02/07/2026 03:05 - Internacionales
Venezuela, ein Land im Norden Südamerikas mit etwa 28 Millionen Einwohnern, erlebt eine der schlimmsten Katastrophen seiner modernen Geschichte. Das Land, bekannt für seine Ölreserven und die Hauptstadt Caracas, wurde am 24. Juni 2026 von einem sogenannten „Erdbeben-Doppelschlag“ getroffen – zwei extrem starke Beben innerhalb von nur 39 Sekunden.
Das Epizentrum lag nahe der Stadt Morón, etwa 170 Kilometer westlich von Caracas. Die Präsidentin ad interim, Delcy Rodríguez, ordnete sieben Tage nationaler Trauer an, beginnend am Mittwoch, dem 1. Juli 2026.
Moderne Satellitentechnologie ermöglicht beispiellose Einblicke in das Ausmaß der Katastrophe. Der Satellit NISAR, ein Gemeinschaftsprojekt der NASA und der indischen ISRO, fotografierte die betroffenen Gebiete zwischen dem 13. und 25. Juni 2026. Die Auswertung mittels InSAR-Technologie (Interferometrisches Synthetik-Apertur-Radar) offenbarte horizontale Bodenverschiebungen von bis zu 40 Zentimetern.
Die gewaltige Energie wurde sogar in 5.200 Kilometern Entfernung registriert – im Argentino-Alemano-Geodäsie-Observatorium (AGGO) in Berazategui bei Buenos Aires, wo die Primärwellen acht Minuten benötigten, um vom Epizentrum anzukommen.
Laut NASA-Schätzungen wurden nahe der Städte San Felipe und Yumare insgesamt 58.870 Gebäude beschädigt oder zerstört.
Ein Erdbeben-Doppelschlag („seismic doublet“) bezeichnet eine Sequenz, bei der zwei starke Beben vergleichbarer Magnitude innerhalb kürzester Zeit dieselbe Region erschüttern. Anders als bei typischen „Hauptbeben-Nachbeben“-Mustern sind beide Ereignisse für sich genommen zerstörerisch. In Venezuela traten die beiden Beben mit Magnituden von 7,2 und 7,5 innerhalb von nur 39 Sekunden auf – das zweite Beben traf bereits geschwächte Strukturen.
Der Bundesstaat La Guaira, an der Karibikküste nördlich von Caracas gelegen, wurde am schwersten getroffen. Francisco Pérez, 28 Jahre, verbrachte eine Woche vor den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes, in dem Nancy Rojas, 67 Jahre, begraben lag. Durch einen Klopfcode (zwei Schläge für „ja“, drei für „nein“) glaubte er in den ersten Tagen Antworten erhalten zu haben – doch dann herrschte Schweigen.
Die Plattform der Oppositionsführerin María Corina Machado registrierte 40.668 als „ohne Kontakt“ gemeldete Personen. Insgesamt sind mindestens 855 Gebäude betroffen, davon 189 vollständig eingestürzt.
Mehr als 27 Nationen entsandten Hilfstrupps – darunter über 3.300 Rettungskräfte und 200 Suchhunde. Die USA stellten 300 Millionen Dollar an humanitärer Hilfe bereit. Papst Leo XIV spendete 100.000 Euro. Argentinien schickte 64 Spezialisten der Bundesrettungsbrigade (BEFER).
In Zusammenarbeit mit Starlink arbeitet die US-Regierung daran, die Internetverbindung in den betroffenen Gebieten mittels Satellitenterminals wiederherzustellen.
Ein vorläufiger Bericht der Vereinten Nationen schätzt die direkten physischen Schäden auf 6,7 Milliarden Dollar – etwa 6% des Bruttoinlandsprodukts von Venezuela.
Venezuela liegt am Schnittpunkt zweier großer tektonischer Platten: der Karibischen Platte und der Südamerikanischen Platte. Diese Grenze verläuft entlang der Nordküste des Landes und erzeugt ständige seismische Aktivität durch Reibung und Verschiebung der Platten. Wichtige Störungszonen sind die Boconó-, San Sebastián- und El-Pilar-Verwerfungen. Die dichte Besiedlung dieser Zone erhöht das Risiko erheblich.
Quellen: El Día | La Mañana Neuquén | El País
Alfredo S. Quiroga