Das Ende eines Jahrzehnts rechtlicher Streitigkeiten
Laut dem britischen Medium The Guardian hat sich die kanadische Fluggesellschaft WestJet darauf geeinigt, ihre Flugbegleiterinnen mit 4,5 Millionen kanadischen Dollar (ca. 2,4 Millionen Pfund Sterling) zu entschädigen, um eine zehnjährige Sammelklage zu beenden. Die Einigung resultiert aus Vorwürfen, wonach das Unternehmen es nicht schaffte, ein sicheres Arbeitsumfeld zu gewährleisten.
Ein Richter in der Provinz British Columbia (Britisch-Kolumbien, eine Provinz im westlichen Kanada) hat am Montag die Bedingungen des Vergleichs genehmigt, der am 22. Juni 2026 nach monatelangen Verhandlungen finalisiert wurde. Die Zahlung wird unter den 3.452 Flugbegleiterinnen der Klage aufgeteilt, abzüglich Anwalts- und Gerichtskosten. Nach dem Recht von British Columbia umfasste die Klage alle Flugbegleiterinnen, die zwischen dem 4. April 2014 und dem 28. Februar 2021 für die Fluggesellschaft arbeiteten.
Was ist eine Sammelklage?
Eine Sammelklage (oder Class Action) ist ein Rechtsmechanismus, der es einer großen Gruppe von Personen mit ähnlichen Ansprüchen ermöglicht, ihren Fall über einen Vertreter einheitlich vor Gericht zu bringen. In diesem Fall profitieren mehr als dreitausend Arbeitnehmerinnen von dem Urteil, ohne dass jede einzelne einen individuellen Prozess anstrengen muss.
Die schwerwiegenden Vorwürfe
Die Klage wurde von Mandalena Lewis, einer ehemaligen Flugbegleiterin, angestrengt, die behauptete, sie sei 2010 während eines Zwischenstopps in Hawaii von einem WestJet-Piloten sexuell missbraucht worden, als sie 25 Jahre alt war. Gerichtsdokumenten zufolge soll derselbe Pilot bereits 2008 eine andere Flugbegleiterin angegriffen haben. Obwohl Lewis den Vorfall meldete, soll die Fluggesellschaft den Piloten weiter im Dienst behalten und andere Mitarbeiterinnen gefährdet haben.
Lewis reichte im April 2016 die Sammelklage ein, nachdem sie erfahren hatte, dass Kolleginnen Ähnliches erlebt hatten. Sie wurde im selben Jahr wegen angeblicher grober Insubordination entlassen, was ihr Anwaltsteam als Vergeltung für den Versuch ansieht, das Unternehmen zur Verantwortung zu ziehen.
Bedingungen der Einigung und zukünftige Veränderungen
Obwohl der Vergleich weder ein Schuldeingeständnis der Fluggesellschaft noch die Einführung einer verpflichtenden Schulung gegen Belästigung für Piloten – wie von der ursprünglichen Klage gefordert – beinhaltet, verpflichtete sich WestJet, eine unabhängige Drittpartei mit einer internen Untersuchung zu beauftragen. Diese Untersuchung soll die Prävalenz von Belästigung, die Dunkelziffer und die Verbesserung der Wirksamkeit von Meldesystemen bewerten.
In einer Erklärung soll das Unternehmen sein Engagement für die Stärkung seiner Betriebsabläufe und Schulungen bekräftigt haben, mit Fokus auf das Wohlergehen der Mitarbeiter und die Förderung einer Kultur der Stärkung.
Ein systemisches Problem in der Branche
Der Fall beleuchtet ein historisches Problem in der Luftfahrtindustrie. Eine Umfrage der US-Flugbegleiter-Vereinigung aus dem Jahr 2018 unter mehr als 3.500 Arbeitnehmern ergab, dass 68 % in ihrer Karriere sexuelle Belästigung erfahren hatten, obwohl nur 7 % dies ihrem Arbeitgeber gemeldet hatten. Dieser Vergleich schafft einen hoffnungsvollen Präzedenzfall, damit weltweit mehr Unternehmen sichere und effektive Beschwerdekanäle implementieren.