Der argentinische Dollar (Großhandelskurs) steht bei 1.487,50 ARS – nur 4,50 Pesos unter der symbolischen Grenze von 1.500. Die Regierung von Javier Milei setzt auf eine Mischung aus Dollar-Anleihen, Zinserhöhungen und Devisenmarkt-Interventionen, um die Währung zu stabilisieren. Doch das Länderrisiko steigt und die Zentralbank kauft immer weniger Reserven. Ein Überblick über die Maßnahmen und ihre Folgen.

Der Kampf um die 1.500-Peso-Marke

Der argentinische Großhandels-Dollar (Dólar mayorista) schloss am Freitag, den 14. August 2026, bei 1.487,50 ARS – nur 4,50 Pesos unter der symbolischen Grenze von 1.500, die die Regierung unbedingt halten will. Das Wirtschaftsministerium und die Zentralbank (BCRA) verfolgen dabei eine dreifache Strategie: den Wechselkurs stabilisieren, die Zinsen in Pesos kontrollieren und internationale Reserven aufbauen. Analysten warnen jedoch, dass dieses Gleichgewicht fragil und nur von kurzer Dauer sein könnte.

Was ist der Dólar mayorista? Der Großhandels-Dollar ist der Wechselkurs, zu dem Banken und große Unternehmen Devisen an der offiziellen Börse handeln. Er ist in Argentinien die Referenz für Exporte, Importe und die offizielle Inflation. Daneben existieren parallele Kurse wie der „Dólar blue“ (inoffizieller Markt) und verschiedene steuerbelastete Kurse.

Rekord-Emission von Dollar-Anleihen

Das wichtigste Instrument des Finanzministeriums sind Anleihen, die an den offiziellen Wechselkurs gekoppelt sind – sogenannte USDL-Bonds (Dollar Linked). Laut der Beratungsfirma Quantum Finanzas hat der argentinische Staat seit April 2026 Papiere im Gegenwert von fast 11.000 Millionen US-Dollar emittiert. Der gesamte Bestand an Wechselkursabsicherungen hat sich in nur drei Monaten vervierfacht: von 3.211 Millionen US-Dollar Ende Mai auf 12.118 Millionen US-Dollar im August, schätzt die Investmentfirma Portfolio Personal Inversiones (PPI).

„Seit April emittierte das Finanzministerium an den offiziellen Wechselkurs gekoppelte Titel, mit einem deutlichen Anstieg des Handelsvolumens am Sekundärmarkt: von durchschnittlich 261 Millionen US-Dollar pro Tag im April auf 532 Millionen US-Dollar im Juli“, so Quantum Finanzas.

Interventionen am Terminmarkt und an freien Märkten

Auch die Zentralbank (BCRA) greift aktiv in den Devisenterminmarkt ROFEX ein. Ihre Netto-Verkaufsposition in Dollar-Futures stieg von 193 Millionen US-Dollar im Mai auf 492 Millionen US-Dollar im Juni. Zusätzlich verkaufte die Zentralbank zwischen April und Juni rund 1.000 Millionen US-Dollar an freien Devisenmärkten, berichtet Quantum Finanzas.

In einem Einzelfall verkaufte das Finanzministerium sogar direkt Devisen am Großhandelsmarkt, um eine Aufwertung des Wechselkurses zu verhindern, die einen anstehenden Verfall einer Dollar-Anleihe verteuert hätte. Diese direkte Intervention wurde von der Beratungsfirma Outlier bestätigt.

Höhere Zinsen zur Bekämpfung der Dollarisierung

Um die Nachfrage nach Dollar einzudämmen, hat die Regierung eine Anhebung der Zinssätze für Pesos akzeptiert. Der Zinssatz für Kautionsgeschäfte (Cauciones) – kurzfristige Wertpapierkredite – stieg von 20% auf 23% (Nominaljahreszins). „Die Regierung priorisiert den Dollar, auch wenn das höhere Zinsen bedeutet“, kommentierte die Wirtschaftszeitung Ámbito.

