Santiago Bausili, Präsident der argentinischen Zentralbank (BCRA), hat bekräftigt, dass die Geldpolitik des Landes restriktiv bleiben wird, bis die Inflation das internationale Niveau erreicht. Zudem kündigte er an, dass die Teuerungsrate im August unter den 2,1% vom Juli liegen wird – und wahrscheinlich auch unter den 1,9% vom Juni.

BCRA hält an restriktivem Geldkurs fest

Der Präsident der argentinischen Zentralbank (BCRA, Banco Central de la República Argentina), Santiago Bausili, hat am Mittwoch, dem 19. August, bekräftigt, dass die Geldpolitik des Landes weiterhin einen kontraktiven Kurs verfolgen wird. In einer virtuellen Präsentation vor der Wirtschaftsstiftung FIEL schloss Bausili Lockerungen aus, um die Wirtschaft anzukurbeln: „Wir werden den restriktiven geldpolitischen Kurs beibehalten, bis die Inflation sich der internationalen angenähert hat“.

Er betonte, dass der Inflationsdruck im ersten Quartal „letztlich vorübergehend“ gewesen sei und die Kerninflation, also die Teuerung ohne Saisonfaktoren, ein Niveau wie im Jahr 2017 erreicht habe. Der Disinflationsprozess werde zwar weitergehen, aber nur schrittweise, so der Zentralbankchef.

Inflationsausblick für August: bessere Werte als in Juni und Juli

Bausili zeigte sich „recht optimistisch“ bezüglich der Preisentwicklung im August. Laut den für ihn erstellten Hochfrequenzdaten werde die Rate des achten Monats „natürlich unter der von Juli liegen und voraussichtlich auch unter der von Juni“. Der Juli-Wert war durch Saisoneffekte wie die Winterferien auf 2,2% gestiegen, während er im Juni noch 1,9% betragen hatte, wie das argentinische Statistikamt INDEC meldet.

Diese Einschätzung wird von der monatlichen Markterwartungsumfrage REM gestützt, die dem BCRA einen Durchschnittswert von 1,8% für August prognostiziert. Auch private Analysen wie von den Konsultanturen Analytica, LCG und EconViews bestätigen diese Tendenz anhand der Lebensmittel- und Getränkepreise der ersten Wochen.

„Die Markterwartungen bleiben in Bezug auf den Preispfad verankert“, so Bausili.

Geldpolitik im Detail: Liquiditätssmanagement und stabile Zinsen

Der Zentralbankpräsident erklärte, dass die Strategie über die Kontrolle der Geldmenge und der Liquidität im Finanzsystem umgesetzt werde. Dies erfordere ein sensibles Gleichgewicht, um Überschüsse zu vermeiden, die den Wechselkurs und die Inflation weiter anheizen könnten, während die Zinsätze stabil bleiben sollten.

In den letzten Handelstagen war die kurzfristigen Zinssätze unter Druck geraten, mit Tagesgeld bei etwa 30% pro Jahr. Bausili betonte jedoch, die Priorität liege in stabilen Zinsen und einer allmählich wiederauflebenden Geldnachfrage.

Reserven: Kaufprogramm bleibt bestehen

Weiterhin bestätigte Bausili, dass es keine Pläne gibt, das Ankaufprogramm von Devisen zu beenden. Bis zum 18. August habe die BCBA 13.664 Millionen US-Dollar an Reserven gekauft – eine Summe, die „deutlich über den Erwartungen des Marktes lag“. Dies sei auf die positive Haushaltsleistung zurückzuführen, was die Bilanz der Notenbank gestärkt habe.

Beim Außenhandel betonte Bausili, dass das Land nicht mehr von einem einzelnen Exportprodukt abhänge: Die Energieexporte (Erdöl und Gas) würden tägliche Einnahmen generieren – „Erdöl wird jeden Tag produziert“, so seine bildhafte Formel.

Kreditvergabe in Dollar – ein heißes Eisen

Bausili verteidigte auch die jüngste Entscheidung, Kredite in US-Dollar für nicht-exportierende Unternehmen zu ermöglichen. „Die Argentinier sparen in Dollar, und es ist wichtig, Wege zu finden, damit diese Ersparnisse zu Investitionen werden“. Er wies darauf hin, dass man keinen „Kreditboom“ erwartet und dass das Finanzsystem die Risiken eines Währungsschadens (sog. Descalce) genau kenne – insbesondere mit Blick auf die Argentinien-Krise von 2001.

Die Maßnahme könnte besonders für Immobilienprojekte und Kleinunternehmen (PYMES) interessant sein, die mit dem Außensektor verbunden sind.

Wirtschaftliche Aktivität: Zweigeteilte Erholung

Hinsichtlich der Realwirtschaft räumte der Zentralbankchef ein, dass die Expansion „uneinheitlich“ ist: Während die Energie-, Bergbau- und Agrarbranche boomten, hinkten die Industrie-, Bau- und Handelssektoren noch hinterher. Er zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass „erste Impulse aus den starken Sektoren langsam die schwächeren erreichen“.

Seine Kernbotschaft: Die argentinische Wirtschaft wächst heute im Rahmen fiskalischer und monetärer Stabilität, was das Wachstum langfristig tragfähiger mache.

Persönlicher Ausblick: Reform der Zentralbankverfassung

Als letztes wünschte Bausali die geplante Reform der Carta Orgánica (verfassungsartige Satzung der BCRA) als „Projekt, das für Argentinien eine starke institutionelle Absicht ausstrahlt“. Dieses Thema sei seit über zwei Jahrzehnten nicht mehr öffentlich diskutiert worden.