Mit den Ausfällen von Montiel und Acuña und ohne registrierte Außenverteidiger im Kader für die Copa Sudamericana könnte Eduardo Coudet auf einen 19-jährigen Nachwuchsspieler setzen, der noch keinen Profivertrag hat. Der Klub aus Buenos Aires trifft am Mittwoch um 21.30 Uhr auf Independiente Santa Fe im Estadio El Campín.

Eine Notabwehr für eine entscheidende Nacht

Am heutigen Mittwoch, dem 19. August 2026, trifft River Plate aus Buenos Aires um 21.30 Uhr (argentinische Zeit) im Estadio El Campín in Bogotá auf Independiente Santa Fe. Es ist das Hinspiel im Achtelfinale der Copa Sudamericana, dem zweitwichtigsten südamerikanischen Vereinswettbewerb nach der Copa Libertadores. Das Spiel war wegen des verheerenden Erdbebens der Stärke 7,4, das Kolumbien am 10. August erschütterte, um eine Woche verschoben worden.

Die Mannschaft von Trainer Eduardo Coudet kommt mit neuem Selbstvertrauen nach Bogotá, denn am vergangenen Sonntag gelang ein 2:0-Heimsieg gegen Argentinos Juniors, womit eine Serie von sechs Niederlagen in Folge beendet wurde. Die Freude währte jedoch nur kurz: Gonzalo Montiel, der das erste Tor gegen Argentinos erzielt hatte, zog sich eine Zerrung im linken Adduktorenbereich zu und fällt für die Reise nach Kolumbien aus.

„Er ist der einzige rechte Außenverteidiger, der im Kader für die Copa Sudamericana steht“, bestätigten sie aus dem Trainerstab.

Das Problem: Ein Kader von 50 Spielern und kein einziger „Vierer“ verfügbar

Die Situation ist so ungewöhnlich wie besorgniserregend für das Trainerteam. Bei der Erstellung der sogenannten „Lista de Buena Fe“ (dt.: Liste des guten Glaubens), also des offiziellen Kaders für die Copa Sudamericana, hatte River Plate 50 Spieler gemeldet. Doch laut Reglement sind pro Runde nur fünf Änderungen erlaubt. Und genau hier liegt das Kernproblem:

  • Giovanni González, erst in diesem Transferfenster verpflichtet, wurde nicht registriert.
  • Francisco Ortega, die natürliche Alternative für die linke Seite, steht ebenfalls nicht auf der Liste.
  • Fabricio Bustos trainiert separat und wartet auf eine Einigung über seine Zukunft außerhalb des Vereins.
  • Ulises Giménez wurde an Sarmiento ausgeliehen, Matías Unyicio an Racing Montevideo.
  • Lucas Obregón und Thiago Salvatierra sind verletzt.

In dieser misslichen Lage ist der einzige natürliche rechte Außenverteidiger, der zur Verfügung steht, Yutiel Susano – ein 19-jähriger Nachwuchsspieler, der noch nie in der ersten Mannschaft gespielt hat und nicht einmal einen Profivertrag besitzt.

Wer ist Yutiel Susano, das Talent aus La Matanza?

Ángel Yutiel Susano wurde am 31. Januar 2007 in Isidro Casanova, einem Stadtteil im Partido La Matanza am Rande von Buenos Aires, geboren. Er ist 1,76 Meter groß, Rechtsfuß und kam 2015 im Alter von nur acht Jahren zu River Plate, nachdem er ein Probetraining im Klub erfolgreich absolviert hatte. Elf Jahre später wird der Traum nun konkret: Er reiste mit der Mannschaft nach Bogotá, um in einer K.o.-Runde der Copa Sudamericana zu spielen.

Bei seinen Teamkollegen ist er als „Terry“ oder „Sasu“ bekannt. Ursprünglich wurde er als rechter Innenverteidiger ausgebildet, doch dank seiner Vielseitigkeit spielte er bereits auf beiden Außenverteidigerpositionen, in der Innenverteidigung und sogar im Mittelfeld. In der Reservemannschaft setzte ihn Trainer Marcelo Escudero sogar als defensiven Mittelfeldspieler ein – im argentinischen Fußball oft als „5“ bezeichnet. „Er gab mir das Vertrauen, als Sechser zu spielen“, erklärte der Spieler selbst nach einem Spiel in Tucumán.

