Ohne Montiel, Acuña und Driussi reist der argentinische Spitzenklub River Plate nach Kolumbien. Trainer Eduardo Coudet muss eine Not-Abwehr improvisieren, in der sogar ein 19-jähriger Nachwuchsspieler ohne Profivertrag als Option gilt. Das Hinspiel im Achtelfinale der Copa Sudamericana steigt am Mittwoch, 19. August, um 21:30 Uhr argentinischer Zeit.

River Plate – einer der traditionsreichsten Fußballvereine Argentiniens – trifft am heutigen Mittwoch, 19. August 2026, um 21:30 Uhr (argentinische Zeit) im Estadio El Campín von Bogotá auf Independiente Santa Fe. Es ist das Hinspiel im Achtelfinale der Copa Sudamericana 2026, dem zweitwichtigsten Vereinswettbewerb Südamerikas nach der Copa Libertadores. Die Mannschaft von Trainer Eduardo Coudet (Spitzname „Chacho“) reiste mit schwerem Gepäck nach Kolumbien: Gleich drei Stammkräfte fallen verletzt aus, und der Coach muss eine Abwehrformation aufbieten, die es so noch nie gegeben hat.

Die Verletzten: Drei Säulen fehlen

Die größte Sorge bereitet Gonzalo Montiel. Der rechte Verteidiger, der 2022 im Finale der Weltmeisterschaft gegen Frankreich den entscheidenden Elfmeter verwandelte, zog sich beim 2:0-Sieg gegen Argentinos Juniors am vergangenen Sonntag eine Zerrung im linken Adduktoren zu. Die Ärzte schickten ihn sofort zurück nach Buenos Aires – keine Chance auf einen Einsatz.

Ebenfalls fehlt Marcos Acuña. Der linksfüßige Außenverteidiger, der für seine aggressive Spielweise bekannt ist, laboriert an einer Muskelverletzung im rechten Oberschenkel, die er sich im Spiel gegen Gimnasia La Plata zugezogen hat. Erst am Mittwoch wäre seine 21-tägige Rehabilitationszeit offiziell abgelaufen – ein Risiko wollte Coudet nicht eingehen. Und auch Sebastián Driussi, der Mittelstürmer und torgefährlichste Angreifer im Kader, fehlt: Er befindet sich in der Endphase seiner Genesung nach einem Muskelfaserriss in der Wade.

Hinzu kommt ein bürokratisches Problem: Die im Sommer neu verpflichteten Spieler Giovanni González, Francisco Ortega, Mauro Arambarri und Lucas Beltrán wurden für die K.o.-Phase nicht nachnominiert. Das Reglement erlaubt nur fünf Änderungen am Spielerkader, und Coudet hatte sein Kontingent bereits ausgeschöpft. So bleibt ihm nur die Notlösung.

Die Not-Abwehr: Eine Dreierkette mit Überraschungen

In der Trainingseinheit am Dienstag im River-Camp testete Coudet eine Dreierkette, die bei River-Fans für Kopfschütteln sorgte: Lucas Martínez Quarta – eigentlich Innenverteidiger – soll als rechter Außenverteidiger agieren. Neben ihm stehen Nicolás Otamendi, der 38-jährige Weltmeister von 2022, und Lautaro Rivero, ein junger Abwehrspieler, der in dieser Saison kaum Spielzeit bekam. Auf der linken Seite soll Facundo González ran, der eigentlich auch Innenverteidiger ist.

Für Rivero wäre es erst sein dritter Startelf-Einsatz in dieser Saison. Die Alternative wäre der 19-jährige Ángel Yutiel Susano, ein Eigengewächs aus der Jugendakademie, der zwar mit nach Bogotá gereist ist, aber zunächst auf der Bank sitzen würde.

Wer ist Yutiel Susano?

