13/07/2026 19:30 - Tecnologia
Am 9. Juli 2026 unternahm die Federal Communications Commission (FCC), die US-Bundesbehörde für Kommunikation, einen historischen Schritt: Sie autorisierte das aufstrebende Startup Reflect Orbital zum Bau, Start und Betrieb eines Spiegelsatelliten in einer niedrigen Erdumlaufbahn. Dieses Projekt, wie von WIRED und Vietnam.vn berichtet, verspricht, Sonnenlicht 'auf Bestellung' in die dunklen Zonen des Planeten zu bringen.
Der experimentelle Satellit mit dem Namen Eärendil-1 (eine Anspielung auf das Universum von J.R.R. Tolkien) wiegt 142 Kilogramm und verfügt über ein faltbares Design. Im Weltraum wird er einen riesigen Reflektor von 18 x 18 Metern (324 Quadratmetern, etwa so groß wie ein Basketballfeld) entfalten, der aus mit Aluminium beschichtetem Mylar (einem extrem reißfesten und leichten Kunststoff) besteht.
Es ist geplant, dass er Ende 2026 mit einer Falcon 9-Rakete von SpaceX (dem privaten Raumfahrtunternehmen von Elon Musk) in eine Höhe von 600 bis 650 Kilometern gebracht wird. Seine Aufgabe wird es sein, Sonnenlicht zur Erde zu reflektieren und eine beleuchtete Zone von etwa 5 bis 6 Kilometern Durchmesser auf der Erdoberfläche zu schaffen.
Ben Nowack, der Geschäftsführer von Reflect Orbital, erklärte, dass diese Technologie eine kontinuierliche Lichtversorgung für große Solarparks gewährleisten soll, damit diese auch nachts Energie produzieren können. Darüber hinaus könnte sie entscheidend sein für:
Eärendil-1 ist nur der erste Schritt. Wenn der technische Test durchführbar ist, plant Reflect Orbital, bis zum Jahr 2035 50.000 Spiegelsatelliten im Einsatz zu haben, die ein gigantisches globales Reflektionssystem bilden würden.
Trotz seiner potenziellen Nützlichkeit hat das Projekt in der wissenschaftlichen Gemeinschaft tiefe Besorgnis ausgelöst. Während des Genehmigungsverfahrens erhielt die FCC fast 2.000 öffentliche Kommentare, die die Initiative in Frage stellten. Organisationen wie die American Astronomical Society, DarkSky International und die Europäische Südsternwarte (ESO) warnen vor den negativen Auswirkungen.
Tony Tyson, Forscher an der University of California in Davis und leitender Wissenschaftler des Vera-C.-Rubin-Observatoriums, äußerte seine Skepsis: 'Stellen Sie sich den Himmel voller Monde vor.' Die ESO stufte diese Art von Technologie als 'existenzielle Bedrohung' für die optische Astronomie ein, da sie die Lichtverschmutzung drastisch erhöhen würde. Dies würde die Beobachtung schwacher Himmelskörper erschweren und die nachtaktiven Ökosysteme der Tierwelt stören.
Trotz der Einwände kam die FCC zu dem Schluss, dass der Antrag nur einen experimentellen Satelliten und keine kommerzielle Satellitenkonstellation betrifft. Die Behörde stellte fest, dass die Bewertung der astronomischen Auswirkungen 'außerhalb unserer Überprüfung und Autorisierung' liegt. Jede zukünftige groß angelegte Implementierung wird neue regulatorische Genehmigungen erfordern, was Raum für zukünftige wissenschaftliche und regulatorische Debatten lässt.
Alfredo S. Quiroga