Die schwerste Ebola-Epidemie aller Zeiten
Die Demokratische Republik Kongo (DR Kongo) erlebt eine beispiellose Gesundheitskrise. Der offiziell im Mai 2026 ausgerufene Ebola-Ausbruch hat bereits mehr als 5.200 bestätigte Infektionen und über 2.500 Todesfälle verursacht. Damit übertrifft er den bisherigen Rekord von 2018, als 2.299 Menschen starben. Die Vereinten Nationen sprechen von einer Ausbreitung, die eine Fläche größer als Frankreich bedeckt.
Die Lage: exponentielles Wachstum und Kontrollverlust
Julien Harneis, Koordinator der Vereinten Nationen für Ebola, warnte am Freitag: „Die Epidemie schreitet exponentiell voran und breitet sich weiträumig aus.“ Besonders besorgniserregend: Die Hälfte aller Todesfälle ereignete sich in den letzten zwanzig Tagen. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus gab unumwunden zu: „Wir müssen ehrlich sein: Der Ausbruch ist weit davon entfernt, unter Kontrolle zu sein. Er ist uns klar voraus.“
Warum diese Epidemie so gefährlich ist
Der aktuelle Ausbruch wird durch die Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus verursacht – eine von sechs bekannten Spezies. Im Gegensatz zur Zaire-Variante, die für die verheerende Epidemie 2014–2016 in Westafrika verantwortlich war, gibt es keinen zugelassenen Impfstoff und keine spezifische Behandlung gegen Bundibugyo. Die vorhandenen Impfstoffe wurden gegen Zaire entwickelt und wirken gegen diese Variante nicht. Das Virus wird durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen und verursacht hämorrhagisches Fieber mit einer hohen Sterblichkeitsrate.
Die Krise im Detail: Zahlen und Fakten
Schlüsselzahlen
- 6 von 26 Provinzen betroffen
- Mehr als 60% der Todesfälle außerhalb von Behandlungszentren
- 7 Behandlungszentren von Ärzte ohne Grenzen (MSF)
- Über 400 Betten in MSF-Einrichtungen
Verschärfende Faktoren
- Konflikte: Über 100 bewaffnete Gruppen, 6,9 Millionen Vertriebene
- Misstrauen: Viele meiden Gesundheitszentren
- Finanzlücke: Nur 60% der benötigten 115 Mio. USD eingegangen
- Verspätete Erkennung: Virus zirkulierte seit Jan/Feb, Ausrufung erst im Mai
Ärzte ohne Grenzen schlägt Alarm
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat die unzureichende internationale Unterstützung angeprangert. MSF-Präsident Javid Abdelmoneim erklärte: „Die Epidemie breitet sich weiter aus und das Tempo übersteigt unsere Kapazitäten.“ In der besonders betroffenen Provinz Ituri hat die Angst die Bevölkerung ergriffen. Hubert Nendakala, ein 40-jähriger Architekt, verlor innerhalb von drei Wochen seine Cousine und deren Ehemann. Er warnt: „Wer das auf die leichte Schulter nimmt, riskiert die Auslöschung.“
Was bedeutet das für Argentinien?
Die argentinische Infektiologin Elena Obieta schätzt das Risiko einer Einschleppung nach Argentinien als „sehr gering“ ein. Selbst in einer globalisierten Welt wäre ein Szenario wie ein erkrankter Gesundheitsarbeiter im Flugzeug äußerst unwahrscheinlich. Die WHO stuft das Risiko für den Rest der Welt weiterhin als „niedrig“ ein.
Ausblick: Hoffnung auf Impfstoff
In den kommenden Wochen soll die DR Kongo 70.000 Dosen eines experimentellen Impfstoffs erhalten. Ob dieser gegen die Bundibugyo-Variante wirksam ist, bleibt ungewiss. Die WHO plant, die Bettenkapazität auf 3.000 zu erhöhen – doch die Zeit läuft gegen die Helfer.
Quellen: WHO, MSF, El Territorio (Argentinien), UN-Koordinationsbüro