Seine Statistiken in der Reserva sind bescheiden: 14 Spiele, 957 Minuten, ein Tor und keine Vorlagen. Sein Debüt in dieser Kategorie gab er in diesem Jahr gegen Unión – und erzielte ausgerechnet in diesem Spiel ein Tor. Eine Schambeinentzündung (Pubalgie) bremste ihn zuletzt etwas aus, doch sie hinderte ihn nicht daran, wertvolle Erfahrungen mit dem Profikader zu sammeln: Er trainierte während der Länderspielpause im März mit der ersten Mannschaft in Cardales, machte die Vorbereitung in Spanien mit und reiste nach Portugal zum Freundschaftsspiel gegen Flamengo am 3. Juli.

„Ich bin sehr stolz, das Trikot von River Plate verteidigen zu dürfen, und jedes Mal, wenn ich auf den Platz gehe, verteidige ich es bis zum Tod“, sagte er einmal.

Die Optionen von Coudet: Dreierkette oder Debüt des Jungen?

Im letzten taktischen Training vor der Abreise experimentierte Coudet mit Lucas Martínez Quarta als Rechtsverteidiger und Facundo González auf der linken Seite, mit Nicolás Otamendi und Lautaro Rivero als Innenverteidiger-Duo. Er testete jedoch auch eine Dreierkette, mit Tobías Andrada oder Juan Cruz Meza als Schienenspielern.

Die beiden wahrscheinlichsten Startaufstellungen im Überblick:

Variante 1 (Viererkette)Variante 2 (Dreierkette)
Santiago Beltrán; Martínez Quarta, Otamendi, Rivero, Facundo González; Moreno, Andrada; Correa, Almada; Freitas und BorréSantiago Beltrán; Otamendi, Martínez Quarta, Rivero; Andrada oder Meza, Moreno, Vera; Correa, Almada; Freitas und Borré

In der ersten Variante wäre Facundo González – ehemals bei Central Córdoba, in dieser Saison mit wenig Spielzeit – der Linksverteidiger, und Susano würde zunächst auf der Bank sitzen. In der zweiten Variante könnte der Youngster seine Chance bekommen. Es wird auch spekuliert, dass der Trainer ein Mittelfeld mit drei zentralen Spielern (Aníbal Moreno, Tobías Andrada und Fausto Vera) aufbieten könnte, um das Zentrum in der Höhe von Bogotá (2.553 Meter über dem Meeresspiegel) zu verdichten.

Die weiteren Ausfälle und die Rückkehr von Borré

Neben Montiel muss River Plate auch auf Marcos Acuña verzichten, der sich von einem Muskelfaserriss im rechten hinteren Oberschenkel erholt. Beide sollen am Sonntag im Ligaspiel gegen Vélez Sarsfield wieder zur Verfügung stehen.

Im Angriff wurde Lucas Beltrán nicht für das Achtelfinale gemeldet. Rafael Santos Borré wird als Mittelstürmer auflaufen, unterstützt von Ángel Correa und Joaquín Freitas. Thiago Almada, eine der auffälligsten Figuren bei seinem Debüt gegen Argentinos Juniors, wird die Rolle des offensiven Mittelfeldspielers einnehmen.

Sebastián Driussi, der sich von einer Zerrung im inneren Wadenmuskel erholt, könnte möglicherweise die medizinische Freigabe erhalten und zur Mannschaft stoßen, doch wahrscheinlicher ist ein Einsatz am Wochenende.

Ein Spiel, das über den Sport hinausgeht

Die Partie hat eine besondere Bedeutung: Es ist das erste internationale Spiel in Kolumbien nach dem verheerenden Erdbeben, das nach offiziellen Angaben 289 Todesopfer, 4.187 Verletzte und 143 Vermisste forderte. Die südamerikanische Fußballkonföderation Conmebol entschied, an Bogotá als Spielort festzuhalten – als Geste der Solidarität mit dem kolumbianischen Volk.

Der Sieger dieser Begegnung trifft im Viertelfinale auf den Gewinner der Partie zwischen São Paulo und Bolívar.

Spieldaten im Überblick

  • Anstoß: 21.30 Uhr (argentinische Zeit), 20.30 Uhr (bolivianische Zeit), 02.30 Uhr (MESZ)
  • Übertragung: ESPN und DSports
  • Schiedsrichter: Jesús Valenzuela (Venezuela)
  • Stadion: El Campín, Bogotá

Quellen: TyC Sports, El Día, La Nación.