In der ersten Augusthälfte hat die argentinische Zentralbank (BCRA) ihre täglichen Dollar-Käufe auf den niedrigsten Stand des Jahres reduziert – von durchschnittlich 103 Millionen US-Dollar im Juli auf nur noch 31 Millionen US-Dollar. Das Ziel: den Wechselkurs unter 1.500 Pesos halten und die Inflationsverlangsamung fortsetzen.

BCRA verlangsamt Reservebildung: Das Anker-Wechselkurssystem als oberste Priorität

Die Zentralbank der Argentinischen Republik (BCRA) verzeichnete am Dienstag, dem 18. August 2026, einen Kauf von nur 10 Millionen US-Dollar am offiziellen Devisenmarkt – der zweitniedrigste Tageswert seit Beginn des Reserveaufbauprogramms. Der Handel war insgesamt schwach, mit einem Gesamtvolumen von 344 Millionen US-Dollar.

Wichtigste Zahl: Mit diesem Ergebnis beläuft sich der Käufersaldo im August auf 339 Millionen US-Dollar, während die kumulierten Käufe im Jahr 2026 13.666 Millionen US-Dollar erreichten. Der August-Durchschnitt liegt jedoch bei nur 31 Millionen US-Dollar pro Tag – deutlich unter den 103 Millionen im Juli, den 68 Millionen im Juni und den 137 Millionen im Mai.

Warum stoppt die Regierung die Käufe?

Die Strategie ist eine bewusste Entscheidung der Währungsbehörde unter der Leitung von Santiago Bausili. Ziel ist es, keinen zusätzlichen Druck auf den Wechselkurs auszuüben und den eingeschlagenen Pfad der Inflationsverlangsamung zu halten. Laut Quellen aus dem Wirtschaftsteam hat die Stabilität der Preise und des Wechselkurs-Ankers kurzfristig Vorrang vor der Geschwindigkeit des Aufbaus der Bruttoreserven.

Der Großhandels-Dollar (Dólar mayorista) schloss am Dienstag bei 1.495 Pesos pro US-Dollar – 7,50 Pesos höher als am Freitag zuvor. Damit bleibt die psychologisch wichtige Marke von 1.500 Pesos vorerst unangetastet. Laut Devisenanalyst Gustavo Quintana startete die Währung mit Kaufneigung in die Woche, bei geringem Volumen und Kursschwankungen zwischen 1.490,50 und 1.496,50 Pesos.

Steigende Zinsen: Tagesgeld nahe 30 Prozent

Die Wechselkursbewegung fand in einem Umfeld zunehmender Spannungen am Geldmarkt statt. Die kurzfristigen Zinssätze stiegen erneut kräftig, mit Kautionsgeschäften (Caución) bei nahezu 30 Prozent – ein Zeichen für weiterhin knappe Liquidität. Parallel dazu stieg die TAMAR (Durchschnittszins für befristete Einlagen) von 24,19 auf 24,56 Prozent, während die BADLAR (Referenzzins für Einlagen über 1 Million Pesos) von 22,56 auf 23,31 Prozent anzog.

Laut dem Finanzanalysehaus PPI bleibt die Spannung zwischen Zinsen und Dollar bestehen, weil die Regierung einen immer sichtbareren Zielkonflikt bewältigen muss: Die Zinserhöhung lässt sich nicht allein auf die letzte Treasury-Auktion zurückführen (mit einer Rollover-Quote von 100,3 Prozent und einer Absorption von nur 10.000 Millionen Pesos), sondern die mögliche Intervention der BCRA am Sekundärmarkt für dollar-linkierte Anleihen dürfte die Liquidität erneut verknappt haben.

Bruttoreserven und Bewertungseffekte

Trotz der offiziellen Käufe stiegen die internationalen Bruttoreserven um 96 Millionen US-Dollar und schlossen bei 49.592 Millionen US-Dollar. Damit bleibt der Bestand über der Marke von 49.000 Millionen US-Dollar, ohne jedoch das jüngste Hoch von 50.000 Millionen US-Dollar wieder zu erreichen.

Der Anstieg erfolgte trotz negativer Bewertungseffekte: Der Goldpreis fiel um 1,70 Prozent und reduzierte den Buchwert der Zentralbankbestände um rund 65 Millionen US-Dollar. Im globalen Umfeld legte der US-Dollar-Index um 0,12 Prozent zu, während der Euro um 0,07 Prozent, das britische Pfund um 0,11 Prozent, der chinesische Yuan um 0,05 Prozent und der japanische Yen um 0,14 Prozent nachgaben.

Alternative Dollar-Kurse und Wechselkurslücke

WechselkursWert (18.08.2026)
Großhandels-Dollar (Mayorista)1.495 Pesos
Offizieller Dollar (Banco Nación)1.510 Pesos
Dólar MEP (Börsenkurs)1.517,76 Pesos
Dólar CCL (mit Liquidación)1.591,09 Pesos
Dólar Blue (informeller Markt)1.555 Pesos

Alle alternativen Wechselkurse schlossen fester. Die Lücke zwischen Blue und Großhandels-Dollar lag bei 4,01 Prozent, während der Abstand zum CCL bei 4,83 Prozent verharrte.

Inflation: Die offizielle Wette

Der Verbraucherpreisindex (IPC) für Juli betrug 2,1 Prozent im Monatsvergleich – nur 0,2 Prozentpunkte über dem Juni-Wert. Das gab der Regierung eine gewisse Atempause. Für die kommenden Monate erwartet der REM (Relevamiento de Expectativas del Mercado), die monatliche Umfrage der Zentralbank bei Marktteilnehmern, einen IPC von 1,8 bis 1,9 Prozent; in den Folgemonaten soll er auf 1,6 bis 1,8 Prozent sinken, mit Ausnahme des Dezembers wegen saisonaler Weihnachtseffekte.

Die Regierung strebt an, dass der Großhandels-Dollar die Marke von 1.500 Pesos nicht überschreitet und der Einzelhandelskurs bei maximal 1.515 bis 1.520 Pesos bleibt, um eine Übertragung auf die Verbraucherpreise zu vermeiden.

Terminkontrakte und Erwartungen

Am Terminmarkt stiegen die Kurse über alle Laufzeiten: August legte 0,40 Prozent zu, September 0,43 Prozent, Dezember 0,43 Prozent und auch die Kontrakte für 2027 schlossen fester. Die implizite Monatsrate für August lag bei 1,96 Prozent (23,48 Prozent annualisiert), während September bei 1,85 Prozent (22,14 Prozent annualisiert) notierte.

Der REM prognostiziert einen offiziellen Dollar von rund 1.652 Pesos zum Jahresende und eine anhaltende Desinflation. Parallel dazu hat Wirtschaftsminister Luis Caputo Kredite in US-Dollar für alle Unternehmen freigegeben – mit einer Obergrenze von 15 Prozent der Fremdwährungseinlagen pro Bank (potenziell 40.000 Millionen US-Dollar). Diese Maßnahme könnte das Devisenangebot am offiziellen Markt verstärken, doch Analysten warnen vor dem Wahlrisiko dieses Schemas.