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Gefoltert für ein Phantom-Verbrechen: Er starb – das „Opfer“ lebte

27/06/2026 12:23 - Judiciales

Ein Leben zerstört durch Justizirrtum

Am 16. Oktober 1989 begleitete Nelson Madaf die 15-jährige Claudia Díaz von der Schule nach Hause. Sie hatten sich erst wenige Stunden zuvor kennengelernt. An der Tür verabschiedeten sie sich. Danach verschwand das Mädchen. An diesem Tag begann ein Albtraum, der fast vier Jahrzehnte andauern sollte.

Die Folter, die sein Leben prägte

Mit nur 19 Jahren wurde Nelson festgenommen und während fast drei Jahren Haft grausamen Foltermethoden unterzogen:

  • Wasserfolter: Man steckte ihn in einen schwarzen Sack mit einem Motor an den Füßen und tauchte ihn mehrfach in den Fluss.
  • Scheinexekutionen: Er wurde gezwungen, sein eigenes Grab zu schaufeln.
  • Körperliche Misshandlungen: Zähne wurden mit zerbrochenen Flaschen herausgerissen, er wurde an Bäumen aufgehängt und mit nur dem Kopf über der Erde eingegraben.
  • Vorsätzliche Ansteckung: Er wurde mit infizierten Nadeln gespritzt und infizierte sich mit HIV.

Unter diesem unmenschlichen Druck gestand Nelson ein Verbrechen, das nie stattgefunden hatte.

Kontext für internationale Leser

Argentinien litt in den 1970er und 1980er Jahren unter einer Militärdiktatur (1976-1983). Auch nach der Demokratisierung blieben menschenrechtliche Verstöße in einigen Polizeikreisen an der Tagesordnung. Die Provinzen San Juan und San Luis liegen im westlichen Zentralargentinien, etwa 1000 km von Buenos Aires entfernt.

Wichtige Daten

Nelson Madaf

  • Geboren: 17. August 1969
  • Herkunft: San Juan, Argentinien
  • Festnahme: 1989
  • Freilassung: 1995
  • Verstorben: Juni 2025

Claudia Díaz

  • Alter beim Verschwinden: 15 Jahre
  • Aufgefunden: San Juan (9 Jahre später)
  • Familie: 4 Kinder

Die Wahrheit, die zu spät kam

Erst neun Jahre später kam die Wahrheit ans Licht: Claudia Díaz lebte in San Juan, hatte einen Partner und vier Kinder. In jener Nacht 1989 war sie vor den Schlägen ihres Vaters geflohen. Sie ging zur Straße, stieg in einen Lastwagen Richtung Caucete und begann ein neues Leben.

"Für Nelson war es ein Schock zu erfahren, dass Claudia lebte. Für die ganze Gemeinde auch. Es war klar, dass alles eine Lüge war. Ein Theaterstück. Und natürlich entschuldigte sich niemand." – Carlos Pereyra, Anwalt.

Ohne Gerechtigkeit

Nelson wurde 1995 wegen mangelnder Beweise freigelassen, nachdem Argentinien dem Pakt von San José de Costa Rica beigetreten war – einem internationalen Menschenrechtsabkommen. Dennoch:

  • Niemand wurde für die Folterungen belangert.
  • Einige Verantwortliche gingen als Polizeigeneräle in den Ruhestand.
  • Die Entschädigung war minimal und kam zu spät.
  • Seine Gesundheit war durch HIV und die Folgen der Tortur zerstört.

Das Ende von Nelson

Nelson Madaf starb im Juni 2025 mit zerstörter Gesundheit und einer Geschichte, die ihn nie losließ. Laut seinen Begleitern:

  • Er litt unter ständigen Krankenhausaufenthalten.
  • Er war auf Nachbarschaftshilfe angewiesen.
  • Er hatte Angst, seinen Folterern auf der Straße zu begegnen.
  • Er äußerte nie ein Wort des Hasses gegen Claudia.

Ein Vermächtnis der Tapferkeit

"Du musst mit viel Traurigkeit gestorben sein, aber du warst auch mutig. Du hast nie geschwiegen. Ich wünschte, ich hätte deinen Mut", reflektierte Anwalt Carlos Pereyra über das Ende von Nelson Madaf.

Quelle: TN.com.ar

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