Der Kampf zwischen Dollar und Zinsen
Der argentinische Finanzmarkt erlebt Tage hoher Anspannung. Die Entscheidung der Regierung, dem Großhandelsdollar eine informelle Obergrenze von 1.500 $ zu setzen, hat einen direkten Nebeneffekt: Die Zinssätze für Pesos sind stark gestiegen – und der Kredit, weit davon entfernt, sich zu erholen, fällt weiter.
Laut Daten der Zentralbank, analysiert von First Capital Group, sank der Kredit an den Privatsektor im Juli real um 1% – das heißt, er wuchs nur um 1%, blieb aber hinter der monatlichen Inflation von 2,1% zurück. „Wir haben wieder einen Monat mit negativen realen Ergebnissen“, erklärte Guillermo Barbero, Partner bei First Capital.
„Als sich der Dollar 1.500 $ näherte, griff die Regierung auf verschiedene Weise ein, aber man kann nicht gleichzeitig den Dollar und die Zinsen kontrollieren. Wenn man den Dollar bremst, werden die Zinsen auf Dauer endogen und reagieren von selbst“, warnte Gabriel Caamaño von Outlier.
Zahlen, die Alarm schlagen
Die Zahlen der Woche sind aussagekräftig:
- Börsliche Cauciones (Tagesgeld): erreichten am Dienstag 38% p.a. und notierten am Mittwoch nahe 29%.
- TAMAR (Großhandelszins): stieg am Freitag auf 24,56% p.a. – Höchststand seit dem 8. April.
- Pases zwischen Banken: stiegen um 80 Basispunkte auf 25,9% p.a. – Höchststand seit dem 25. Februar.
- Lecap-Kurve: notiert über 2,2% pro Monat.
- Großhandelsdollar: schloss bei 1.497 $ – nur 3 $ unter der informellen Obergrenze von 1.500 $.
Die offizielle Strategie: Den Dollar um jeden Preis bremsen
Der Präsident der Zentralbank, Santiago Bausili, war am Mittwoch in einem Vortrag für die Fundación FIEL deutlich: „Wir verfolgen seit Ende letzten Jahres eine Geldpolitik, die eindeutig nicht expansiv ist. Man sollte nicht erwarten, dass die Zentralbank versucht, die Wirtschaftstätigkeit über geldpolitische Instrumente anzukurbeln. Wir halten an einem kontraktiven Kurs fest, solange die Inflation über unserem Ziel liegt.“
In der Finanzwelt berichten Händler, dass die Zentralbank aktive Pases angeboten hat, um die Zinsanstiege abzufedern. Zudem kursierte das Gerücht, dass die Banco Nación begann, Pesos bereitzustellen – was als Obergrenze für Refinanzierungszinsen und als Untergrenze für Anleihekurse wirkte.
Die Kosten für die Realwirtschaft
Das Problem, so die Analysten, ist, dass diese Zinskorrektur in einem heiklen Kontext für die Realwirtschaft erfolgt. CEPEC wies darauf hin, dass „der Kredit praktisch zum Stillstand gekommen ist und die Wirtschaftstätigkeit deutliche Anzeichen einer Stagnation zeigt. Der Zinsanstieg kommt nicht in einer Phase übermäßiger Nachfrage, die abgekühlt werden müsste, sondern in einer Wirtschaft, die bereits Schwäche zeigt.“
Für Rocío Bisang von GMA Capital „operiert die Wirtschaft heute unter einem Trade-off zwischen Zins und Dollar, wobei die Regierung offenbar dazu neigt, den Wechselkurs zu kontrollieren. Den Dollar zu kontrollieren bedeutet, den Markt relativ trocken zu halten, und außerdem kauft die Zentralbank weniger Devisen, wodurch sie auch weniger Pesos in den Markt pumpt. Bei niedriger Liquidität passen sich die Zinsen entsprechend an.“
Die besorgniserregendste Tatsache: Der Kredit in Pesos wird die Wirtschaft nicht ankurbeln. „Die Banken nehmen Einlagen zu variablen Zinsen auf, ihre kurzfristigen Zinssätze bewegen sich ständig, aber sie vergeben Kredite zu festen Zinsen. Dieses Risiko werden sie nicht wieder eingehen“, erklärte Caamaño.
Wie lange hält der Druck an?
Die Frage, die die Finanzwelt umtreibt, ist, ob diese Dynamik hoher Zinsen nachhaltig ist. Andrés Reschini von F2 Soluciones Financieras meinte: „Die Regierung hat ihren kontraktiven Kurs bei der Geldmenge nicht aufgegeben, und wir sehen einen vorsichtigeren Markt in einem komplexen globalen Umfeld. Brasilien erlebt eine ähnliche Situation, während es sich Wahlen mit Unsicherheit nähert, während in Argentinien das Wahlthema immer mehr an Gewicht gewinnt.“
Bei Outlier glaubt man, dass „die Aufrechterhaltung der ad-hoc-Obergrenze von 1.500 $ für den offiziellen Wechselkurs immer offensichtlicher und kostspieliger wird, was die Risikoprämie für das Halten von Pesos immer größer macht und den Zinsanstieg selbst verstärkt.“ Wenn der Druck auf den Dollar nicht nachlässt, könnte sich diese Dynamik in den kommenden Handelstagen verschärfen.
In der Zwischenzeit wartet der Markt gespannt auf die Schatzanleihe-Auktion in der kommenden Woche und auf Signale der Zentralbank zu ihrer Strategie der aktiven Pases. Die offizielle Entscheidung, den Wechselkurs als Anti-Inflations-Anker zu priorisieren, hat einen klaren Preis: Jeden Versuch eines Aufschwungs der Wirtschaftstätigkeit über den Kredit zu opfern.