28/07/2026 18:14 - Politica
Die Universidad Torcuato Di Tella (UTDT) hat ihren monatlichen Índice de Confianza en el Gobierno (ICG) veröffentlicht – und die Zahlen sind alarmierend. Im Juli 2026 erreichte der Index nur noch 1,94 Punkte auf einer Skala von 0 bis 5. Das ist ein Rückgang von 6,5 % gegenüber dem Vormonat Juni, der noch eine leichte Erholung gebracht hatte.
Die Umfrage, die vom Meinungsforschungsinstitut Poliarquía zwischen dem 1. und 16. Juli 2026 unter 1.000 Personen durchgeführt wurde, zeigt einen Rückgang von 21 % im Jahresvergleich. Von den sieben Monaten des Jahres 2026 schlossen sechs negativ ab. Der kumulierte Verlust seit Ende 2025 beträgt 21,5 %. Der Durchschnittswert der gesamten Amtszeit von Javier Milei (31 Monate) liegt bei 2,37 Punkten – der niedrigste Wert aller Präsidenten seit Beginn der Messreihe.
Regierungsnahe Quellen, die von mehreren Medien zitiert werden, zeigen sich besorgt. Der Regierungssprecher Adrián Ravier verwies auf die Notwendigkeit, mittel- und langfristige Trends zu betrachten. Dennoch räumen Strategen im Regierungslager ein, dass es ihnen nicht gelinge, „die Debatte über die wirtschaftliche Erholung zu gewinnen“, insbesondere in den großen Ballungsräumen.
Die beunruhigendste Entwicklung für die Regierung ist, dass der Vertrauensverlust nun auch die traditionellen Stützen des Milei-Lagers erfasst. Das Vertrauen unter Männern fiel um 11,3 %. Noch dramatischer ist der Einbruch bei den 18- bis 29-Jährigen: Hier sank der Index um 23 % auf nur noch 1,68 Punkte – deutlich unter dem nationalen Durchschnitt. Regional betrachtet ist der Großraum Buenos Aires (GBA) der größte Verlierer mit einem Minus von 10,9 % (1,63 Punkte).
Von den fünf Teilkomponenten des ICG verschlechterten sich vier. Am stärksten fiel die Effizienz (-15,4 % auf 1,79 Punkte), gefolgt von Fähigkeit (-7,3 % auf 2,28) und Sorge um das Allgemeinwohl (-6,9 % auf 1,51). Einzig die Ehrlichkeit blieb stabil bei 2,45 Punkten.
Andere Umfrageinstitute wie Poliarquía, Opina Argentina und Trespuntozero bestätigen den Abwärtstrend. Sie führen ihn auf die anhaltende Wirtschaftskrise, den Kaufkraftverlust und den „Post-WM-Effekt“ zurück, der das kurze Gefühl nationaler Einheit verfliegen ließ.
Die UTDT-Studie deckt sich mit Untersuchungen des Instituto Universitario CIAS über Jugendliche in ärmeren Vierteln. Dort liegt der Peronismus in der Wählerabsicht vorn, aber La Libertad Avanza (Mileis Partei) hält einen respektablen zweiten Platz. Drei von vier jungen Menschen geben an, dass sich ihre wirtschaftliche Lage im letzten Jahr verschlechtert hat. Ein nicht bestätigter Hinweis aus Regierungskreisen deutet jedoch darauf hin, dass die neuen Wähler, die 2027 erstmals wählen dürfen, tendenziell libertärer eingestellt sein könnten als die heutigen jungen Erwachsenen.
Die Regierung erkennt an, dass die größte Herausforderung darin besteht, die makroökonomische Stabilität in spürbare Verbesserungen für den Geldbeutel der Bürger zu übersetzen. Die Opposition versucht unterdessen, mit einem Gesetzesprojekt von Máximo Kirchner zum IWF die Deutungshoheit vor den nächsten Wahlen zu gewinnen. Interessant: Diejenigen, die glauben, dass sich die Lage in einem Jahr verbessern wird, haben einen Vertrauenswert von 4,15 Punkten; die Pessimisten liegen bei nur 0,33 Punkten.
Quellen: Ámbito, Cenital, Infobae, La Nación, La Política Online.
Alfredo S. Quiroga