Das ungarische Parlament hat am 11. August 2026 den ehemaligen Richter András Baka (72) zum neuen Präsidenten gewählt. Mit einer versöhnlichen Botschaft betont Baka, dass das Land nicht durch Rache aufgebaut werden kann, und strebt die Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit und der europäischen Bindungen an.

Ein neues Kapitel für Ungarn

Veröffentlicht am 12. August 2026.

Das ungarische Parlament hat am 11. August 2026 eine historische Entscheidung getroffen und den ehemaligen Richter András Baka (72 Jahre) zum neuen Präsidenten des Landes gewählt. Mit einem Abstimmungsergebnis von 140 Stimmen dafür und 6 dagegen tritt Baka sein Amt in einer Zeit tiefgreifenden politischen Wandels an, was eine deutliche Distanzierung von der Ära des langjährigen Regierungschefs Viktor Orbán markiert.

Der neue Präsident ersetzt Tamás Sulyok, einen Orbán-Loyalisten, der im vergangenen Monat nach der Unterzeichnung einer Verfassungsänderung zurücktrat, die von der regierenden Tisza-Partei unter der Führung von Premierminister Péter Magyar vorangetrieben wurde. Bemerkenswerterweise beschloss die größte Oppositionspartei, Fidesz (die Partei von Orbán), die Abstimmung zu boykottieren, was die Polarisierung widerspiegelt, die Baka nun zu heilen sucht.

Wer ist András Baka?

Baka ist kein traditioneller Politiker, sondern ein herausragender Jurist. Er war Präsident des Obersten Gerichtshofs von Ungarn, bis er im Jahr 2011 vom damaligen Premierminister Viktor Orbán aus seinem Amt entfernt wurde, drei Jahre vor Ablauf seiner Amtszeit. Später gewann Baka einen Fall wegen unrechtmäßiger Entlassung vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR), einer internationalen Institution in Straßburg, die die Einhaltung der Menschenrechte überwacht.

Berichten internationaler Medien zufolge war Baka die zweite Wahl von Premierminister Magyar für das Amt, nachdem die Schachlegende Judit Polgár das Angebot abgelehnt hatte, da sie sich nicht stark genug fühlte, eine gespaltene Nation zu vereinen.

„Wir können das neue Ungarn nicht mit Rache aufbauen“

In einer tief intellektuellen und versöhnlichen Antrittsrede sandte Baka eine Botschaft der Hoffnung an die Nation. Er warnte davor, dass die vorherige Regierung Spaltung gesät habe, indem sie Budapest gegen den Rest des Landes, Junge gegen Alte und Mehrheiten gegen Minderheiten ausspielte.

„Der politische Wandel darf nicht bedeuten, dass von nun an unterschiedliche Menschen andere fürchten, schweigen oder sich wie Fremde im eigenen Land fühlen müssen.“

Der neue Präsident betonte die Notwendigkeit, eine funktionierende demokratische Verfassungskultur wieder aufzubauen, und bekräftigte, dass Ungarns Platz in Europa liegt – nicht aus einer momentanen Entscheidung, sondern aufgrund geteilter Geschichte, Kultur und Interessen.

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Quelle: The Guardian