Der Gouverneur von Chubut, Ignacio Torres, hat die Verhandlungen zwischen der konservativen PRO-Partei und der Regierungspartei La Libertad Avanza (LLA) an eine klare Bedingung geknüpft: Jedes Bündnis für die Wahlen 2027 müsse auf einer Entwicklungsagenda basieren, nicht auf einem reinen Wahlpakt. 'Ein bloßes Sammelsurium ergibt keinen Sinn, wenn es nur um den Wahlsieg geht', warnte er auf dem AmCham Energy Forum 2026.

Der Gouverneur der patagonischen Provinz Chubut, Ignacio Torres, hat die laufenden Verhandlungen zwischen seiner Partei PRO und der libertären Regierungspartei La Libertad Avanza (LLA) mit einer unmissverständlichen Forderung auf den Prüfstand gestellt: Ein mögliches Bündnis für die Präsidentschaftswahlen 2027 müsse auf einer gemeinsamen Entwicklungsagenda beruhen und dürfe nicht auf einen reinen Wahlpakt reduziert werden. Diese Aussage machte er beim AmCham Energy Forum 2026, einer Konferenz der amerikanischen Handelskammer in Argentinien, bei der es um Energiepolitik und Investitionen ging.

"Wozu schließen wir uns zusammen?"

In seiner Rede grenzte sich Torres deutlich von der Führung seiner eigenen Partei ab. Er betonte: "Abkommen müssen von der Frage ausgehen, wofür wir uns zusammenschließen. Ein bloßes Sammelsurium ergibt keinen Sinn, wenn es nur darum geht, eine Wahl zu gewinnen." Damit brachte er die Grundsatzdebatte auf den Punkt, die die PRO-Partei in ihren Gesprächen mit der Regierung von Präsident Javier Milei beschäftigt.

Als positives Beispiel nannte Torres die breite Koalition, die in seiner Provinz Chubut regiert. Diese umfasst Peronisten, Radikale, PRO-Mitglieder und auch Libertäre. Er erklärte: "Wir haben eine Front mit Peronismus, Radikalismus, PRO und auch Libertären. Was uns eint? Eine Entwicklungsagenda – das ist es, was wir vertreten und verteidigen."

Haushaltsdisziplin allein reicht nicht

Torres räumte ein, dass es in einigen Bereichen Übereinstimmung gebe, etwa beim Haushaltsgleichgewicht. Doch dieser Konsens sei nicht mehr ausreichend. Der nächste Schritt müsse darin bestehen, zu diskutieren, "wie wir natürliche Ressourcen nutzen, Wertschöpfung schaffen und Arbeitsplätze generieren können". Er forderte eine ernsthafte parlamentarische Agenda, die Planungssicherheit biete und verhindere, dass grundlegende Fragen bei jedem Regierungswechsel neu aufgerollt würden.

"Wir müssen so starke Abkommen und Konsense erreichen, dass wir Argentinien nicht alle vier Jahre neu gründen müssen."

Ignacio Torres, Gouverneur von Chubut

Die politische Tischrunde zwischen PRO und LLA

Torres' Äußerungen kamen nur einen Tag nach einem ersten offiziellen Treffen zwischen Vertretern der nationalen Regierung und der PRO-Partei in der Casa Rosada, dem Regierungssitz in Buenos Aires. In einem gemeinsamen Kommuniqué hieß es: "Wir teilen die Überzeugung, dass Argentinien nicht wieder in die Hände des Populismus fallen darf."

An dem Treffen nahmen für die PRO Cristian Ritondo und Fernando De Andreis teil, für die Regierung der Kabinettschef Diego Santilli sowie Martín Menem und Eduardo Lule Menem. Am Ende der Zusammenkunft vereinbarten die Parteien, eine gemeinsame politische Arbeitsgruppe einzurichten, die sich alle 15 Tage treffen soll.

De Andreis bezeichnete das Treffen als "einen sehr guten ersten Schritt, um Vertrauen aufzubauen" und betonte, man teile die Notwendigkeit, "den Wandel in Argentinien abzusichern". Martín Menem, Präsident der Abgeordnetenkammer, nannte es ein "institutionelles" und "sehr positives" Gespräch.

Laura Alonsos Position

Auch die Buenos Aires Abgeordnete Laura Alonso von der PRO äußerte sich zu dem Annäherungsprozess. In einem Interview mit Radio Continental sagte sie, das Ziel der PRO sei es, "den Wandel" von Präsident Javier Milei abzusichern: "Dass es der nationalen Regierung gut geht, dass es Argentinien gut geht und dass es den Argentiniern besser geht."

Die ehemalige Nationalabgeordnete stellte die Verhandlungen als Teil einer Strategie dar, um eine mögliche Rückkehr des Kirchnerismus an die Macht zu verhindern: "Das Land muss aus dem Pendel und der populistischen Falle herauskommen, die uns so viel Leid, Inflation, Korruption und Armut gebracht hat."

Der Streit um die Finanzmittel der Provinzen

In einer anschließenden Runde mit Journalisten wurde Torres noch deutlicher und brachte die Diskussion auf die finanzielle Ausstattung der Provinzen. Er kritisierte den Rückgang der Überweisungen des Bundes an die Provinzen und erneuerte seine Forderung nach den Mitteln aus der Steuer auf flüssige Kraftstoffe, die für den Straßenbau bestimmt sind. Dieser Konflikt ist ein Dauerthema, das Torres bereits vor den Obersten Gerichtshof gebracht hat.

Der Gouverneur grenzte sich zudem von der Haltung des US-Botschafters Peter Lamelas ab, der vor chinesischen Investitionen in strategischen Sektoren gewarnt hatte. Torres entgegnete: "In der Provinz gibt es polnische, asiatische und auch chinesische Unternehmen. Das ist keine Ideologiefrage, sondern eine Frage unserer Vorteile." Damit verortete er die Debatte weg von geopolitischen Schemata hin zu den konkreten Interessen seiner Provinz.

Eine herausfordernde Wahlperspektive

Torres steht in Chubut vor einer schwierigen Wiederwahl, nachdem seine politische Kraft bei den Zwischenwahlen 2025 schlecht abgeschnitten hatte. Der Peronismus könnte mit dem Abgeordneten Juan Pablo Luque einen ernsthaften Gegenkandidaten ins Rennen schicken. Daher ist die Möglichkeit, die Libertären in seine Koalition zu integrieren, für ihn von großer Bedeutung.

Mit seinen Aussagen versucht Torres, eine eigene Position innerhalb des Lagers zu markieren, das weite Teile von Mileis Wirtschaftsprogramm unterstützt: Haushaltsdisziplin ja, automatische Gefolgschaft nein. Die von ihm angestoßene Debatte für die nächste Phase ist weit unbequemer: Wer kontrolliert die Ressourcen, wer finanziert die Infrastruktur, wie viel Wertschöpfung bleibt in den Provinzen und welcher Staat ist dafür nötig?