Nach dem Feiertag zu Ehren von General San Martín nahm der argentinische Finanzmarkt am Dienstag seinen Betrieb wieder auf – mit negativen Vorzeichen. Der blaue Dollar (dólar blue) stieg um 10 $ auf 1.555 $ zum Verkauf, während der offizielle Dollar bei 1.515 $ in der Banco Nación notierte. Das von JP Morgan gemessene Länderrisiko erreichte 506 Basispunkte, den höchsten Stand seit Ende Mai.

Die Finanzmärkte in Argentinien haben am Dienstag, dem 18. August 2026, nach dem Feiertag zum Gedenken an den Nationalhelden José de San Martín wieder geöffnet – und die Zahlen waren für die Regierung nicht ermutigend. Der inoffizielle Dollar, bekannt als dólar blue, kletterte auf 1.555 argentinische Pesos (ARS) zum Verkauf. Der offizielle Wechselkurs lag bei der staatlichen Banco Nación bei 1.515 ARS. Gleichzeitig stieg das Länderrisiko, gemessen vom US-Bankenriesen JP Morgan, auf 506 Basispunkte – ein Niveau, das zuletzt Ende Mai erreicht worden war.

Wechselkurse zum Handelsschluss am 18. August

Der argentinische Devisenmarkt ist stark fragmentiert. Hier die wichtigsten Kurse im Überblick:

WechselkurstypKaufVerkauf
Offizieller Dollar1.465 ARS1.515 ARS
Blauer Dollar (dólar blue)1.535 ARS1.555 ARS
Großhandelsdollar (mayorista)1.487,50 ARS
Dólar MEP (Börsenhandel)1.516,43 ARS
Dólar CCL (Cash with Settlement)1.578,12 ARS
Kreditkartendollar (dólar tarjeta)1.969,50 ARS
Krypto-Dollar (DAI)1.609,86 ARS

Hinweis: Der dólar blue ist der inoffizielle Parallelmarkt, der in Argentinien weit verbreitet ist. Der dólar tarjeta enthält die 30%ige Steuer PAÍS und weitere Abgaben. Der Kreditkartendollar ist der effektive Kurs für Auslandsausgaben mit Kreditkarte.

Länderrisiko und Aktienmärkte

Der von JP Morgan berechnete Indikator stieg um 8 Basispunkte im Vergleich zum Freitag und erreichte 506 Einheiten. Damit hat Argentinien das höchste Länderrisiko in Lateinamerika, gefolgt von Ecuador (422) und Bolivien (407). Uruguay schneidet mit 68 Punkten deutlich besser ab. Das Länderrisiko misst die Wahrscheinlichkeit, dass ein Land seine Schulden nicht bedienen kann – je höher der Wert, desto riskanter gilt die Anlage.

Die argentinischen Aktien an der Wall Street fielen um bis zu 6,5 Prozent. Besonders betroffen waren Banken und Energieunternehmen. Am heimischen Aktienmarkt MERVAL dominierten ebenfalls rote Zahlen: Supervielle verlor 4,6 Prozent, Transportadora Gas del Norte 4,6 Prozent und Transener 4,8 Prozent. Einziger großer Gewinner war der Ölkonzern YPF mit einem Plus von 1,9 Prozent.

Die Zentralbank kauft nur 10 Millionen Dollar

Die Argentinische Zentralbank (BCRA) meldete für den Tag den zweitniedrigsten Dollar-Kauf des Jahres: Lediglich 10 Millionen US-Dollar wurden im offiziellen Markt erworben. Die Bruttowährungsreserven liegen damit bei 49.592 Millionen US-Dollar. Zum Vergleich: Im August beträgt der durchschnittliche Tageskauf 31 Millionen US-Dollar – im Juli waren es noch 103 Millionen und im Mai sogar 137 Millionen US-Dollar pro Tag.

Diese deutliche Verlangsamung zeigt die Herausforderung der Regierung unter Wirtschaftsminister Luis Caputo und Zentralbankchef Santiago Bausili: Sie wollen den Großhandelsdollar unter der Marke von 1.500 ARS halten, die Inflation bekämpfen und gleichzeitig Reserven aufbauen. Analysten bezeichnen dieses Balance-Manöver als äußerst fragil.

Haushaltsüberschuss und Inflationsdaten

Das Wirtschaftsministerium meldete für Juli einen primären Haushaltsüberschuss von 2.960.333 Millionen ARS und einen finanziellen Überschuss von 244.897 Millionen ARS – letzterer wird nach Abzug der Zinszahlungen für Staatsschulden berechnet. In den ersten sieben Monaten des Jahres summiert sich der Finanzüberschuss auf 0,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vereinbarte Zielmarke für das Gesamtjahr liegt bei 1,4 Prozent des BIP.

Zudem veröffentlichte das nationale Statistikinstitut INDEC die Großhandelsinflationsrate für Juli: 0,8 Prozent – der niedrigste Wert seit 14 Monaten und der dritte Monat in Folge mit rückläufiger Teuerung. Im Jahresvergleich liegt die Großhandelsinflation bei 31,3 Prozent. Die Verbraucherinflation ist in Argentinien traditionell höher als die Großhandelsinflation.

Sorgen der Industrie und internationale Lage

Laut einem Bericht der Fundación Observatorio Pyme (FOP) sind Zahlungsverzögerungen inzwischen die zweitgrößte Sorge kleiner und mittlerer Industriebetriebe: 62 Prozent der Unternehmen mussten verspätete Zahlungen hinnehmen, 24 Prozent konnten eigene Rechnungen nicht rechtzeitig begleichen.

International belasten mehrere Faktoren die Märkte: Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran hält die Meerenge von Ormuz blockiert – eine der wichtigsten Ölhandelsrouten der Welt. Der Ölpreis (Brent) stieg auf über 91 US-Dollar pro Barrel. Gleichzeitig erreichte die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen mit 4,70 Prozent den höchsten Stand seit 2007; die 30-jährige Rendite lag bei 5,34 Prozent. Steigende Zinsen in den USA machen Schwellenländeranleihen – wie die argentinischen – für internationale Investoren weniger attraktiv.

Politische Aussichten und Ausblick

Der Markt blickt gespannt auf die politische Agenda: Die Regierung erwägt die Abschaffung der Vorwahlen (PASO), und eine mögliche Allianz zwischen der konservativen PRO-Partei und der Regierungspartei La Libertad Avanza von Präsident Javier Milei zeichnet sich für die Parlamentswahlen 2027 ab. Diese Entwicklungen könnten die Finanzmärkte in den kommenden Wochen weiter bewegen.

Quellen: Clarín · TN · La Nación