Am 17. August 2026 jährte sich der Todestag von General José de San Martín zum 176. Mal. Der „Vater des Vaterlandes“ wird in Argentinien alljährlich mit feierlichen Akten und Paraden geehrt. Doch diesmal standen nicht nur die historischen Verdienste im Mittelpunkt, sondern auch die aktuelle politische Lage: Vizepräsidentin Victoria Villarruel schlug scharfe Töne gegenüber der Regierung von Präsident Javier Milei an, während Gouverneur Maximiliano Pullaro in der Stadt Venado Tuerto den offiziellen Festakt leitete.
Villarruel: "Freiheit wird nicht verhandelt"
Victoria Villarruel nahm zunächst an der 90. Ausgabe der Expo Venado teil, einer wichtigen Landwirtschaftsmesse in der Provinz Santa Fe. Dort forderte sie die Abschaffung der Exportsteuern (Retenciones) für Landwirtschaft und Industrie – ein deutlicher Affront gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung. In einer späteren Botschaft in den sozialen Medien ehrte sie San Martín als „Militär aus Leidenschaft“ und betonte: „Freiheit wird nicht verhandelt, sie wird mit Disziplin und Mut erobert.“ Sie erinnerte an die Gründung des Regiments der Grenadiere zu Pferde, die Schlacht von San Lorenzo, die Aufstellung der Armee der Anden, den Überquerung der Anden und die Siege von Chacabuco und Maipú. „San Martín schenkte uns die Unabhängigkeit und übergab uns eine souveräne Nation“, schrieb sie.
Noch deutlicher wurde sie bei der Expo Venado: „Ich bin besorgt um die Argentinier, die keine Arbeit haben oder am Monatsende nicht auskommen.“ Die Politik müsse sich diesen Problemen widmen, fügte sie hinzu. Beobachter werten diese Aussagen als weiteren Schritt in der Entfremdung zwischen Villarruel und Präsident Milei, über deren angeblichen Bruch seit Monaten spekuliert wird.
Offizieller Akt in Venado Tuerto
Gouverneur Maximiliano Pullaro führte die zentrale Zeremonie auf dem Platz an, der nach dem General benannt ist. Zahlreiche Provinz- und Kommunalpolitiker nahmen teil.
Pullaro: "Wir sind Söhne von San Martín und Brigadier López"
In seiner Rede würdigte Pullaro nicht nur San Martín, sondern auch den regionalen Helden Brigadier Estanislao López, einen Caudillo aus Santa Fe. „San Martín ist der Vater des Vaterlandes, er kämpfte für eine Republik mit Freiheit“, sagte er und rief dazu auf, „für Freiheit und Gleichheit zu arbeiten“. Er betonte die Verbindung zwischen dem Vermächtnis des Libertadors und der heutigen Regierungsarbeit: „Die öffentlichen Bauprojekte, die wir als Regierung von Santa Fe umsetzen, sind eine Ehre – denn auch die Sparsamkeit im Umgang mit öffentlichen Mitteln ist ein Erbe San Martíns.“
Begleitet wurde er von der nationalen Abgeordneten Gisela Scaglia, der Präsidentin der Abgeordnetenkammer Clara García, der Senatorin Leticia Di Gregorio und dem Bürgermeister Leonel Chiarella, der sich für die historische Investitionen der Provinz in die Stadt bedankte.
Marineparade in San Isidro
Parallel dazu veranstaltete die Gemeinde San Isidro eine zivil-militärische Parade entlang der Avenidas Bernabé Márquez und Santa Fe. Bürgermeister Ramón Lanús und Konteradmiral Maximiliano Mangiaterra (Kommandant des gemeinsamen Antarktis-Kommandos) führten den Zug an. Die Musikkapelle der Marineschule und eine Abteilung von Kadetten der Marine-Lyzeum „Almirante Guillermo Brown“ marschierten mit. Veteranen des Falklandkriegs, Sicherheitskräfte, Feuerwehr und lokale Vereine waren ebenso vertreten. Zu sehen waren auch gepanzerte Fahrzeuge, Panzer und historische Autos.
Präsident Javier Milei selbst leitete den Akt auf der Plaza San Martín im Stadtteil Retiro in Buenos Aires. In seiner Rede sprach er von „inneren und äußeren Feinden“ und zeigte sich demonstrativ mit dem Regierungschef von Buenos Aires, Jorge Macri. Villarruel war zu diesem Akt nicht eingeladen, sandte jedoch einen Blumenkranz.
Der Feiertag offenbarte einmal mehr die tiefen Gräben innerhalb des Regierungslagers. Während die Vizepräsidentin soziale Missstände anspricht, betonen Provinzgouverneure wie Pullaro den Wert von Einheit und Arbeit. Für ausländische Beobachter wird deutlich: Der Mythos San Martín bleibt eine Projektionsfläche für unterschiedliche politische Strömungen – von nationaler Einheit bis zu wirtschaftlichem Liberalismus.
Hintergrund: José de San Martín (1778–1850) war ein argentinischer General und Unabhängigkeitskämpfer, der nicht nur Argentinien, sondern auch Chile und Peru von der spanischen Kolonialherrschaft befreite. Sein Überqueren der Anden 1817 gilt als militärische Meisterleistung. In Argentinien ist der 17. August ein gesetzlicher Feiertag.