Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) schlägt eine neue Regel vor, die Unternehmen verpflichten würde, alle Inhaltsstoffe über den Gras-Weg zu melden. Ein großer Fortschritt für die Sicherheit, doch die Regierung verschob die Definition von 'stark verarbeiteten Lebensmitteln' – mitten im größten lebensmittelbedingten Krankheitsausbruch der US-Geschichte.

Ein Schritt vorwärts für die Lebensmittelsicherheit in den USA

Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat einen Vorschlag angekündigt, der eine historische Gesetzeslücke schließen soll – und gibt Hoffnung auf mehr Transparenz bei dem, was wir täglich konsumieren.


Wie The Guardian berichtet, stellte die FDA am 10. August 2026 eine neue Regel vor, die Unternehmen verpflichten würde, alle Inhaltsstoffe zu melden, die über den Weg der „Allgemein als sicher anerkannten Stoffe“ (Gras, englisch: Generally Recognized as Safe) auf den Markt kommen. Diese Änderung schließt eine Ausnahme, die seit 1958 bestand und es Unternehmen erlaubte, Inhaltsstoffe ohne FDA-Meldung zu verwenden, wenn diese durch eigene wissenschaftliche Bewertungen oder langjährige Verwendung gestützt waren.

Was ist der Gras-Weg?

Er wurde 1958 als Ausnahme für sichere Inhaltsstoffe geschaffen, entwickelte sich aber zum wichtigsten Weg, über den neue Substanzen in die US-Lebensmittelversorgung gelangen – weit häufiger als das formelle Zusatzstoffverfahren. Die neue Regel würde dieses freiwillige System in ein verpflichtendes verwandeln.

Die große Herausforderung: Definition von „Ultraverarbeitetem“

Trotz dieses grundlegenden Fortschritts verschob die Regierung erneut die Definition von „stark verarbeiteten Lebensmitteln“ – ein Versprechen, das zuvor Robert F. Kennedy Jr., Minister des Gesundheitsministeriums (HHS), gegeben hatte. Er hatte zugesichert, die Definition werde „bis April“ fertig sein.

Der kommissarische FDA-Kommissar Kyle Diamantas räumte in einer Pressekonferenz ein, dass „eine Definition für stark verarbeitete Lebensmittel wirklich schwierig“ sei, und betonte, dass es keinen wissenschaftlichen Konsens zu diesem Thema gebe.

Die Ernährungswissenschaftlerin der New York University, Marion Nestle, zeigte sich überrascht über die Verzögerung und kritisierte das Fehlen einer klaren Definition, würdigte aber den Schritt, die Meldung von Zusatzstoffen verpflichtend zu machen. „Es ist eine Verbesserung, aber das Unternehmen bleibt für die Wissenschaft verantwortlich“, warnte sie und wies darauf hin, dass die FDA nach den jüngsten Personalabbauten genügend Personal benötigen werde, um diese neuen Meldungen zu prüfen.

Kontext: Ein historischer Ausbruch in vollem Gange

Diese Ankündigung kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Die USA erleben einen der größten Ausbrüche lebensmittelbedingter Krankheiten ihrer Geschichte. Es wurden mehr als 10.000 Fälle von Cyclosporiasis bestätigt. Zudem gibt es einen aktiven Salmonellen-Ausbruch im Zusammenhang mit Eiern und Jalapeños, der zum Rückruf von Produkten von Taylor Farms in 26 Bundesstaaten führte.

Der auf Lebensmittel- und Landwirtschaftsrecht spezialisierte Anwalt Amaru Sanchez wies darauf hin, dass die neue Gras-Regel „Dominoeffekte“ in der gesamten Lebensmittelindustrie haben würde, betonte jedoch, dass weiterhin rechtliche Zweifel bestehen, ob die FDA überhaupt die Befugnis hat, ein verpflichtendes System gegenüber einem freiwilligen, das 2021 genehmigt wurde, durchzusetzen.

Quelle: The Guardian