Ein turbulenter Tag für Javier Milei: Die Risikoprämie klettert auf den höchsten Stand seit Monaten, sein Ex-Berater Fernando Cerimedo wird in Bolivien festgenommen, und die Regierung treibt den Wahlpakt mit dem PRO voran – während der Papstbesuch näher rückt und die Wirtschaft widersprüchliche Signale sendet.

Der 18. August 2026 wird als einer der intensivsten Tage der Präsidentschaft von Javier Milei in die Geschichte eingehen. Die Casa Rosada, der Regierungssitz in Buenos Aires, ist Schauplatz eines politischen Erdbebens: Ein Skandal um einen engen Vertrauten des Präsidenten, wachsende Nervosität an den Finanzmärkten und ein ambitionierter Wahlfahrplan für 2027 prallen aufeinander.

Das argentinische Länderrisiko, gemessen am Indikator von JP Morgan, ist am Dienstag um 17 Einheiten auf 506 Basispunkte gestiegen – der höchste Wert seit Ende Mai. Diese Kennzahl spiegelt die Risikoprämie wider, die Anleger für argentinische Staatsanleihen im Vergleich zu US-Staatsanleihen verlangen. Ein Anstieg bedeutet: Investoren werden skeptischer, das Land könnte seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr vollständig nachkommen. Gründe sind die Unsicherheit über die wirtschaftliche Erholung, ein global schwieriges Umfeld mit steigenden Zinsen und die Frage, wie Argentinien seine Devisenreserven stabilisieren will.

Parallel dazu erschüttert ein Justizfall die politische Szene: Fernando Cerimedo, einst einer der wichtigsten Berater und Strategen von Milei, wurde am Flughafen Viru Viru in Santa Cruz de la Sierra (Bolivien) festgenommen, als er nach Argentinien reisen wollte. Die bolivianische Justiz wirft ihm vor, der intellektuelle Urheber eines Schusswaffenangriffs auf seine Ex-Partnerin Nadia Beller zu sein. Die Aktivistin wurde in der Nacht zum Montag mit drei Kugeln niedergeschossen und liegt weiterhin im Krankenhaus. Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen bezeichnen Cerimedo als „einzigen Beschuldigten“, nachdem Beller ihn direkt belastet hat.

Milei setzt auf Machtpoker: Das Bündnis mit dem PRO

Während die Justiz den Fall Cerimedo bearbeitet, schmiedet die Regierung ihre Pläne für die Parlamentswahlen 2027. Im Zentrum steht eine strategische Allianz mit der konservativen Partei PRO des Ex-Präsidenten Mauricio Macri. Hinter den Kulissen gab es bereits ein Telefonat zwischen Karina Milei, der einflussreichen Schwester des Präsidenten und Generalsekretärin der Präsidentschaft, und Macri – ein klares Signal, dass die libertäre Bewegung eine breitere Koalition anstrebt.

Ein zentrales Projekt dieser Allianz ist die Abschaffung oder Aussetzung der PASO (Vorwahlen). Diese offenen Vorwahlen, bei denen alle Parteien ihre Kandidaten bestimmen, gelten als teuer und wenig effektiv. Die Regierung will sie durch ein effizienteres System ersetzen, stößt aber auf Widerstand in der Opposition. An diesem Dienstag tagt die politische Tischrunde im Büro von Kabinettschef Diego Santilli, um die legislative Strategie festzulegen.

Gleichzeitig verhandelt die Regierung mit Gouverneuren des Norte Grande (der wirtschaftlich schwächeren Nordregion) über eine Reform des Gesetzes zu den „Zonas Frías“ – einer Regelung, die Stromtarife für Haushalte in kalten Regionen subventioniert. Santilli und Wirtschaftsminister Luis Caputo trafen sich mit den Gouverneuren von Catamarca, Salta, Chaco und Jujuy, um Unterstützung im Senat zu sichern. Im Gegenzug sollen die Familien in diesen Provinzen in den heißen Sommermonaten entlastet werden.

Der Besuch von Papst Leo XIV.

Ein diplomatisches Großereignis steht bevor: Papst Leo XIV. wird Argentinien vom 8. bis 11. November besuchen – mit Stationen in Buenos Aires, Luján und Córdoba. Die Generalsekretärin der Präsidentschaft hat die argentinische Bischofskonferenz für diesen Dienstag um 17 Uhr zu einem Koordinationstreffen in die Casa Rosada eingeladen. Erzbischof Jorge García Cuerva wird erwartet. Der Besuch des ersten lateinamerikanischen Papstes seit Johannes Paul II. könnte dem Land in einer schwierigen Phase moralischen Rückhalt geben.

