28/06/2026 03:17 - Politica
Manuel Adorni, einer der engsten Vertrauten des argentinischen Präsidenten Javier Milei, reichte am Samstag, den 27. Juni 2026 seinen unwiderruflichen Rücktritt als Kabinettschef ein. Damit endet eine der turbulentesten Phasen der aktuellen Regierung.
Der Jefe de Gabinete de Ministros ist eine Schlüsselfigur im politischen System Argentiniens. Er koordiniert alle Ministerien, vertritt die Regierung vor dem Kongress und fungiert als direktes Bindeglied zwischen dem Präsidenten und der Exekutive. Es ist vergleichbar mit dem Bundeskanzleramt-Chef in Deutschland oder dem Chief of Staff im Weißen Haus.
Adorni war zudem offizieller Regierungssprecher und eine der sichtbarsten Gesichtern der Regierung Milei seit deren Amtsantritt im Dezember 2023.
In einem auf der Plattform X (ehemals Twitter) veröffentlichten Brief wandte sich Adorni direkt an Präsident Milei:
„Danke für Ihr Vertrauen, Herr Präsident. Es war eine echte Ehre. Ende.“
In einem ausführlicheren Dokument bezeichnete er die Anschuldigungen als „Lügen“ und sprach von einer „medienmäßigen Schlächterei“. Er betonte: „Man hat mich als Kriminellen und Korrupten behandelt, ohne dass ein einziger Korruptionsfall auf meinen Schultern lastet.“
Adorni erklärte, er könne „die Menschen, die ich liebe, nicht länger dieser mediallen Schlächterei aussetzen“.
Vermögenszuwachs in nur zwei Jahren
Von 129 benötigten Unterschriften für ein Misstrauensvotum
Monate andauernder Kontroversen
| Name | Rolle | Relevanz |
|---|---|---|
| Javier Milei | Präsident Argentiniens | Libertärer Ökonom, seit Dezember 2023 im Amt |
| Karina Milei | Generalsekretärin der Präsidentschaft | Jüngere Schwester des Präsidenten, einflussreiche Beraterin |
| Diego Santilli | Möglicher Nachfolger | POLITIKER der PRO-Partei, ehemaliger Vizebürgermeister von Buenos Aires |
| Patricia Bullrich | Sicherheitsministerin | Vorsitzende der PRO-Partei, Coalitionspartner |
| Adrián Ravier | Neuer Regierungssprecher | Übernahm am 26. Juni 2026 die Pressefunktion |
Javier Milei, ein ehemaliger Wirtschaftswissenschaftler und TV-Kommentator, gewann die Präsidentschaftswahl 2023 mit seiner libertarianischen Plattform „La Libertad Avanza“ (Die Freiheit schreitet voran). Seine Regierung hat radikale Wirtschaftsreformen eingeführt, darunter drastische Kürzungen der Staatsausgaben und eine Deregulierung der Wirtschaft.
Der Rücktritt Adornis ereignete sich in einem kritischen Moment: Die Koalition aus La Libertad Avanza und der konservativen PRO-Partei (Propuesta Republicana) zeigt erste Risse. Die ehemalige Präsidentin Patricia Bullrich hatte öffentlich Druck auf Adorni ausgeübt.
Interessanterweise hatte auch der ehemalige Präsident Mauricio Macri (2015-2019) den Rücktritt gefordert – ein Zeichen dafür, dass die PRO-Partei ihren Einfluss in der Koalition geltend macht.
Der designierte Nachfolger Diego Santilli gilt als erfahrener Politiker der PRO-Partei und war bereits stellvertretender Bürgermeister von Buenos Aires unter Horacio Rodríguez Larreta. Seine Ernennung würde die Machtbalance innerhalb der Regierungskoalition zugunsten der PRO verschieben.
Berichten zufolge traf sich Karina Milei am Tag vor dem Rücktritt mit Luis Caputo (Finanzminister), Pablo Quirno, Martín Menem und Diego Santilli in der Casa Rosada (dem argentinischen Präsidentenpalast), um die Transition zu koordinieren.
Alfredo S. Quiroga