Streit um das „Urheberrecht“
Am Sonntag, dem 23. August, sorgte Pilar Ramírez für Aufsehen. In einem Interview mit dem Radiosender Radio Splendid warf sie dem Bürgermeister von Buenos Aires, Jorge Macri, vor, er habe libertäre Maßnahmen als seine eigene ausgegeben, ohne die Quelle zu nennen. Ihr Satz: „Jorge Macri fehlt es manchmal, das Urheberrecht anzuerkennen“ – das Urheberrecht im Sinne von politischen Ideen, die die Regierung Milei zuerst formuliert habe.
Sie nannte ein konkretes Beispiel: das Verbot von Sitzblockaden und Camps in der Stadt. Ramírez sieht dies als Erfolg der nationalen Regierung, während PRO die Stadt schon seit zwei Jahrzehnten regiert. Die Volksvertreterin ist nicht zufrieden mit der öffentlichen Zustimmung des Bürgermeisters, das von ihm fehlen noch klare Ansagen für grundlegende Projekte wie die politische Reform, die Gewerbefreiheit und das umstrittene Bases-Gesetz.
„Nur Fotos und Fokus-Gruppen?“
Ramírez wird deutlich: „Wir haben Ordnung als Priorität und Überzeugung. Wir müssen wissen, ob er die gleiche Priorität hat oder ob es nur um Fotos und Fokus-Gruppen geht. Wenn wir verstehen, dass wir das teilen, können wir wieder reden.“ Auf die Frage nach der Koalition 2027 erklärte sie: „Das Jahr, um über solche Dinge nachzudenken, wird nächstes Jahr sein.“
Damit steht die Partei für einen klaren Kurs, und Ramírez ließ die Tür offen, dass LLA in der Hauptstadt auch mit eigener Liste antreten könnte, falls keine Einigung gelingt.
Historische Eröffnung – der erste Tango in der Casa Rosada
Nur wenige Tage zuvor gab es den ersten formellen Kontakt zwischen den beiden rechten Lagern. Ausgelöst durch einen Telefonanruf zwischen Karina Milei, der Sekretärin des Präsidialamts und einer der mächtigsten Figuren der LLA, und dem ehemaligen Präsidenten Mauricio Macri.
Dabei trafen sich Vertreter beider Seiten im Regierungspalast: Cristian Ritondo und Fernando de Andreis für die PRO-Gruppe; auf der Regierungsseite die Brüder Martín und Eduardo „Lule“ Menem sowie Diego Santilli – ein bekannter Name, denn Santilli gilt als möglicher Kandidat der LLA für das Bürgermeisteramt der Hauptstadt 2027. Nach Berichten sollen die Gespräche alle 14 Tage weitergehen.
Die Umfragen: Der Wähler ist näher als die Parteien
Laut Konsultierten in Buenos Aires gibt es mehrere aktuelle Studien, die zeigen, wie groß der Druck aus dem Volk ist: Rund 60 Prozent der Anhänger der PRO befürworten eine Koalition mit der LLA. Der Demoskoop Federico Aurelio von Aresco kommentiert kurz: „Unter den PRO-Wählern ist die Zustimmung größer als der Widerspruch.“
Nicht Ideologie, sondern die Angst vor dem Wiedererstärken der Kirchnerismus (die größte peronistisch-progressive Kraft) dominiert das Votum. Für Analystin Mora Jozami ist das der Hauptmotor: „Die PRO-Wähler wollen nicht das Szenario von 2019 wiedererleben.“ Das Ergebnis: In einer Stichwahl zwischen Javier Milei und dem Peronisten Axel Kicillof würden nach der Umfrage von Synopsis etwa 71 Prozent der PRO-Wähler Milei den Vorzug geben.
Verschiebungen in der Wählergunst
Neben dem Gesprächsprozess beobachten es die Strategen paradox: Seit die Annäherung von der Führung veröffentlicht wird, verliert die PRO – laut den Zahlen der von La Nación zitierten Institute – beinahe 4 Prozentpunkte (Zustimmung im Juli: 10 %) und die Libertad Avanza gewinnt. Dieser Effekt könnte den Druck auf die Führungsspitzen weiter erhöhen.
Konfliktthemen und eine klare Botschaft
Abgesehen von den nationalen Abstimmungen richtet Ramírez ihre Rede weiter nach der lokalen Realität: Sie kritisierte das über alte Müllabfallsystem der Stadt als „ein Modell aus vergangenen Jahrzehnten“, das die Vielfalt der Stadtteile nicht berücksichtigt. Die geplanten Reformen von LLA in Buenos Aires sind bereits klar: Abschaffung der lokalen Vorwahlen (PASO) – die argentinische Art der offenen Primärwahlen – sowie Deregulierung, Reduzierung der Ausgaben und eine große Steuerentlastung.
Die Politikerin widerlegte zugleich Gerüchte, sie strebe selbst nach dem Amt des Jefe de Gobierno (Stadtoberhaupt). In den Worten: „Ich habe das nicht im Sinn“, aber ein Hinweis auf die Zukunft bleibt:
„Wenn wir es schaffen, ein Vorschlag zu sein, dann stellen wir uns auch dem Wettkampf.“