Die Nacht in São Paulo hatte für Rosario Central ein perfektes Drehbuch bereit: Mit der Platzverweis für Raniele und fast 40 Minuten in Überzahl schien das Team von Jorge Almirón auf dem besten Weg, die Sensation zu schaffen. Doch der Fußball ist grausam – und Corinthians, mit der Klasse von Memphis Depay und dem Torinstinkt von Breno Bidon, versetzte dem Gegner in der 80. Minute den K.o.-Schlag. Das 1:0 warf den Canalla aus der Copa Libertadores 2026 und brachte den Timao ins Viertelfinale, wo nun Estudiantes de La Plata wartet.
Die Partie am Donnerstag, den 20. August, im Neo Química Arena war ein Spiegelbild der engen Ausgangslage aus dem Hinspiel (0:0 in Arroyito). In der ersten Halbzeit dominierte Corinthians den Ballbesitz, scheiterte aber an der stabilen Abwehr von Central und an Torhüter Jeremías Ledesma. Der Gastgeber hatte zwei große Chancen: einen Schuss von Garro, den Ledesma parierte, und einen Versuch von Kaio César, der knapp vorbeiging. Auf der anderen Seite konnte der Canalla nur einmal durch einen Fernschuss von Gastón Ávila für Gefahr sorgen, der am rechten Pfosten vorbeistrich.
Die Platzverweis, die alles veränderte
Die zweite Halbzeit begann ähnlich, doch in der 57. Minute schickte Schiedsrichter Alexis Herrera aus Venezuela nach VAR-Check Raniele vom Platz – wegen einer harten Attacke gegen Enzo Copetti. Der Mittelfeldspieler von Corinthians hatte bereits Gelb gesehen und ließ sein Team in Unterzahl zurück. Central übernahm die Kontrolle, aber es fehlte an der letzten Präzision. Die größte Chance kam in der 73. Minute, als Copetti allein vor Hugo Souza auftauchte und den Ball über die Latte setzte – ein Fehler, der sich bitter rächen sollte.
Almirón brachte frische Kräfte (Julián Fernández, Giovanni Cantizano und Marco Ruben), aber Central fand kein Mittel gegen das gut organisierte Defensivbollwerk. Als alles auf ein Elfmeterschießen hinauslief, schlug die Stunde von Depay: Der Niederländer, in der 69. Minute eingewechselt, führte einen Freistoß kurz aus, bekam den Ball zurück und flankte perfekt an den ersten Pfosten. Breno Bidon war schneller als alle und köpfte zum umjubelten 1:0 ein – blanke Enttäuschung bei den Gästen.
Die Noten für Rosario Central
Laut der Analyse von Rosario3 spiegeln die Noten der Auriazules die Frustration wider: Jeremías Ledesma (5) parierte zwar stark, konnte aber das Tor nicht verhindern; Emanuel Coronel (3) verschuldete das Foul, das zum Treffer führte; Ignacio Ovando (6) gewann fast alle seine Zweikämpfe; Gastón Ávila (6) stark in der Abwehr und fast per Weitschuss erfolgreich; Agustín Sández (5) blass; Franco Ibarra (5) unauffällig; Federico Navarro (6) bester Mittelfeldspieler; Alan Rodríguez (5,5) solide; Ángel Di María (3) vergab fast alles; Jaminton Campaz (3,5) verlor das Duell gegen Matheuzinho; und Enzo Copetti (3) wurde zum tragischen Helden, als er das 1:0 liegen ließ.
Die Einwechselspieler blieben wirkungslos: Cantizano, Fernández, Ruben und Badaloni kamen kaum zur Geltung.
Eine schwere Hypothek
Mit dieser Niederlage enttäuschte Rosario Central erneut in den K.o.-Spielen. Die Statistik ist eindeutig: Nur drei von neun Duellen in Brasilien wurden gewonnen (1998 gegen Atlético Mineiro und 2024 gegen Inter). Corinthians hatte den Canalla bereits im Jahr 2000 im Achtelfinale der Libertadores per Elfmeterschießen ausgeschaltet – diesmal wiederholte sich die Geschichte.
Besonders aufschlussreich war die Geste von Ángel Di María nach dem Abpfiff: Der 38-Jährige ließ mit den Worten „Jetzt muss ich nachdenken, was ich weiter tun will“ Zweifel an seiner Zukunft aufkommen – ein möglicher Rücktritt würde die Fußballwelt erschüttern.
Viertelfinale: Estudiantes wartet
Dank dieses Erfolgs steht Corinthians unter den letzten Acht des Kontinents und trifft auf Estudiantes de La Plata. Das Hinspiel findet im Stadion UNO in La Plata statt, das Rückspiel im Neo Química Arena in São Paulo. Die Argentinier, die Nacional Montevideo ausschalteten, wollen die Heimstärke nutzen, um den Brasilianern mit Stars wie Memphis Depay und Rodrigo Garro ein Schnippchen zu schlagen.
Diese Paarung verspricht Spannung pur. Rosario Central muss sich derweil neu sortieren und sich auf das Clausura-Turnier konzentrieren, wo es mit 12 Punkten auf Platz zwei liegt, nur zwei Punkte hinter River Plate. Die Enttäuschung ist groß, doch die Chance auf Revanche hat nun Estudiantes – ein Verein mit großer Libertadores-Tradition.