Ein Großbrand im Umspannwerk Tolosa hat in der argentinischen Stadt La Plata, der Hauptstadt der Provinz Buenos Aires, zu einem beispiellosen Stromausfall geführt. Das Feuer brach gegen 2:30 Uhr in der Anlage an der Straße 528, zwischen Camino General Belgrano und Straße 9, aus und führte zur Explosion eines Transformators. Die Behörden evakuierten vorsorglich Anwohner aus angrenzenden Häusern.
Mindestens vier Löschzüge der Feuerwehr und Einheiten des Zivilschutzes kämpften gegen die Flammen. Die Hitze war so intensiv, dass eine sieben Meter hohe Mauer einstürzte, die das Umspannwerk von einem Wohnhaus trennte. Wie lokale Medien berichten, mussten die Einsatzkräfte sogar Wasser aus einem privaten Pool nutzen, als die eigenen Löschwasservorräte zur Neige gingen.
Weitreichende Auswirkungen auf die ganze Region
Der Stromausfall traf weite Teile des Stadtzentrums von La Plata sowie die Stadtteile Tolosa, Ringuelet, Villa Castells, San Carlos, José Hernández und Gonnet. Auch in der Nachbarstadt Ensenada fiel der Strom aus. Besonders dramatisch: Die letzten zehn Kilometer der Autobahn Buenos Aires-La Plata lagen die ganze Nacht in völliger Dunkelheit.
Die Folgen waren chaosartig: Zahlreiche Ampeln fielen aus, der Verkehr kollabierte, Geschäfte mussten schließen und viele Familien konnten weder Lebensmittel noch Medikamente kühlen. In den sozialen Netzwerken häuften sich Beschwerden, während der Kundendienst von Edelap zusammenbrach – der WhatsApp-Kanal reagierte nicht, die Telefonhotline war überlastet und das Online-Portal zeigte den Status „Wartungsarbeiten“.
Offizielles Statement von Edelap: Priorität für Krankenhäuser
Erst gegen 8:40 Uhr veröffentlichte der Energieversorger Edelap ein offizielles Kommuniqué. Darin bestätigte das Unternehmen, dass der Brand unter Kontrolle sei und man mit Hochdruck an der Neuausrichtung des Stromnetzes arbeite, um die Versorgung schrittweise wiederherzustellen. Besonders betont wurde, dass Krankenhäuser, Gesundheitszentren und andere kritische Einrichtungen oberste Priorität hätten. Zudem seien Notstromaggregate und zusätzliche Techniker im Einsatz.
„Das Unternehmen entschuldigt sich bei den betroffenen Anwohnern für die Unannehmlichkeiten und wird die Öffentlichkeit über die Fortschritte auf dem Laufenden halten“, hieß es in der Stellungnahme. Ein konkreter Zeitplan für die vollständige Wiederherstellung wurde jedoch nicht genannt. Die Brandursache ist weiterhin Gegenstand von Ermittlungen.
Hintergrund: Ein Umspannwerk von strategischer Bedeutung
Das Umspannwerk Tolosa ist ein zentraler Knotenpunkt im Stromverteilungsnetz der Region. Edelap versorgt nach offiziellen Angaben mehr als 400.000 Kunden (rund eine Million Menschen) in einem Konzessionsgebiet von 5.700 Quadratkilometern.
Der Vorfall hat die Debatte über die mangelnden Investitionen in die Strominfrastruktur neu entfacht. Politische Gruppierungen wie das PTS und die Zeitung La Izquierda Diario kritisierten das privatisierte Modell und forderten die Verstaatlichung der Energieversorger. Die Provinz- und Kommunalregierung haben sich bislang nicht zu möglichen Kontrollmaßnahmen geäußert.
Während die Techniker weiterhin rund um die Uhr arbeiten, warten die betroffenen Bewohner gespannt auf weitere offizielle Informationen. Es handelt sich um einen der schwerwiegendsten Stromausfälle der letzten Jahre in der Hauptstadt der Provinz Buenos Aires.