Im Prozess gegen den US-Rapper Lil Durk (33) in Los Angeles sorgt die Aussage eines geständigen Schützen für Aufsehen: Kasey Hester behauptet, Durk habe eine Million Dollar für die Ermordung von Quando Rondo geboten – aus Rache für den Tod von King Von. Doch die Verteidigung hält dagegen: Hester lüge, um sich selbst zu retten.

Ein Prozess, der die Rap-Welt erschüttert

Der US-amerikanische Rapper Lil Durk (bürgerlich Durk Banks, 33 Jahre) muss sich seit Ende letzten Jahres in Los Angeles vor Gericht verantworten. Die Anklage lautet: Mord im Auftrag. Konkret geht es um einen Schusswechsel am 19. August 2022 an einer Tankstelle nahe dem Beverly Center in Kalifornien. Bei dem Angriff starb Saviay'a Robinson, genannt Lul Pab, der Cousin des Rappers Quando Rondo. Dieser selbst war das eigentliche Ziel und überlebte.

Der Prozess, der bereits im fünften Verhandlungstag steckt, ist von spektakulären Aussagen und heftigen Widersprüchen geprägt. Im Mittelpunkt steht Kasey Hester, auch bekannt als OTF Jam – ein geständiger Schütze, der mit der Staatsanwaltschaft kooperiert, um eine mildere Strafe zu bekommen.

Die Aussage: Eine Belohnung von einer Million Dollar

Hester sagte vor Gericht aus, dass Lil Durk nach dem Tod von King Von im September 2020 eine Belohnung auf Quando Rondo ausgesetzt habe. In einem Studio in Atlanta habe Durk vor einer Gruppe erklärt, dass derjenige, der Rondo tötet, "gut dastehen" werde – und nannte einen Betrag von "einer Million oder einer halben Million Dollar".

"Durk machte klar: 'Wenn du das hinkriegst, wirst du gut belohnt'", erklärte Hester.

Doch genau hier beginnen die Probleme für die Anklage. In einer Aufnahme vom 24. Mai 2023 mit Bundesermittlern hatte Hester zuvor gesagt, er habe "nie" mit Durk über den Mord gesprochen, und es habe "nie eine Zahl" gegeben. Dieser offensichtliche Widerspruch ist ein gefundenes Fressen für die Verteidigung.

Die Verteidigungsstrategie: „Er lügt, um sich zu retten“

Lil Durks Anwalt Brian Steel wirft Hester vor, die Geschichte erfunden zu haben, um im eigenen Verfahren Vorteile zu bekommen. Die Verteidigung legte Telefonate aus dem Gefängnis vor – aufgenommen im Mai 2023 –, in denen Hester seiner Frau sagt: "Ich werde alles tun, was nötig ist, um nicht in den Knast zu müssen. Vertrau mir." In einem weiteren Gespräch mit seiner Mutter meinte er, er werde freikommen, "solange die da oben bekommen, was sie wollen".

Hester selbst relativierte diese Aussagen: Er habe seiner Familie nur Hoffnung machen wollen und ihnen nicht die "volle Wahrheit" gesagt.

Peinlicher Moment: Falsches Social-Media-Spiel

Im Kreuzverhör stellte Anwalt Steel Hester eine Falle und fragte ihn zu einem Instagram-Post, der Hester angeblich in Freiheit zeigte – in Wahrheit war das Bild im Haus seiner Schwester aufgenommen worden, die an der Dialyse hängt. Hester gab zu, den Post selbst geplant zu haben, um seine Schwester zu verunsichern. Sie hatte ihm den Kontakt zu seinem Sohn verboten, nachdem die Mutter des Kindes gestorben war. "Ich habe nicht klar gedacht ... ich war wütend", sagte er als Erklärung.

Weitere Mitwisser und die Frage nach der Rache

Neben Hester haben zwei weitere Beteiligte sich schuldig bekannt und sollen im Prozess aussagen: Keith Jones, ebenfalls Schütze, und Kavon Grant (alias OTF Vonnie). Laut Anklage soll Grant Masken, Waffen, Hotelzimmer und Autos für den Anschlag organisiert haben. Hester behauptet zudem, Grant habe das gestohlene Auto angezündet, um Spuren zu vernichten.

Die Co-Verteidigerin Marissa Goldberg hat eine ganz andere Theorie: Nicht Lil Durk, sondern Grant sei der eigentliche Drahtzieher gewesen – getrieben von persönlicher Rache für King Von. Durk habe seinen Schmerz in Musik verarbeitet, aber niemanden bezahlt: "Dies ist ein Prozess um Auftragsmord, bei dem keiner etwas kassiert hat", so Goldberg.

Ein Urteil mit Sprengkraft

Der Prozess ist noch lange nicht zu Ende – weitere Zeugen und Beweismittel werden erwartet. Das Urteil könnte nicht nur über Lil Durks Zukunft entscheiden, sondern auch die gesamte Rap-Szene nachhaltig beeinflussen. Denn es geht nicht nur um einen Mordversuch, sondern um die Frage, wie weit Rache in der Welt des Hip-Hops wirklich geht.

Quelle: Rolling Stone