Solidarität nach Erdbeben in Kolumbien

Argentinien zeigt internationale Verantwortung: Ein Kontingent von 32 Soldaten der Streitkräfte wurde nach Kolumbien entsandt, um nach dem verheerenden Erdbeben der Stärke 7,4 humanitäre Hilfe zu leisten. Mit dabei sind eine Wasseraufbereitungsanlage, eine Feldküche und 4.000 Essensrationen. Das Einsatzgebiet liegt in Quibdó in der Provinz Chocó, einer der am schwersten betroffenen Regionen.

Wirtschaftsdaten: Licht und Schatten

Die wirtschaftliche Lage bleibt ambivalent. Positiv: Der fiskalische Überschuss im Juli erreichte 244.897 Millionen Pesos (rund 200 Millionen US-Dollar), ein Erfolg, den Minister Caputo in den sozialen Medien feierte. Auch die Inflationsrate im Großhandel sank auf 0,8 Prozent – der niedrigste Wert seit 14 Monaten. Das deutet auf eine allmähliche Abkühlung der Preisdynamik hin.

Doch die Schattenseiten sind nicht zu übersehen: Die Reallöhne der formell beschäftigten Privatsektor-Arbeitnehmer liegen inzwischen unter dem Niveau von November 2023, also vor Mileis Amtsantritt. Selbst in der offiziellen Messung, die die Regierung bevorzugt, zeigt sich ein realer Kaufkraftverlust. Und die Nachfrage nach Devisenabsicherungen (sogenannte CCL-Operationen) hat sich vervierfacht: Das Volumen übersteigt jetzt 12.100 Millionen US-Dollar, verglichen mit 3.200 Millionen Ende Mai. Das ist ein klares Zeichen, dass viele Unternehmen und Sparer eine Abwertung des Peso erwarten.

Ein weiterer Streitpunkt: Ein vertraulicher Bericht des Ministeriums für Deregulierung zeigt, dass Medikamente in Argentinien im internationalen Vergleich deutlich teurer sind – im Median 3,1-mal so teuer wie in anderen Ländern. Das befeuert die Debatte über die Marktmacht der Pharmaindustrie und den fehlenden Wettbewerb.

Justiz, Kongress und Provinzen

In der Justiz sorgte die „Causa Cuadernos“ für Schlagzeilen: Der frühere Innenminister Florencio Randazzo sagte als Zeuge aus. In diesem Prozess geht es um ein angebliches Netzwerk von Bestechungsgeldern, das unter der Führung von Ex-Präsidentin Cristina Kirchner Unternehmer zur Kasse gebeten haben soll. Randazzos Aussage könnte wichtige Details liefern.

Eine Entscheidung mit Symbolkraft: Das Amtsenthebungsverfahren gegen den Bundesrichter Alfredo López aus Mar del Plata wurde mit seiner Entfernung abgeschlossen – wegen antisemitischer Äußerungen in sozialen Medien. Ein Präzedenzfall in der argentinischen Justizgeschichte.

In der Stadt Buenos Aires schloss sich die Regierungspartei La Libertad Avanza einem Abkommen zwischen PRO und Peronisten an, um die Führung der Staatsanwaltschaft und der Ombudsstelle zu verlängern. Und in der Provinz La Rioja kündigte Gouverneur Ricardo Quintela die Neuauflage der umstrittenen „Chachos“ an – Schuldscheine der Provinzregierung im Wert von rund 4.000 Millionen Pesos für etwa 80.000 Begünstigte. Diese Notgeldscheine sind ein Symbol für die anhaltende Finanznot vieler Provinzen.

Die Ereignisse des Tages zeichnen ein klares Bild: Mileis Regierung versucht, ihr wirtschaftspolitisches Modell mit Strukturreformen abzusichern und sich für die Wahlen 2027 breit aufzustellen. Doch die Risiken sind groß: ein fragiler Arbeitsmarkt, Devisenknappheit, soziale Spannungen und juristische Altlasten. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der Präsident die Wende schafft – oder ob die Krise ihn einholt.