Der junge Verteidiger wurde am 31. Januar 2007 in Isidro Casanova, einem Arbeiterviertel in der Provinz Buenos Aires, geboren. Seine Karriere begann im Baby-Fußball bei den kleinen Klubs Américo Passadores und Justo Villegas. Mit acht Jahren bestand er 2015 ein Probetraining bei River und blieb seither im Verein. Seine Teamkollegen nennen ihn „Terry“ – ein Spitzname, der an den englischen Fußballer John Terry erinnern soll. Obwohl er ursprünglich Innenverteidiger ist, wurde er in der Jugend auch als Rechtsverteidiger und defensiver Mittelfeldspieler eingesetzt.

In der Saison 2026 bestritt er 14 Spiele für die Reservemannschaft und erzielte bei seinem Debüt gegen Unión ein Tor. Er nahm bereits an der Saisonvorbereitung in Europa teil, wo River gegen Flamengo testete. Das Besondere: Susano hat noch keinen Profivertrag – er spielt offiziell für die Jugendabteilung. Seine Nominierung für ein Pflichtspiel der Copa Sudamericana ist daher eine kleine Sensation.

Mittelfeld und Angriff: Neue Gesichter, neue Hoffnung

Im zentralen Mittelfeld soll ein Trio auflaufen, das noch nie gemeinsam gespielt hat: Aníbal Moreno, ein defensiver Abräumer, Tobías Andrada, ein junger Box-to-Box-Spieler, und Fausto Vera, der erfahrene Mittelfeldstratege. Davor soll Thiago Almada die Fäden ziehen – der kleine Dribbler, der beim 2:0 gegen Argentinos Juniors sein Startelf-Debüt gab und sofort überzeugte.

Im Sturm ersetzt Rafael Santos Borré den verletzten Driussi. Der Kolumbianer, der bereits für River spielte und 2021 die Copa Libertadores gewann, kehrte erst im Sommer aus Deutschland zurück. An seiner Seite spielen Ángel Correa, der frühere Atlético-Madrid-Profi, und Joaquín Freitas, ein Flügelspieler aus der Jugend. Mitgereist ist auch Jonathan Spiff, der Torjäger der Reserve, der bereits sein Debüt in der ersten Mannschaft gegen Blooming im Monumental gegeben hat.

Die voraussichtliche Aufstellung von River Plate

Santiago BeltránMartínez Quarta, Otamendi, RiveroF. GonzálezMoreno, Andrada, VeraAlmadaCorrea, Borré

Mögliche Alternative: Susano für Rivero, wenn Coudet auf eine Viererkette umstellt.

Ein Spiel mit großer Bedeutung

River Plate hat eine schwere Phase hinter sich: Sechs Pflichtspiel-Niederlagen in Folge – ein historischer Tiefpunkt für den Klub. Erst der Sieg gegen Argentinos Juniors am Sonntag stoppte den Abwärtstrend. Nun soll in Bogotá der nächste Befreiungsschlag gelingen, um die Weichen für das Viertelfinale zu stellen. Das Rückspiel findet am 26. August im legendären Estadio Monumental in Buenos Aires statt. Der Sieger dieser Begegnung trifft in der nächsten Runde auf São Paulo oder Bolívar, die ihre Serie am Donnerstag austragen.

Für die deutschen Fans, die das Spiel verfolgen möchten: Übertragen wird die Partie in Südamerika bei ESPN und Disney+. In Deutschland ist die Übertragung über Streaming-Dienste wie DAZN oder ein VPN mit südamerikanischem Server möglich – die genauen Rechte variieren je nach Land.

Ein Tipp für alle, die sich mit dem südamerikanischen Fußball noch nicht auskennen: Die Copa Sudamericana ist das Pendant zur Europa League, aber mit einem eigenen, wilden Charme – hier kämpfen Klubs aus Argentinien, Brasilien, Kolumbien und anderen Ländern um den zweiten großen Continental-Titel. Für River Plate, das 2019 die Copa Libertadores gewann, ist dieser Wettbewerb eine Chance, sich nach einer enttäuschenden Saison wieder aufzurichten.

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