In Argentinien wurden bislang 28.932 Syphilis-Fälle registriert – das sind 82 % mehr als der historische Median. Besonders betroffen sind Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 35 Jahren. Auch die Zahl der Neugeborenen mit angeborener Syphilis ist um 12 % gestiegen. Fachleute fordern mehr Prävention und Testmöglichkeiten.

Argentinien erlebt derzeit den höchsten Anstieg an Syphilis-Diagnosen seit Beginn der nationalen Gesundheitsregistrierung. Das Epidemiologische Bulletin des Gesundheitsministeriums zeigt: In den ersten Monaten von 2026 wurden 28.932 Fälle in der Allgemeinbevölkerung gemeldet – das ist ein Anstieg von 82 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt der letzten vier Jahre (15.922 Fälle im selben Zeitraum). Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 gab es 46.779 Fälle – bereits 75,6 Prozent mehr als im Jahr 2022.

Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung bei der angeborenen Syphilis (Syphilis connata). Laut Gesundheitsbericht kamen in diesem Jahr bereits 542 Babys mit der Infektion zur Welt – das entspricht einem Anstieg von 12 % gegenüber dem Durchschnitt von 482 Fällen (2022–2025).

Warum ist Syphilis so gefährlich?

Syphilis ist eine sexuell übertragbare Infektion (STI), die durch das Bakterium Treponema pallidum verursacht wird. Unbehandelt kann sie zu schweren Folgeerkrankungen führen – vor allem während der Schwangerschaft. Bei einer angeborenen Syphilis können Babys mit Hautläsionen, neurologischen Schäden, Untergewicht, Krampfanfällen oder sogar bleibenden Behinderungen zur Welt kommen. Im schlimmsten Fall drohen Totgeburten oder der Tod des Neugeborenen. Wichtig zu wissen: Die Krankheit ist gut behandelbar und vollständig heilbar – mit Penicillin, das in jedem Krankenhaus verfügbar ist.

Warum gerade junge Menschen betroffen sind

Die meisten neuen Fälle betreffen junge Menschen zwischen 14 und 35 Jahren, besonders in der Gruppe von 14 bis 26 Jahren. Das bestätigt auch der Infektiologe Francisco Astudilla aus der Provinz Entre Ríos – dort stiegen die Fallzahlen im öffentlichen Gesundheitswesen im Jahr 2025 um 47 %.

Ein Problem sei mangelndes Wissen über Schutzmöglichkeiten, erklärt der Arzt: „Viele glauben, es reiche, nur bei einer neuen Partnerschaft ein Kondom zu benutzen. Dabei geht es um Kombinierte Prävention – also das Zusammenspiel aus Kondomen, regelmäßigen Tests, Beratung, Verhütung, Sexualerziehung, medikamentöser Vorsorge und frühzeitiger Behandlung.“

98 % aller Infektionen werden beim Geschlechtsverkehr übertragen – ohne Schutz ist das Risiko hoch, sich unbemerkt anzustecken.

Schwangerschaft ist der Schlüssel zur Prävention

Besonders tragisch ist, dass die angeborene Syphilis fast immer vermeidbar wäre. Die Infektiologin Elena Obieta, Leiterin der Epidemiologie in San Isidro (Provinz Buenos Aires), betont: „Jedes Kind, das mit Syphilis geboren wird, ist ein Versagen des Gesundheitssystems. Mit einem einfachen schnellen Test in der Schwangerschaft und einer Penicillin-Spritze könnte man fast alle Fälle verhindern. Der Test kostet nur wenige Euro, die Behandlung ist effektiv und billig.“

In der Provinzhauptstadt Salta reagieren die Behörden bereits: Dort werden HIV-Tests bereits bei Jugendlichen ab 14 Jahren angeboten. Die Leiterin des Programms, Dr. Laura Caporaletti, meldet, dass die meisten HIV-Infektionen in ihrer Region bei Personen zwischen 19 und 30 Jahren diagnostiziert werden. Gleichzeitig wurde die angeborene Syphilis in Salta um über 40 % gesenkt – trotz eines möglichen Anstiegs der Syphilis in der Bevölkerung um 20 bis 30 %.

Ein Lichtblick: Prävention wirkt

Trotz der schlechten Zahlen gibt es einen positiven Punkt: In Salta konnte die Zahl der angeborenen Syphilis-Fälle durch Testungen in der Schwangerschaft deutlich reduziert werden. „Jedes Land, das konsequent in Aufklärung und Tests investiert, sieht schnelle Erfolge“, so Caporaletti. Die wichtigsten Maßnahmen bleiben deshalb:

  • ✅ Safer Sex: Kondome konsequent verwenden, auch bei Oral- oder Analverkehr.
  • ✅ Regelmäßige Tests: Besonders bei wechselnden Sexualpartnern oder neuen Beziehungen.
  • ✅ Behandlung der Partner: Infizierte sollen ihren Partner informieren und zur Behandlung schicken.

In der Provinz Salta wurden die Gesundheitszentren trotz einer landesweiten Unterbrechung der Kondom-Lieferungen des Bundesstaates mit eigenen Käufen versorgt. Auch andere Regionen setzen vermehrt auf aufklärerische Workshops und kostenlose Testaktionen, wie man in der aktuellen Debatte um die Sexualaufklärung an Schulen fordert.

Quellen: Elonce.com, El Diario de Gualeguaychú, Red 43, Que Pasa Salta, Boletín Epidemiológico Nacional.

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