30/06/2026 22:01 - Economia
Die argentinische Zentralbank (BCRA) – vergleichbar mit der Deutschen Bundesbank oder der Schweizerischen Nationalbank – hielt sich am Montag, den 29. Juni 2026, überraschend zurück. Sie kaufte lediglich 25 Millionen Dollar in einer Sitzung, in der insgesamt 821 Millionen Dollar gehandelt wurden. Das entspricht einem Anteil von nur etwa 3% am Gesamtumsatz.
Damit beläuft sich der Netto-Kaufsaldo für Juni auf 1,371 Milliarden Dollar. Die kumulierten Käufe im Jahr 2026 erreichen bereits 11,118 Milliarden Dollar. Die Währungsbehörde hat damit das Jahresziel von 10 Milliarden Dollar, das mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vereinbart wurde, bereits übertroffen.
Die Bruttoreserven – also die gesamten Währungsreserven des Landes in ausländischen Währungen und Gold – fielen um 415 Millionen Dollar auf 46,666 Milliarden Dollar. Damit sanken sie erneut unter die psychologisch wichtige Marke von 47 Milliarden Dollar. Ein Grund: Der Goldpreis fiel um 1,62%, was etwa 100 Millionen Dollar vom Buchwert der Reserven abzog.
Der Markt blickt gespannt auf kommende Verpflichtungen: 4,3 Milliarden Dollar müssen am 9. Juli 2026 an private Gläubiger gezahlt werden. Hinzu kommen zwei Zahlungen an den IWF von je 800 Millionen Dollar im August und September. Dies schafft Unsicherheit über die Fähigkeit Argentiniens, weiter Devisen zu akkumulieren.
Argentinien verfügt über ein komplexes Wechselkurssystem mit mehreren parallelen Dollarkursen:
Die Reserven sind entscheidend für Argentiniens Fähigkeit, Importe zu finanzieren und Schulden zu bedienen – ähnlich wie die Währungsreserven eines jeden Landes, aber in Argentinien von besonderer Bedeutung aufgrund der historischen Wirtschaftskrisen.
| Indikator | Wert | Veränderung |
|---|---|---|
| Offizieller Dollar (Verkauf) | $1.495 ARS | +5% im Juni |
| Großhandels-Dollar | $1.481,50 ARS | Höchststand seit November 2025 |
| Dólar Blue (Schwarzmarkt) | $1.510-$1.515 ARS | Stabil |
| Internationale Reserven | 46,666 Mrd. Dollar | -415 Mio. Dollar |
| BCRA-Käufe 2026 | 11,118 Mrd. Dollar | Ziel erreicht |
Beratungsfirmen wie Analytica und PPI führen den Rückgang der Käufe auf eine Kombination saisonaler Faktoren zurück:
Marktprognosen schätzen einen Dollar-Kurs von $1.504 für Juli und $1.653 für Dezember. Die erwartete Inflation für 2026 liegt laut BBVA Research bei etwa 29%. Das Länderrisiko – gemessen am J.P. Morgan EMBI+ Argentina – bleibt mit etwa 430 Basispunkten auf niedrigem Niveau.
Alfredo S. Quiroga