25/06/2026 23:17 - Internacionales
Die Europäische Union sieht sich mit scharfer internationaler Kritik konfrontiert, nachdem bekannt wurde, dass eine Delegation der Taliban nach Brüssel eingeladen wurde. Das Treffen, geplant für den 23. Juni 2026, wäre das erste dieser Art seit der Rückkehr der Taliban an die Macht in Afghanistan im August 2021.
Die Taliban sind eine fundamentalistische islamistische Bewegung, die Afghanistan von 1996 bis 2001 regierte und nach dem Abzug der US-Truppen im August 2021 erneut die Macht übernahm. Seitdem haben sie drastische Einschränkungen für Frauen und Mädchen eingeführt.
Sprecher des afghanischen Außenministeriums, Abdul Qahar Balkhi, bestätigte, dass der Delegation fünf Eintagesvisa vom belgischen Außenministerium ausgestellt wurden. Die Agenda umfasst Gespräche über die Wiederaufnahme konsularischer Dienste für Afghanen in der EU und Vertrauensbildende Maßnahmen.
Die Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai, die als 15-Jährige einen Anschlag von Taliban-Kämpfern in Pakistan überlebte, erklärte, sie sei „schockiert und zutiefst beunruhigt“ über die Einladung.
„Die Taliban haben Frauen und Mädchen aus dem öffentlichen Leben ausgelöscht.“
Der sozialistische EU-Abgeordnete Juan Fernando López Aguilar bezeichnete das Treffen als „eine absolute Schande und einen völligen Vertrauensverlust in die Glaubwürdigkeit der Europäischen Union“.
Seit der Machtübernahme 2021:
Die Europäische Kommission bestätigte im Mai 2026, dass seit Januar 2026 Gespräche mit den Taliban über die Ausweisung afghanischer Migranten geführt werden. Das Treffen wurde nach Angaben Schwedens koordiniert, nachdem sich 20 EU-Mitgliedstaaten nach konkreten Wegen für die Ausweisung von Afghanen ohne gültige Aufenthaltstitel erkundigt hatten.
⚠️ Kritik: Insgesamt 83 afghanische und internationale Menschenrechtsorganisationen unterzeichneten einen offenen Brief, in dem sie „große Besorgnis“ über die Pläne der EU zum Ausdruck brachten.
der afghanischen Bevölkerung leidet unter Hunger (International Rescue Committee)
Afghanen seit August 2024 aus Deutschland abgeschoben
afghanische Staatsbürger auf Charterflug aus Deutschland im August 2024
Ein UN-Bericht aus dem Vorjahr dokumentierte, dass viele zurückgekehrte Afghanen willkürliche Verhaftungen, Inhaftierungen, Folter und Misshandlungen durch die Taliban-Behörden erlebten. Shagofah Ghafori vom European Policy Studies Centre in Brüssel warnte:
„Wenn die EU mit den Abschiebungen fortfährt, tut sie dies mit dem vollen Wissen, dass viele Rückkehrer in Folterkammern oder Massengräbern landen werden.“
Obwohl die EU erklärt hat, dass das Treffen keine Anerkennung der Taliban darstellt, warnen Experten wie Shagofah Ghafori vor einer schleichenden Entwicklung:
„Was Brüssel stattdessen anbietet, ist etwas Heimtückischeres: Normalisierung. Und Normalisierung erfordert keinen unterzeichneten Vertrag. Sie geschieht schrittweise, durch die Vergabe von Visa, Besprechungsräume und den stillen Ersatz von Prinzipien durch Transaktionen.“
Die deutsche grüne EU-Abgeordnete Hannah Neumann warnte zudem, dass die Abschiebung junger Afghanen in Armut und Verzweiflung genau jene Strukturen stärken könnte, die die Taliban an der Macht halten.
The Guardian - „EU faces fierce criticism over plans to host Taliban in Brussels“ (23.06.2026)
Alfredo S. Quiroga