Diese Strategie hat jedoch ihren Preis: Kredite in Pesos sind durch real positive Zinsen teuer und die Zahlungsausfälle erreichen Rekordniveau. Laut einem Bericht von Clarín gibt es 5,3 Millionen Menschen mit Zahlungsrückständen von mehr als 3 Monaten, die durchschnittliche Ausfallquote im Finanzsystem liegt bei 17,5%.

Weniger Reservenkäufe – ein Warnsignal

Ein weiteres Symptom der Schwierigkeiten ist die deutliche Verlangsamung bei den Dollar-Käufen der Zentralbank. Lag der durchschnittliche Tageskauf im Juli noch bei 103 Millionen US-Dollar, so waren es im August bisher nur 33 Millionen US-Dollar pro Tag. In der ersten Augustwoche sank der Durchschnitt auf nur 22 Millionen US-Dollar – der niedrigste Wert des Jahres.

Das offizielle Ziel ist es, bis zu den Wahlen mindestens 10.000 Millionen US-Dollar an Reserven aufzubauen. Das aktuelle Tempo liegt weit darunter. „Die Entscheidung, 1.500 Pesos als kurzfristige Obergrenze zu markieren, hat auch die Dynamik der Dollar-Schulden beeinflusst“, stellte die Beratungsfirma 1816 fest.

Zwei neue Maßnahmen zur Wirtschaftsbelebung

Da die Wirtschaft schwächelt, hat die Regierung zwei Initiativen angekündigt, um den Kreditmarkt anzukurbeln:

1. Dollar-Kredite für Nicht-Exporteure

Die neue Regelung erlaubt es Banken, bis zu 15% ihrer Dollar-Einlagen (rund 40.000 Millionen US-Dollar) an Unternehmen zu verleihen, die keine Devisen einnehmen. Das potenzielle Kreditvolumen liegt bei etwa 6.000 Millionen US-Dollar – allerdings müssen die Unternehmen das Wechselkursrisiko selbst tragen.

2. ANSES-Fonds für langfristige Kredite

Wirtschaftsminister Luis Caputo bestätigte, dass die Regierung mit dem Arbeitsministerium zusammenarbeitet, damit der Garantiefonds für Nachhaltigkeit (FGS) der Sozialversicherungsanstalt ANSES langfristige Festgelder bei Banken ausschreibt – mit dem Ziel, den Hypothekenmarkt zu beleben.

Was erwartet der Markt bis Ende des Jahres?

Die Projektionen des REM (Relevamiento de Expectativas de Mercado) der Zentralbank vom Juli zeigen einen Großhandels-Dollar von 1.512 ARS für August, 1.546 ARS für September, 1.577 ARS für Oktober, 1.618 ARS für November und 1.652 ARS für Dezember 2026. Die Terminkontrakte an der Börse Matba-Rofex preisen einen moderateren Anstieg ein: 1.616,50 ARS für Dezember – das entspricht einem Anstieg von 8,7% gegenüber dem Freitagsschluss.

„Die Regierung hat die 1.500er-Zone vorerst gehalten, aber jetzt braucht sie, dass diese Stabilität nicht in dauerhaft höhere Zinsen, geringere Reservenbildung und eine Wirtschaft ohne Erholung umschlägt“, warnte Ámbito in seiner Analyse.

Zum Verständnis: Der Riesgo País (Länderrisiko) ist ein Maß für die Kreditwürdigkeit eines Landes. Er wird in Basispunkten über den US-Staatsanleihen gemessen. Ein Wert von 489 Punkten bedeutet, dass Anleger eine Rendite von etwa 4,89 Prozentpunkten mehr verlangen als für US-Staatsanleihen – ein Zeichen für erhöhte Unsicherheit.

Die grundlegende Spannung bleibt bestehen: Der Markt sieht den Dollar weiterhin als einen Preis, den es abzusichern lohnt. Die Nachfrage nach Wechselkursabsicherungen hat sich in drei Monaten vervierfacht, und Sparer kaufen weiterhin rund 2.000 Millionen US-Dollar pro Monat in bar, wie der jüngste Devisenbericht der Zentralbank zeigt.

Mit Informationen von TN, Ámbito, La Nación, Infobae und La Izquierda Diario.