In Großbritannien wird Energie für Millionen Haushalte erneut teurer. Die Regulierungsbehörde Ofgem hat am Mittwoch, dem 26. August 2026, eine Anhebung der sogenannten Energiepreisobergrenze (Energy Price Cap) um 4 Prozent bekannt gegeben. Ab dem 1. Oktober 2026 zahlen Haushalte mit variablen Tarifen für einen durchschnittlichen Verbrauch von Gas und Strom 1.723 Pfund pro Jahr – das sind umgerechnet rund 2.030 Euro. Das ist der höchste Stand seit 2023 und der zweite Anstieg innerhalb von nur drei Monaten, nachdem die Obergrenze im Juli bereits um 13 Prozent gestiegen war.
Warum steigen die Preise?
Die Ursache liegt laut Ofgem in den weltweit gestiegenen Großhandelspreisen für Gas und Strom. Besonders der Konflikt mit dem Iran sorgt für Unsicherheit auf den internationalen Energiemärkten und treibt die Kosten in die Höhe. Großbritannien importiert einen großen Teil seines Gases und gibt diese Kosten direkt an die Verbraucher weiter.
Die Energiepreisobergrenze wird alle drei Monate neu festgelegt. Sie begrenzt den maximalen Preis pro Kilowattstunde (kWh) und den täglichen Grundpreis, den Energieversorger verlangen dürfen. Sie begrenzt jedoch nicht die Gesamtrechnung: Wer mehr verbraucht, zahlt auch mehr.
Die neuen Tarife im Überblick
Ab Oktober gelten in Großbritannien folgende Tarife für Haushalte mit Standardtarif:
| Tarifbestandteil | Bisheriger Preis | Neuer Preis ab Oktober |
|---|---|---|
| Strom (pro kWh) | 26,11 Pence | 26,32 Pence |
| Gas (pro kWh) | 7,33 Pence | 7,97 Pence |
| Täglicher Grundpreis Gas | 29,04 Pence | 29,68 Pence |
| Täglicher Grundpreis Strom | 57,19 Pence | 54,83 Pence |
Die Obergrenze wird auf Basis eines niedrigeren geschätzten Jahresverbrauchs berechnet als in früheren Perioden. Nach der alten Berechnungsmethode hätte die Obergrenze sogar bei 1.940,69 Pfund pro Jahr gelegen – deutlich mehr als die nun festgelegten 1.723 Pfund.
Harte Einschnitte für viele Haushalte
Die Ankündigung von Ofgem hat in Großbritannien sofort heftige Reaktionen ausgelöst. Verbraucherschützer und Gewerkschaften warnen vor einer weiteren Verschärfung der Energiekrise. Clare Moriarty von der Organisation Citizens Advice sprach von einer „gnadenlosen Erosion des Lebensstandards“. Paul Nowak, Generalsekretär des Gewerkschaftsbundes TUC, forderte eine Sondersteuer auf Bankgewinne und höhere Abgaben für Energiekonzerne, um Hilfen für einkommensschwache Haushalte zu finanzieren.
Simon Francis, Koordinator der End Fuel Poverty Coalition, berichtete von alarmierenden Auswirkungen: „Jeder zehnte Haushalt überspringt warme Mahlzeiten, um die Energierechnung bezahlen zu können.“ Eine Umfrage der Koalition zeigt, dass mehr als ein Drittel der Haushalte seit 2023 die Temperatur von Waschmaschine oder Heizkörpern reduziert hat. Jeder fünfte Haushalt geht bei Kälte früher ins Bett oder heizt nur noch einen einzigen Raum.
Regierung verteidigt ihre Politik
Energieministerin Miatta Fahnbulleh verteidigte die Maßnahmen der Labour-Regierung. Sie verwies auf die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Strom und einen Rabatt von 150 Pfund auf die Energierechnungen, der im April ausgezahlt werden soll. Zudem betonte sie den Plan für saubere Energie, der die Abhängigkeit von importiertem Gas verringern soll.
Die oppositionellen Konservativen machten dagegen die Netzkosten und die Marktstabilität durch den Ausbau erneuerbarer Energien für den Preisanstieg verantwortlich.
Vergleich mit den Vorjahren
Ein durchschnittlicher Haushalt wird im kommenden Jahr 350 Pfund mehr für Energie zahlen als noch 2024. Das zeigt, wie stark die Energiekosten in Großbritannien in den letzten Jahren gestiegen sind. Rund ein Drittel der Haushalte mit festen Tarifen ist von der aktuellen Erhöhung nicht betroffen – alle anderen müssen jedoch mit den höheren Kosten rechnen.
Die Lage bleibt angespannt, denn der Winter steht bevor und die Nachfrage nach Heizenergie steigt saisonal stark an. Sozialverbände fordern von der Regierung weitere Entlastungen, bevor die kalte Jahreszeit beginnt.