Die wachsende Kluft zwischen Regierung und Gesellschaft
Laut einem Analysebericht von Ámbito vom 10. August 2026 steht die Regierung von Javier Milei vor einem wachsenden Vertrauensverlust. Während der Präsident die wirtschaftlichen Erfolge hervorhebt, fühlen sich weite Teile der Bevölkerung von der Regierung im Stich gelassen. Besonders die fehlende Anerkennung für die Opfer des strengen Sparprogramms sorgt für Unmut.
Zwei wirtschaftliche Realitäten, die sich immer weiter voneinander entfernen
Während sich Wirtschaftsminister Luis Caputo und der Präsident selbst damit brüsten, dass die nächsten 18 Monate die besten seit Jahrzehnten sein werden, zeigen Umfragen, dass die Mehrheit der Bevölkerung glaubt, dass sich die Lage verschlechtern wird. Es festigen sich zwei Argentinien: ein dynamisches (Landwirtschaft, Energie und Bergbau) und ein anderes, das deutlich schrumpft (Industrie, Handel und Baugewerbe).
- 🌱 Landwirtschaft
- ⚡ Energie
- ⛏️ Bergbau
- 🏭 Industrie: Rückgang von 5,3 % bei Zulieferern für Öl und Gas.
- 🛒 Handel
- 🏗️ Baugewerbe
Die Auswirkungen auf die Beschäftigung sind gravierend: Die Industrie verlor innerhalb eines Jahres 52.000 direkte und 91.000 indirekte Arbeitsplätze. Für den Rest des Jahres 2026 wird ein weiterer Rückgang um insgesamt 105.000 Stellen erwartet.
Koordinierungsprobleme im Kabinett und Kommunikationsdefizite
Hinter den Türen der Casa Rosada, dem argentinischen Regierungssitz, wird intern Kritik an der mangelnden Koordination laut. Einige Funktionäre fordern einen starken Kabinettschef, der die verschiedenen Ministerien effektiv steuert. Während Manuel Adorni in der Vergangenheit diese Rolle ausfüllte, wird dem aktuellen Amtsinhaber Diego Santilli vorgeworfen, sich eher um die Gunst der Brüder Milei zu bemühen als um die Verwaltung.
Die Regierung neigt dazu, die Schuld bei den Medien und Analysten zu suchen, anstatt den Dialog zu öffnen. Beobachter vergleichen diesen Führungsstil mit dem der ehemaligen Präsidentin Cristina Kirchner.
Der Wahlausblick für 2027
Die mangelnde Empathie und die Enttäuschung breiter nicht-kirchneristischer Sektoren werfen Fragen für die nächsten Wahlen auf. Eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Synopsis zeigt, dass nahezu 25 Prozent der Wähler weder mit Milei noch mit dem Kirchnerismus sympathisieren. Diese Lücke könnte bei den Wahlen 2027 eine entscheidende Rolle spielen. Kandidaten aus dem Unternehmerlager erwägen bereits, sich zu bewerben, um diese unzufriedene Wählerschicht anzusprechen und eine konstruktivere Dialogkultur zu etablieren.
Hinweis für internationale Leser: Der Kirchnerismus ist die politische Bewegung der ehemaligen Präsidentin Cristina Kirchner und ihres verstorbenen Mannes Néstor Kirchner, die Argentinien über ein Jahrzehnt lang geprägt hat.