale und tiefgreifende Auswirkungen: Die beschuldigte Organisation soll mit Hilfe biometrischer Daten – insbesondere Iris-Scans – Bank- und E-Wallet-Konten eröffnet haben, um illegale Gelder zu verschieben. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die wachsende Bedrohung durch Identitätsdiebstahl im digitalen Zeitalter und die Nöte von gefährdeten Personengruppen.
Die Hintergründe der Festnahme
Die Geschichte begann mit einer Denunziation einer Reinigungskraft des Patronats de Liberados in der Provinz Buenos Aires. Sie gab an, dass ihr 80.000 Peso für einen Iris-Scan versprochen wurden, sie aber nur 40.000 Peso erhalten habe. Diese Aussage stieß eine Lawine von Ermittlungen los. Die Staatsanwältin Betina Lacki leitete die komplexe Untersuchung, die zu mehreren Festnahmen führte.
Bei den Razzien, die am Donnerstag der Vorwoche stattfanden, wurden nicht nur Mangini festgenommen, sondern auch Ignacio Marchioni und Mauro Perrotta. Alle drei werden beschuldigt, eine zentrale Rolle in einem Netzwerk zu spielen, das zwischen 2020 und 2025 mehr als 27 Milliarden Pesos bewegt haben soll.
Wer ist Albertina Mangini?
Mangini war als Sekretärin der ersten Instanz im öffentlichen Ministerium der Provinz Buenos Aires tätig – eine Position, die ihr besonderes Vertrauen und Zugang zu sensible Daten verlieh. Laut den Ermittlungen soll sie Kontakt zu ehemaligen Strafgefangenen und verletzlichen Personen gehabt haben, die über das Patronat de Liberados betreut wurden. Sie habe ihnen angeboten, sich in einer Kaffeebar neben der Plaza San Martín einem Iris-Scan zu unterziehen. Mit diesen Daten wurden Konten eröffnet, die als „Finanzielle Mulis“ für illegale Geldwäsche dienen.
Die Behörden stellen fest, dass sie ihre langjährige Erfahrung in der Justiz (über 17 Jahre) missbraucht hat, um das Vertrauen von Menschen in schwierigen Lebenslagen zu gewinnen.
Der Modus Operandi: „Pitufeo“ und die merkwürdige Zahlenfolge
Die Kriminale Methode der Gruppe wird in der Fachwelt als „Smurfing“ oder „Pitufeo“ beschrieben. Dies ist eine Technik der Geldwäsche, bei der große illegale Summen in viele kleine, unauffällige Transaktionen aufgeteilt werden, um nicht die automatischen Kontrollmechanismen des Finanzsystems auszulösen. Die Behörden entdeckten dabei ein ungewöhnliches Muster: Alle Geldbeträge endeten auf „.12“ und ließen nie ein Saldo von 0 zurück. Dieses Detail erleichterte den Ermittlern die Identifizierung der betrügerischen Konten.
Die Verdächtigen im Überblick
| Name | Beteiligung | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Albertina Mangini | Anwerbung von Opfern | Ehemalige Justizangestellte; 17 Jahre im Dienst |
| Ignacio Marchioni | Kontoeröffnung und -verwaltung | Verbindung zur Finanzaffäre „Sur Finanzas“; beschlagnahmt BMW, Waffe |
| Mauro Perrotta | Kontoeröffnung und -verwaltung | Besitzer von 3 Fitnesstudios |
Verbindung zu „Sur Finanzas“
Besonders brisant ist die Verbindung des Fallen zur Finanzaffäre „Sur Finanzas“, die bereits für das Lavado von über USD 108 Millionen über 16 Fußballclubs. Laut den Ermittlungen ist Ignacio March, der als weitere in der Peso-Geldwäsche festgenommen wurde, als früherer Mitarbeiter der Sur Finanzas bekannt. Bei den Razzien wurden unter anderem ein BMW M240i xDrive, eine Glock 9mm-Pistole sowie mehrere Dollar-Beträge beschlagnahmt.
Beweismittel und beschlagnahmte Gegenstände
Bei 9 Razzien in verschiedenen Städten – wie La Plata, Quilmes, Mar del Plata und La Falda – haben die Ermittler folgendes sicherstellen können: 17 Handys, 4 Notebooks, 6 CPUs, 3 USB-Sticks, 6 POS-Terminals, 2 DVR-Rekorder, 2 Festplatten. Außerdem wurden 2.787.440 argentinische Pesos, 3.300 US-Dollar, 3.490 uruguayische Pesos und 50 Hongkong-Dollar gefunden.
Reaktionen der Angeklagten und der nächsten Schritte
Mangini hat sich geweigert, eine Aussage zu machen. Marchioni hingegen reichte eine schriftliche Erklärung ein, um die Verwicklung von sich zu weisen. Der für die Ermittlungen zuständige Richter, Agustín Crispo, hatte die Durchsuchungsbefehle auf Grundlage der Staatsanwaltschaft Betina Lacki erlassen. Die Strafkammer verweigerte den Antrag auf Haftprüfung und bestätigte die Haft. Die Verteidigung kann eine neue Antragsprüfung bei der nächsthöheren Instanz – den Obersten Gerichtshof der Provinz – beantragen.
Der Fall zeigt aber nicht nur die Skrupellosigkeit der Täter, sondern auch die Risiken der modernen Digitalisierung. Immer öfter werden biometrische Daten als Schlüssel für Finanzkriminalität eingesetzt. Die Behörden warnen: Besonders gefährdete Menschen – wie solche ohne Obdach oder mit Schulden – werden zu Opfern solcher Betrugsmaschen. Die Aufklärung solche Taten sei von entscheidender Bedeutung, um das Vertrauen in digitale Systeme zu erhalten.
Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Die Beamten betonen, dass der Fall möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs darstellt und nicht die Spur zu den wahren Köpfen der Organisation führt. Bislang bleiben alle drei Verdächtige in Haft und in den Haftanstalten der Provinzialpolizei von La Plata untergebracht.