Die Zentralbank Argentiniens (BCRA) meldet eine Stabilisierung der Kreditausfallrate privater Haushalte bei 12,8 % im Juni – der erste Monat ohne Anstieg nach fast zwei Jahren. Auch wenn die Gesamtverschuldung hoch bleibt, werten Experten dies als mögliches Signal der Erholung inmitten einer schwierigen Wirtschaftslage.

Ein Silberstreif am Horizont: Die Schuldenkrise der Familien zeigt erste Entspannung

Nach 19 aufeinanderfolgenden Monaten des Anstiegs ist die Zahlungsverzugsrate bei Krediten an private Haushalte in Argentinien im Juni stabil geblieben. Laut dem jüngsten Bankenreport der Zentralbank der Argentinischen Republik (BCRA) verharrte sie bei 12,8 %. Dies könnte einen Wendepunkt markieren – auch wenn das Niveau weiterhin das höchste seit 21 Jahren ist.

Die Gesamtausfallrate im privaten Sektor sank leicht von 7,7 % im Mai auf 7,6 % im Juni und beendete damit eine Serie von monatlichen Zuwächsen, die seit Dezember 2024 andauerte. Die offiziellen Daten wurden am Freitag, den 21. August 2026, veröffentlicht und bestätigten damit frühere Berichte privater Analysefirmen.

Unterschiedliche Entwicklungen bei den Kreditarten

Der BCRA-Bericht zeigt ein gemischtes Bild bei den verschiedenen Finanzierungslinien:

  • Kreditkarten: Die Ausfallrate sank und trug so zur Stabilisierung des Gesamtdurchschnitts bei.
  • Privatkredite (Préstamos personales): Die Ausfallrate stieg von 15,9 % im Mai auf 16,3 % im Juni.
  • Autokredite (Préstamos prendarios): Ebenfalls steigende Ausfallraten wurden hier verzeichnet.
  • Hypothekarkredite: Die Ausfallrate blieb weitgehend stabil.

Das Gesamtbild: 6 Millionen säumige Zahler

Trotz des Stopps des Negativtrends bleibt die Zahl der Menschen mit Zahlungsproblemen hoch – rund 6 Millionen sind betroffen. Im Jahresvergleich hat sich die Ausfallrate der Haushalte sogar mehr als verdoppelt: Im Juni 2025 lag sie bei 5,2 %, ein Jahr später bei 12,8 %.

Die BCRA begründet die Stabilisierung mit mehreren Faktoren: einer Verlangsamung des Wachstums des notleidenden Kreditbestands, einem realen Anstieg der gesamten Kreditvergabe und der Abschreibung (Ausbuchung) von uneinbringlichen Forderungen, die zuvor als notleidend eingestuft worden waren.

Unternehmenskredite: Stabile Lage bei 3,5 %

Bei den Unternehmenskrediten blieb der Ausfallkoeffizient mit 3,5 % im Juni unverändert gegenüber Mai. Die Zentralbank verzeichnete jedoch leichte monatliche Anstiege in den Sektoren Bau, Handel und Industrie, während die Ausfallrate in der Primärproduktion leicht zurückging.

Die geschätzte Ausfallwahrscheinlichkeit (PDE) – ein Maß für das Kreditrisiko – verbesserte sich im Juni um 0,2 Prozentpunkte auf 2,6 %. Dies deutet auf eine leichte Erholung der Zahlungsfähigkeit der Kreditnehmer hin.

Regierung und Zentralbank: Kein Anlass für Aktionismus

Wirtschaftsminister Luis Caputo warnte vor zu schnellen Erwartungen: „Der Wechsel von einem säumigen zu einem pünktlichen Zahler passiert nicht sofort. Selbst wenn jemand wieder zahlt, dauert es mehr als drei Monate, bis die Bank ihn nicht mehr als säumig einstuft.“ Der gesamte Prozess könne zwischen 6 und 12 Monaten dauern.

BCRA-Präsident Santiago Bausili verglich die Abwicklung der faulen Kredite mit „Verdauungsprozessen“, die sich nur schwer beschleunigen ließen. Er zeigte sich jedoch optimistisch angesichts der Umschuldungen und der Erholung der Kreditvergabe an Haushalte.

Keine Zinsobergrenzen, kein staatlicher Rettungsplan

Die Regierung hat sowohl Obergrenzen für Zinssätze als auch ein umfassendes Hilfsprogramm für Schuldner ausgeschlossen. „Man darf Empathie nicht mit öffentlicher Politik verwechseln“, betonte Caputo. Eine Ausnahme bleibt das Sonderprogramm der staatlichen Banco Nación.

Die Rolle der Fintechs

Die Zentralbank sieht kein systemisches Risiko für das Finanzsystem, da der größte Teil der Ausfälle bei Fintech-Unternehmen und digitalen Geldbörsen (Billeteras Virtuales) liegt. Dort erreicht die Ausfallquote bis zu 30 %. Von den 6 Millionen säumigen Zahlern sind rund 65 % bei solchen digitalen Kreditanbietern verschuldet, wo hohe Zinsen die Schulden schnell anwachsen lassen.

Im argentinischen Kongress liegen mindestens 17 Gesetzesentwürfe vor, die die Lage der Schuldner verbessern sollen. Bisher scheitern sie jedoch am fehlenden Konsens mit der Regierungsfraktion.


Quellen: Infobae · La Nación · La Voz