Laut einem Bericht von CAME vom 9. August 2026 sind die Einzelhandelsumsätze von KMU im Juli um 3,8% gefallen, was das Ende des Weihnachtsgeld-Effekts markiert. Marcos Galperín, Gründer von Mercado Libre, zweifelte jedoch an den Daten und wies auf das starke Wachstum des E-Commerce hin – eine Konfrontation, die Präsident Javier Milei in sozialen Medien als 'Masterclass' bezeichnete.

Die argentinische Wirtschaft sendet weiterhin widersprüchliche Signale. Während die projizierte Inflation für Juli 2026 landesweit zwischen 1,9% und 2% liegt, kühlt sich der alltägliche Konsum spürbar ab. Wie spezialisierte Medien berichten, hat sich die im Juni verzeichnete Verbesserung schnell wieder aufgelöst.

CAME-Daten: Ein schwacher Juli für den Einzelhandel

Laut einer Erhebung der Confederación Argentina de la Mediana Empresa (CAME), dem argentinischen KMU-Verband, wurden zwischen dem 31. Juli und dem 6. August 2026 insgesamt 1.128 Einzelhandelsgeschäfte befragt. Das Ergebnis: Die Umsätze der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) fielen im Juli im Jahresvergleich um 3,8%. Im Vergleich zum Vormonat Juni ergab sich ein Rückgang von 2,1%. In den ersten sieben Monaten des Jahres summiert sich die Kontraktion auf 2,7%.

Der Bericht zeigt auch die Entwicklung nach Branchen: Sechs der sieben erfassten Sektoren verzeichneten im Jahresvergleich Rückgänge. Die einzige Ausnahme war die Baubranche (Eisenwaren), die ein bescheidenes Wachstum von 1% erzielte.

BrancheVeränderung zum Vorjahr
Textil & Bekleidung-5,6%
Hausrat, Deko & Möbel-5,5%
Lebensmittel & Getränke-5,4%
Schuhe & Lederwaren-3,5%
Parfümerie-3,1%
Apotheken-1,6%
Eisenwaren & Bau+1,0%

Das Ende des Weihnachtsgeld-Effekts und der WM-Effekt

CAME führt den Rückgang auf das Auslaufen der zusätzlichen Liquidität zurück, die durch das Aguinaldo (das in Argentinien im Juni und Dezember obligatorische 13. Monatsgehalt) entstanden war. Im Juni hatten die Verkäufe dank dieser Extra-Zahlung und der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 noch ein Plus von 0,9% im Jahresvergleich erzielt. Doch im Juli kehrte die schwächere Dynamik zurück, verstärkt durch die hohen Tarife für Winterdienstleistungen.

Im Lebensmittelsektor zeigt sich der Konsument zunehmend 'defensiv': Er konzentriert sich auf den grundlegenden Warenkorb, sucht verstärkt nach Sonderangeboten, nutzt digitale Geldbörsen und ersetzt Markenprodukte durch günstigere Alternativen.

Galperíns Reaktion und Mileis Unterstützung

Die von CAME beschriebene Lage wurde nicht von allen geteilt. Wie die Zeitung La Nueva berichtet, stellte Marcos Galperín, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Mercado Libre – der größten E-Commerce-Plattform Lateinamerikas –, die Daten des Verbands infrage. Der Unternehmer argumentierte, der Bericht berücksichtige offenbar nicht das Volumen der Online-Verkäufe.

Galperíns Argument: 'Jemand sollte das Volumen all dessen, was CAME misst, mit dem Volumen vergleichen, das Mercado Libre Argentina abwickelt, das im letzten Quartal um 38% in konstanter Währung wächst. Ich habe das Gefühl, dass das Volumen von Mercado Libre größer ist als alles, was CAME misst, und niemand scheint dies zu berücksichtigen, wenn er den Zustand des Konsums verkündet.'

Diese Provokation blieb in der Politik nicht unbemerkt. Präsident Javier Milei teilte Galperíns Botschaft in seinen sozialen Netzwerken mit einem klaren Unterstützungskommentar: 'Masterclass'.

Zukunftsaussichten: Vorsichtiger Optimismus, aber Investitionszurückhaltung

Trotz der schwierigen Gegenwart zeigen die Erwartungen der Händler für die nächsten zwölf Monate eine leichte Verbesserung. 42,4% der Befragten rechnen mit einer positiven Entwicklung – ein Anstieg um 4,7 Prozentpunkte gegenüber der vorherigen Umfrage. 46,3% erwarten Stabilität, und nur 11,3% befürchten eine Verschlechterung.

Allerdings bleibt die Investitionsbereitschaft gering: 61,5% der Geschäfte halten das aktuelle Umfeld für nicht investitionsfreundlich. Ein ermutigendes Zeichen: Die Online-Verkäufe stiegen im Jahresvergleich um 14,9% – der digitale Kanal wird zunehmend zur strategischen Option für den Einzelhandel.