Milei zum dritten Mal in Folge an der Börse von Rosario
Der argentinische Präsident Javier Milei nimmt am Freitag, dem 21. August 2026, an der zentralen Feier zum 142. Jahrestag der Börse von Rosario (BCR) teil. Es ist sein dritter Besuch in Folge bei der traditionsreichen Handelskammer, die als Herzstück des argentinischen Agrarexports gilt. Die Ankunft ist für 19:00 Uhr am internationalen Flughafen von Rosario geplant, von dort geht es per Hubschrauber zur Anlegestelle der Präfektur und anschließend mit dem Auto zum Börsengebäude.
Erwartet werden Vertreter aus Wirtschaft, Agroindustrie und Finanzsektor. Vor der Rede, die für 20:00 Uhr angesetzt ist, sind ein kurzer protokollarischer Austausch mit Gouverneur Maximiliano Pullaro, Bürgermeister Pablo Javkin und Börsenpräsident Pablo Bortolato geplant.
Wirtschaftsagenda: Bahn, Häfen und Exportsteuern
Offizielle Ankündigungen wurden zwar nicht vorab kommuniziert, doch die Infrastruktur der Region steht im Mittelpunkt. Besonders die Konzessionierung der Bahnlinien Belgrano Cargas, San Martín und Urquiza, die das Wirtschaftsministerium gerade ausgeschrieben hat, dürfte thematisiert werden. Ein Konsortium von Agrarexporteuren, das der Börse nahesteht, hat Interesse angemeldet.
Ebenso relevant sind Straßen- und Hafeninfrastruktur, um Logistikkosten zu senken. Bei den Exportsteuern (Retenciones) bekräftigte Bortolato die historische Forderung der Börse nach Abschaffung, räumte jedoch ein: 'Die Bedingungen für eine sofortige Senkung sind derzeit nicht gegeben.'
Wirtschaftslage: Licht und Schatten
Milei kommt mit Zahlen, die die Regierung feiert: Der EMAE-Index (Aktivitätsindikator) stieg im Juni um 0,8% gegenüber Mai (erwartet waren 0,3%) und 2,7% im Jahresvergleich. Das erste Halbjahr summiert sich auf +1,9%. Die Bruttoreserven erreichten 50.342 Millionen US-Dollar – der höchste Stand seit sieben Jahren. Der Handelsüberschuss im Juli betrug 2.115 Millionen US-Dollar.
Doch das Länderrisiko (Risikoprämie) kletterte auf 532 Basispunkte, den höchsten Stand seit drei Monaten, mit einem Anstieg von 21% allein im August. Die Säumigkeit bei Elektrogeräte-Ratenkäufen liegt bei rund 50% (Frávega 39%, Megatone 43%, Cetrogar 48%, Coppel 70%). Kurzfristige Zinssätze stiegen auf 26–28% pro Jahr. Die Industrie verzeichnete im Halbjahr einen Rückgang von 1,9%.
Proteste angekündigt
Parallel dazu hat die Multisektorale (CGT Rosario, CATT, CCC und andere Organisationen) Milei zur 'unerwünschten Person' erklärt und zu einem Marsch ab 17:30 Uhr auf der Plaza Sarmiento aufgerufen. Die Gewerkschaften kritisieren die hohe Verschuldung der Haushalte und den Einbruch des Konsums.
Der Präsident, der am Donnerstag eine kämpferische Rede vor dem Council of the Americas gehalten hatte, will in Rosario seine Wirtschaftserzählung untermauern. Er dürfte auf die Verlangsamung der Inflation (Großhandelspreisindex: 0,8% im Juli) und das Aktivitätswachstum verweisen. Die Gewerkschaften und Produktionssektoren fordern jedoch konkrete Maßnahmen, um den Druck auf Familien und kleine Unternehmen zu lindern.