Milei in Rosario: Eine leidenschaftliche Rede im Herzen der Agrarwirtschaft
Präsident Javier Milei landete am Freitag um etwa 19:30 Uhr am internationalen Flughafen Islas Malvinas in Rosario und reiste per Helikopter weiter zur Präfektur, von wo aus er mit dem Auto zur Börse von Rosario (Bolsa de Comercio) gelangte. Dort hielt er die zentrale Rede zum 142-jährigen Bestehen der Institution – wie bereits in den Jahren 2024 und 2025.
Seine Rede gliederte er in drei Hauptthemen: die sogenannten umstrittenen oder 'widerlichen' Märkte, die Makroökonomie und die 'Mikroebene des Kredits'. Besonders ausführlich widmete er sich dem Thema der Zahlungsverzüge (Morosität).
Zahlungsverzug: 'Es gibt keine Anhaltspunkte, der Regierung die Schuld zu geben'
Milei betonte, dass „es keine Anhaltspunkte gibt, der Politik der Regierung die Schuld für die aktuelle Verschuldungssituation zu geben“, und verglich die Lage mit der in den USA, Chile und Brasilien. „Die Zahlen unterscheiden sich nicht von denen der USA bei Zahlungsverzügen, und wir wollen gar nicht erst über Chile oder Brasilien sprechen“, so der Präsident.
Er führte die aktuelle Verschuldung auf Kredite aus dem Jahr 2024 zurück, als „die Löhne eingefroren wurden, die Realeinkommen fielen und die Menschen nicht zahlen konnten“. Zudem relativierte er das Problem: „Wir diskutieren hier über etwas, das quantitativ kein echtes Problem darstellt.“
Eine staatliche Intervention zur Rettung von Schuldnern lehnte er ab: „Es ist ein Vertrag zwischen Privaten. Warum sollten wir der gesamten Bevölkerung in die Tasche greifen, um die Banken zu retten?“ Er verwies darauf, dass das Finanzsystem bereits an Umschuldungen mit Zinssätzen „von etwas über 20 Prozent“ und Laufzeiten von drei Jahren arbeite.
Kritik an Presse und Opposition
In einem scharf formulierten Abschnitt seiner Rede nannte Milei Journalisten „Auftragsmörder“, „Käuflinge“ und „beschränkt“. Er sprach auch über angebliche Operationen im Zusammenhang mit „Eselfleisch“ und Anschuldigungen bezüglich des Handels mit Organen: „Haben Sie irgendeine Aufzeichnung über Transaktionen auf Organmärkten in den letzten zweieinhalb Jahren? Keine einzige.“
Der Präsident äußerte sich auch zu den Wahlen im Jahr 2027: „Es kann nicht sein, dass wir uns immer wieder den Unsinn des Sozialismus anhören. Nächstes Jahr gilt: Entweder wir reißen uns zusammen oder wir gehen unter.“
Bortolato fordert Abschaffung der Exportsteuern
Vor Mileis Rede forderte der Präsident der Börse, Pablo Bortolato, die endgültige Abschaffung der Exportsteuern (Retentionen) und dass dies „per Gesetz“ erfolgen solle. Laut Studien der Einrichtung könnte Argentinien ohne Exportsteuern, mit Technologie und einem Infrastruktur-Schub innerhalb von zehn Jahren 250 Millionen Tonnen Getreide produzieren.
Bortolato hob auch Fortschritte bei der Hauptschifffahrtsstraße (Vía Navegable Troncal), der Konzession von Straßen und der Ausschreibung der Eisenbahnlinien Belgrano, San Martín und Urquiza für 50 Jahre hervor.
Pullaro: 'Wir wollen nicht in die Vergangenheit zurück'
Der Gouverneur von Santa Fe, Maximiliano Pullaro, rief dazu auf, „nicht in die Vergangenheit zurückzukehren“ und forderte ein Gesetz zur Abschaffung der Exportsteuern. „94 Prozent der Steuern, die die Produzenten in Santa Fe zahlen, sind nationalen Ursprungs“, betonte er.
Proteste und Sicherheitsmaßnahmen
Das Zentrum von Rosario war seit dem Nachmittag abgesperrt, mit einem starken Aufgebot an Bundespolizei, Hunden und Drohnen. Soziale Organisationen, Gewerkschaften und politische Gruppen mobilisierten zu einer Demonstration, die bis zur Ecke Corrientes und Córdoba führte, wo es vereinzelt zu Zwischenfällen mit Knallkörpern kam.
Wirtschaftlicher Kontext
Die Rede fand in einer Atmosphäre wirtschaftlicher Vorsicht statt. Die Verschuldungsquote privater Haushalte erreichte im Juni 12,7 Prozent (gegenüber 2,5 Prozent im Oktober 2024). Der Risikoaufschlag für argentinische Staatsanleihen (Risikoindikator) stieg am Donnerstag auf 532 Basispunkte, fiel aber am Freitag auf 506. Der monatliche Wirtschaftsindikator (EMAE) wuchs im Juni um 0,8 Prozent gegenüber dem Vormonat und 2,7 Prozent im Jahresvergleich. Die Inflationsrate auf Großhandelsebene lag im Juli bei 0,8 Prozent.