23/07/2026 09:33 - Internacionales
Am 22. Juli 2026 gab Präsident Wolodymyr Selenskyj die Ernennung von Mykhailo Drapatyi (43) zum neuen Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte bekannt. Er löst Oleksandr Syrskyi (60) ab. Mit diesem Schritt will Selenskyj die Verteidigungsstrategie modernisieren und die jüngst eingeleiteten Militärreformen fortsetzen – und damit eine Woche voller politischer Spannungen beenden.
Dem Wechsel an der Militärspitze ging eine überraschende Kabinettsumbildung voraus. Die Entlassung des beliebten Verteidigungsministers Mykhailo Fedorov (35) am 15. Juli 2026 hatte Empörung und Massenproteste ausgelöst. Die Zivilgesellschaft forderte Fedorovs Rückkehr und den Abgang von Syrskyi, dem sie eine veraltete, sowjetisch geprägte Kriegsführung vorwarf. Daraufhin übernahm der ehemalige Geheimdienstchef des SBU, Jewhenij Chmara, das Amt des Verteidigungsministers kommissarisch.
Mykhailo Drapatyi (geboren 1982) ist ein hochdekorierter Generalmajor mit einer 26-jährigen Militärkarriere. Bekannt wurde er 2014 während des Krieges im Donbass, als er eine Panzerkolonne zur Verteidigung von Mariupol anführte. Er gilt als Reformer, der westliche Führungsstile und den massiven Einsatz von Drohnen zur Schaffung einer „Todeszone“ an der Front befürwortet.
Im Juni 2025, nach einem russischen Angriff auf eine Ausbildungseinrichtung, bei dem 12 Rekruten getötet wurden, reichte Drapatyi aus moralischer Verantwortung seinen Rücktritt ein – Selenskyj lehnte ab. Seine neue Aufgabe umfasst die Leitung von Offensivoperationen, die Stärkung der Luftverteidigung und die Bewältigung der Rekrutierungskrise. General Ihor Skybiuk wurde zum neuen Chef des Generalstabs ernannt.
Der scheidende Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyi (60) hinterlässt ein umstrittenes Erbe. Ihm werden taktische Erfolge wie die Verteidigung Kiews 2022 und die Offensive in Kursk 2024 zugeschrieben, doch sein Führungsstil – Mikromanagement nach sowjetischem Vorbild – wurde für hohe Verluste kritisiert. In seiner Abschiedsrede erklärte Syrskyi, dass unter seinem Kommando in diesem Jahr 743 Quadratkilometer Territorium zurückerobert wurden.
Laut internationalen Medien wie DW, El País und Infobae markiert dieser Führungswechsel einen entscheidenden Generationswechsel in der ukrainischen Armee im Kampf gegen die russische Invasion.
Alfredo S. Quiroga