01/07/2026 22:21 - Economia
Der S&P Merval, der wichtigste Aktienindex Argentiniens (vergleichbar mit dem DAX in Deutschland), begann den Monat Juli mit einer Korrektur. Nach dem beeindruckenden Anstieg im Vormonat nutzten Anleger die Gelegenheit zur Gewinnmitnahme. Der Index verlor 1,6% und schloss bei 3.128.135,41 Punkten. In US-Dollar gemessen betrug der Rückgang 2,2%.
Für Investoren, die aus dem Ausland auf Argentinien blicken, sind die sogenannten ADRs (American Depositary Receipts) oft der wichtigste Indikator. Dabei handelt es sich um Aktien argentinischer Unternehmen, die auch an der New Yorker Börse (Wall Street) gehandelt werden. Diese zeigten am 1. Juli folgende Verluste:
Diese Bewegungen sind typisch für einen Markt, der sich nach starken Gewinnen konsolidiert, und bieten oft neue Einstiegspunkte.
Während Aktien korrigierten, senden die Anleihen ein sehr positives Signal. Der Riesgo País (Länderrisiko), ein Indikator, der das Ausfallrisiko eines Staates im Vergleich zu US-Staatsanleihen misst (berechnet von JP Morgan), fiel auf 424 Basispunkte.
Dies ist der niedrigste Stand seit 2018. Ein sinkendes Länderrisiko bedeutet, dass es für Argentinien billiger wird, sich Geld am internationalen Markt zu leihen, und dass das Vertrauen der Investoren in die Wirtschaftspolitik wächst. Im laufenden Jahr konnte dieser Indikator bereits um 25,1% gesenkt werden.
Ein weiterer Meilenstein war die Entscheidung von S&P Global Ratings, die Kreditwürdigkeit Argentiniens von CCC+ auf B- anzuheben. Damit bestätigte S&P die vorherige Anhebung durch Fitch.
Warum ist das wichtig? Viele internationale Investmentfonds haben strengere Regularien: Sie dürfen nur in Länderanleihen investieren, die mindestens ein Rating von B- von zwei großen Agenturen haben. Mit dieser doppelten Bestätigung öffnet sich Argentinien nun für einen viel größeren Kreis institutioneller Investoren.
Laut Analysten von Puente hat dieses Upgrade den Prozess der "Normalisierung" des argentinischen Kredits beschleunigt. Der Abstand (Spread) zwischen argentinischen Anleihen und dem Durchschnitt der Schwellenländer ist auf nur noch 98 Basispunkte geschrumpft – ein Minimum des Jahrzehnts. Zum Jahresanfang betrug dieser Abstand noch 255 Basispunkte.
Die Marktteilnehmer blicken nun gespannt auf die weitere Entwicklung der Währungsreserven der Zentralbank und die Inflationsdaten. Sollte sich der positive globale Trend halten, könnte die aktuelle Korrektur am Aktienmarkt nur eine kurze Pause vor dem nächsten Aufwind sein.
Daten von Guardian Capital zeigen, dass der Juli historisch gesehen der beste Monat für den S&P 500 ist. Seit 2015 verzeichnete der Index im Juli elf Jahre in Folge Gewinne mit einer durchschnittlichen Rendite von 3,2%.
Der S&P 500 schloss das zweite Quartal mit einem Plus von über 10%. Das geschah seit 1950 erst neunmal. In all diesen Fällen war die zweite Jahreshälfte positiv, mit einem durchschnittlichen Anstieg von 11,7%.
Trotz der roten Zahlen am Aktienmarkt zu Monatsbeginn bleibt die Stimmung für das zweite Halbjahr optimistisch. Die Verbesserung des Ratings ("Investment Grade"-Schwelle für viele Fonds) und der Rückgang des Länderrisikos sind fundamentale Treiber, die kurzfristige Schwankungen am Aktienmarkt überlagern könnten.
Quelle: El Cronista, Puente Research, Guardian Capital
Alfredo S. Quiroga