30/06/2026 15:50 - Politica
In einer bemerkenswerten Eskalation der politischen Spannungen in Argentinien hat Präsident Javier Milei am Sonntag den ehemaligen Präsidenten Mauricio Macri scharf kritisiert und die Schuldenumstellung ("Reperfilamiento") aus dem Jahr 2018 als "Betrug an den Argentiniern" bezeichnet.
Die Erklärungen fallen in einen kritischen politischen Moment: Nachdem Macri den Rücktritt von Manuel Adorni wegen eines Vermögensskandals gefordert hatte und die Partei PRO die Ernennung von Diego Santilli als neuem Kabinettschef für sich verbuchte, hat Milei mit ungewöhnlich harten Worten reagiert.
Der Begriff bezieht sich auf eine Maßnahme aus dem Jahr 2018 unter Macris Regierung. Damals wurden die Laufzeiten und Bedingungen von Staatsanleihen in Pesos einseitig geändert – faktisch ein Teilzahlungsstopp. Investoren konnten ihre Anleihen nicht mehr unter den ursprünglichen Bedingungen einlösen.
Für ausländische Leser: Dies ist vergleichbar mit einer staatlichen Zwangsumschuldung, bei der Gläubiger länger auf ihr Geld warten müssen als vereinbart.
Javier Milei: Aktueller Präsident Argentiniens (seit Dezember 2023), libertärer Ökonom, bekannt für radikale Marktreformen.
Mauricio Macri: Präsident von 2015-2019, Führer der Partei PRO (mittlere-rechte Koalition "Cambiemos").
PRO: Propuesta Republicana, konservative Partei, Teil der Opposition gegen Milei.
In einem Interview mit dem Programm Neura sagte Milei wörtlich:
"Nachdem auch die Kirchners die Argentiner betrogen haben, indem sie die Ersparnisse stahlen. Oder mit verschiedenen Maßnahmen Vermögenswerte konfiszierten. Oder Macris eigene Regierung, die die Argentiner betrogen hat, indem sie die Schulden in Pesos nicht bezahlte. Oder was war das Reperfilamiento?"
Milei kritisierte ebenfalls die von Macri eingeführte Finanzgewinnsteuer und wies darauf hin, dass Exportabgaben und Devisenkontrollen die Bürger belastet hätten: "Das sind Fakten."
Die politische Krise wurde durch einen Skandal ausgelöst, der am 27.06.2026 seinen Höhepunkt erreichte:
Manuel Adorni, der bisherige Kabinettschef, tratte zurück, nachdem bekannt wurde, dass er 245.000 USD in Schwarzgeld für Renovierungen in seinem Landsitz bezahlt hatte und 500.000 USD in nicht deklarierten Kryptowährungen besaß. Sein Vermögen war um 775% gewachsen.
Daraufhin forderte Macri öffentlich Adornis Rücktritt und die PRO beanspruchte die Ernennung von Diego Santilli als neuen Kabinettschef, der am 30.06.2026 um 17:30 Uhr im Salón Blanco vereidigt wird.
Milei verwies darauf, dass Argentinien international keine "Investment Grade"-Bonität hat – also nicht als kreditwürdig genug für internationale Investoren gilt.
Dies erklärt er mit den historischen Schuldenkrisen des Landes, einschließlich Macris Reperfilamiento.
Überraschenderweise bekräftigte Milei, dass er weiterhin bereit sei, Unterstützer seines Reformprojekts aufzunehmen:
"Alle, die diesen Wandel unterstützen wollen, sind willkommen. Aber das heißt nicht, dass man die Geschichte leugnet."
Auf die Frage nach seiner "Tabula Rasa"-Politik (Neuanfang) antwortete er:
"Offensichtlich gibt es für Menschen guten Willens, die ein besseres Land wollen, immer Tabula Rasa. Aber man kann die Geschichte nicht leugnen."
| Ereignis | Datum | Details |
|---|---|---|
| Rücktritt Adorni | 27.06.2026 | Vermögensskandal: +775% Vermögenszuwachs |
| Forderung Macris | 28.-29.06.2026 | Öffentliche Rücktrittsaufforderung |
| Erklärungen Mileis | 29.06.2026 | "Reperfilamiento war Betrug" |
| Vereidigung Santilli | 30.06.2026, 17:30 Uhr | Neuer Kabinettschef der Minister |
Hintergrund für internationale Leser: Argentinien hat eine lange Geschichte von Schuldenkrisen und Zahlungsunfähigkeiten. Das Reperfilamiento von 2018 war eine dieser Maßnahmen, bei denen die Regierung einseitig Zahlungsbedingungen änderte. Milei, der mit radikalen Wirtschaftsreformen antritt, nutzt diese historischen Fakten, um seine aktuelle Politik zu rechtfertigen – selbst wenn das politische Bündnisse mit Macris PRO erschwert.
Alfredo S. Quiroga