Neun Tage nach dem verheerenden Erdbeben der Stärke 7,4 in Kolumbien hat die UNGRD die Zahl der Todesopfer auf 312 erhöht. Zudem werden 4.611 Verletzte und 290 Vermisste gemeldet. Internationale Rettungskräfte, darunter auch eine argentinische Mission, sind weiter im Einsatz. Trotz der Zerstörung: 358 Menschen konnten aus den Trümmern gerettet werden.

Was ist ein Erdbeben der Stärke 7,4?

Die Momenten-Magnituden-Skala (Mw) misst die im Erdbebenherd freigesetzte Energie. Ein Beben der Stärke 7,4 gilt als stark und kann in städtischen Gebieten nahe dem Epizentrum erhebliche Zerstörungen verursachen. Das Beben wurde mit dem Epizentrum in San José del Palmar im Departamento Chocó registriert – einer seismisch aktiven Region, in der die Nazca-Platte und die Südamerikanische Platte aufeinanderprallen.

Verwüstung von Infrastruktur und Wohnhäusern

Die UNGRD-Bilanz zeigt, dass 27.000 Wohnhäuser zerstört und 134.124 weitere beschädigt wurden. Außerdem kollabierten 277 Gebäude vollständig. Auch die Versorgungsinfrastruktur hat gelitten: 335 Gesundheitszentren, 3.421 Bildungseinrichtungen und 4.028 Gemeinschaftszentren sind betroffen.

Die Verkehrsfinfrastruktur ist ebenso kritisch beschädigt: 432 Straßen, 97 Wasserbrunnen und 52 Fahrzeugbrücken wurden in Mitleidenschaft gezogen, während 5 Flughäfen auf unbestimmte Zeit geschlossen bleiben.

Zahlen im Kontext

Nach Behördenangaben verzeichnet die Stadt Calli die meisten Todesfälle mit 144 Toten, gefolgt von Pereira mit 107 Toten. Weitere Opfer gibt es in Quibdó, Buenaventura, Buga, Roldanillo und Manizales. Von den 312 Toten wurden 306 identifiziert und ihren Familien übergeben, darunter 24 Minderjährige.

Die Gesamtzahl der betroffenen Menschen liegt bei 294.278 Personen in 143.470 Haushalten, so der offizielle Report. Die Behörden haben provisorische Unterkünfte und Zelte auf öffentlichen Plätzen und in Parks der besonders gebeutelten Städte aufgebaut.

Unermüdliche Suche

Nationale und internationale Rettungsteams arbeiten ununterbrochen in den Ruinen, um die Vermissten zu finden. Die UNGRD hat Brigaden an besonderen kritischen Stellen eingesetzt, wo Gebäude noch instabil sind, unterstützt von Spürhunden und Geofonen.

An den Einsätzen sind 144 Mitglieder internationaler Spezialteams beteiligt. Bislang sind über 220 Tonnen humanitäre Hilfe eingetroffen, wie das kolumbianische Außenministerium meldet.

Internationale Hilfe und die argentinische Unterstützung

Die globale Solidität zeigt weiterhin große Wirkung. Die Vereinten Nationen haben 30,5 Millionen US-Dollar für Soforthilfe freigegeben. Die Europäische Union stellt 2 Millionen Euro bereit. Die Weltbank hat 200 Millionen US-Dollar für den Wiederaufbau der Grundinfrastruktur ausgezahlt.

Im Rahmen der bilateralen Kooperation hat Argentinien die „Operation Kolumbien“ aktiviert und ein Kontingent aus 32 Angehörigen des argentinischen Heeres entsandt – an Bord von Hercules C-130 und Embraer RJ-140. Verteidigungsminister Carlos Presti verabschiedete die Einheit auf der I. Luftbrigade in El Palomar. Das Team transportiert eine Wasseraufbereitungsanlage, eine Feldküche, 4.000 Packungen Verpflegung und Kommunikationsausrüstung. Die Basis wird in Quibdó sein, der Hauptstadt des Chocó – die Region ist schwer betroffen und schwierig zu erreichen.

Hoffnungsschimmer: Shakira und solidarische Spenden

Die Sängerin Shakira besuchte am Wochenende die zerstörten Gebiete und gab bekannt, 1 Million US-Dollar für den Wiederaufbau von Schulen zu sammeln. Auch der US-Amerikaner Howard Graham Buffett verpflichtete sich, 10 Schulen zu errichten. Shakira selbst hat eine persönliche Bindung zum Chocó – der Heimat ihres Vaters – und ihr Engagement stärkt die Hoffnung der leidenden Bewohner.

Wiederaufbau mit monumentalen Kosten

Die Regierung von Präsident Abelardo de la Espriella schätzt die finanziellen Aufwendungen auf 10.000 Millionen US-Dollar. Der Präsident hat den wirtschaftlichen und sozialen Notfall ausgerufen, um die Finanzmittel zu verwenden. Die Investitionen werden sich auf Wohnen, Gesundheit, Bildung und Verkehr konzentrieren – die vier großen Säulen, die am meisten Hilfe benötigen.

Mitten in der Trauer und Wucht der Zerstörung macht die Rettung von 358 Menschen mutig und zeigt die Solidarität der Welt, die den Blick nach vorn richtet.