Argentinien hat am 21. August 2026 die letzten Konzessionsgruppen für Fernstraßen vergeben. Acht Korridore mit 3900 km kommen dazu, insgesamt sind über 9000 Kilometer privat. Die Bauarbeiten starten Ende September. Der Artikel zeigt die neuen Abschnitte, die vorgesehenen Mautpreise und die Hintergründe der Privatisierung.

Die argentinische Regierung überträgt die wichtigsten Nationalstraßen in private Händen. Wirtschaftsminister Luis Caputo gab am 21. August 2026 die Zuschläge für die dritte und letzte Stufe der Bundesstraßenkonzessionen bekannt. Acht wurden acht Korridore mit insgesamt 3.900 Kilometern vergeben. Zusammen mit den bisherigen Etappen sind es mehr als 9.000 Kilometer Fernstraßen, durch die rund 80 Prozent des Verkehrsaufkommens des Landes fließen.

Die folgenden Abschnitte wurden vergeben:

  • Tramo Centro – Straßen RN 9, RN 19 und RN 34, in Santa Fe und Córdoba, 681,92 km. Betreiber: UTE AFE, Pablo Federico e Hijos sowie Guido Mogetta. Maut: 1.399 Pesos ohne Mehrwertsteuer, also 1.692,79 Pesos pro 100 km.
  • Tramo Centro-Norte – RN 34, Santa Fe und Santiago del Estero, 536,43 km. Betreiber: José Cartellone Construcciones. Tarif: 2.631,75 Pesos.
  • Tramo Mesopotámico – RN 12 und RN 18, Entre Ríos, 276,11 km. Betreiber: UTE IEB Construcciones – Trading MRG. Tarif: 4.313,64 Pesos.
  • Tramo Noroeste – RN 9, RN 34, RN 66, RN 1V66 und A-016, in Salta, Jujuy, Tucumán und Santiago del Estero, 596,52 km. Betreiber: Autovía Construcciones, Vapeu und Guigivan. Tarif: 2.764,85 Pesos.
  • Tramo Litoral – RN 12 und RN 16, Corrientes und Chaco, 546,74 km. Betreiber: JCR und Néstor Julio Guerechet. Tarif: 3.480,01 Pesos.
  • Tramo Noreste – RN 12 und RN 105, Misiones, 456,22 km. Betreiber: Carlos E. Enríquez y Hormi. Tarif: 3.569,50 Pesos.
  • Tramo Chaco-Santa Fe – RN 11, Santa Fe und Chaco, 497,18 km. Betreiber: UTE José Eleuterio Pitón, Rovial und Obring. Tarif: 4.259,20 Pesos.
  • Tramo Cuyo – RN 7, Mendoza, 329,09 km. Betreiber: Laugero Construcciones, Green und Corporación del Sur. Tarif: 3.739,20 Pesos.

Die Preise gelten für PKWs pro 100 Kilometer und werden später der Inflation angepasst. Der durchschnittliche Mautsatz liegt bei 3.134 Pesos mit Mehrwertsteuer. Der günstigste Abschnitt ist das Zentrum, der teuerste der mesopotamische Korridor.

Die Konzessionen laufen über 20 Jahre. Die Firmen übernehmen nicht nur den Bau, sondern auch die Instandhaltung, Reparatur, Erweiterung, Ausschilderung und verschiedene Dienste für die Nutzer. Die Finanzierung erfolgt ausschließlich über die Maut – der Staat gibt keine direkten Zuschüsse.

Ein privates Gutachten erwartet, dass die 9.000 Kilometer Straßen den Betreibern insgesamt rund 6,7 Milliarden US-Dollar über zwei Jahrzehnte bringen. Die Arbeiten beginnen planmäßig Ende September 2026. Geplant sind Reparatur der Fahrbahnen, neues Bankette, Beseitigung von Rissen und neue Mautstationen. In einigen Abschnitten werden innovative Free-Flow-Systeme eingebaut, zum Beispiel im Tramo Centro mit neuen Stationen in Leones, San Francisco und Totoras.

Diese Ankündigung erfolgte im Rahmen der Reformagenda von Präsident Javier Milei, der die Rolle des Staates im Straßenwesen zurückdrängen möchte. Bereits im Januar 2026 wurden erste Abschnitte übergeben, danach folgten weitere 2.500 Kilometer. Mit den 16 Abschnitten sind jetzt die verkehrsstärksten Routen in privater Hand. Provinzgouverneure und Oppositionsgruppen haben allerdings den Zustand der Straßen beklagt und fürchten nun höhere Lasten für die Autofahrer – sie zeigen aber auch verhaltene Hoffnung, dass diese Maßnahme die Infrastruktur langfristig verbessert.

Die Meldung basiert auf einer Originalveröffentlichung von imago.com.ar.